Prince of Persia - Der Sand der Zeit
Flink auf den Beinen, aber im falschen Krieg
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 20.05.2010
Filmbeschreibung
Als armer Mann muss man flink auf den Beinen sein, um den Launen, den Befehlen, den Ungerechtigkeiten und der Bestrafungslust der großen Herren zu entgehen. Wie flink, zeigt uns der Waisenjunge Dastan gleich zu Beginn von Mike Newells Film "Prince of Persia - Der Sand der Zeit". Der Bengel rast über den Markt einer orientalischen Märchenmetropole, flitzt durch die Gassen, hüpft von Dach zu Dach und findet sicheren Tritt auf kleinsten Vorsprüngen und schmalsten Balken. Wer schon ein bisschen länger eine Computermaus oder die Daddelknöpfe einer Spielkonsole bedienen kann, wird zufrieden grinsen: "Prince of Persia" ist die Adaption einer einst bahnbrechenden Computerspielreihe, und etliche Sequenzen in der Verfilmung darf man als offene Zitate des Jump-'n'-Run-Kosmos deuten, als Verweise auf eine Spielwelt, in der es aufs Rennen, aufs Hüpfen, vor allem aber aufs zielgenaue Landen ankommt.
Dastan ist nicht nur flink, sondern tapfer und reinen Herzens. Darum wird er hier als Adoptivsohn zweier gemeinsam herrschender Königsbrüder (Ronald Pickup, Ben Kingsley) erwählt. Nach einem kleinen Zeitsprung sehen wir ihn als dritten Prinzen des Reiches in Gestalt von Jake Gyllenhaal nach wie vor ausgelassen Unfug treiben. Droht allerdings dem Reich Gefahr, dann verwandelt sich Dastan in eine Kampfmaschine, dann wirbeln mitten aus seinen Sprüngen zugleich zwei Säbel oder Dolche hervor, die Widersacher aufschlitzen oder aufspießen. Dann kennt Dastan, der gerade noch naiv lachte und aus großen Knuddelhundaugen auf Palastpracht, Dienerscharen und verschleierte Schönheiten blickte, kein Pardon.
Wir können uns also nicht sicher sein, wie erwachsen, wie verspielt, wie brutal, wie unwissend dieser Mann ist - womit auch die Ratlosigkeit vor dem ganzen Filmprojekt "Prince of Persia" beschrieben wäre. Denn eines ist dieses Hüpf- und Säbelfuchtelmarathon gewiss nicht: erwachsen geworden. Mit dem 1942 geborenen Briten Mike Newell saß immerhin ein Mann auf dem Regiestuhl, der schon bravourös ernste und komische Stoffe umgesetzt hat, "Dance with a Stranger" (1985) etwa, "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" (1994) oder "Donnie Brasco" (1997).
Gewiss, mit seiner realen Kulissenpracht, vor allem aber der Illusionsmacht seiner Bildcomputer könnte sich dieser Blockbusterkandidat allemal mit den alten eskapistischen Orientfantasien Hollywoods messen, mit Arthur Lubins "Ali Baba und die vierzig Räuber" etwa oder Charles Lamonts "Die schwarzen Teufel von Bagdad". Aber wo die manchmal viel bescheidenere Schauwerte ruhig einwirken und so ein Gefühl für Ort und Zeit aufkommen ließen, da reißt uns "Prince of Persia" dauernd fort, schneidet wild umher, zeigt Mauern, Häuser, Felsformationen nur vor, um sie im nächsten Moment einzureißen. Voranhetzen kann dieser Film, träumen nicht.
Dastan zieht in den Krieg, in den falschen, wie er zu spät merkt. Mit Prinzessin Tamina (Gemma Arterton), der Herrin eines überfallenen Reiches, macht er sich auf die hektische Jagd auf einen Bösewicht, der die ganze Welt vernichten könnte, und wird dabei selbst gejagt. Selig kinderzimmerbunt will das sein, aber wenn im Kampf eine Wache vom Stadttor gestürzt wird, stellen Schnitt, Ton und Kamera sicher, dass wir auch den Aufprall und das Knacken eines brechenden Genicks hören. Wenn ein anderer Gegner schon überwunden daliegt, dann müssen die Speichen der Torwinde ihm noch knochenbrechend ins Kreuz schlagen. Dieser Film würzt seine Fantasie vom Kämpfen ums Prinzessinnenherz mit sehr unangenehmer Markigkeit.
Dabei demonstriert der Schauspieler Alfred Molina als schlitzohriger Sklavenhändler, Straußenrennenmagnat und Gewinnmitnehmer ohne Skrupel hier fortwährend, wie man das eigentlich Anrüchige und Bedenkliche leicht und komisch erscheinen lassen kann. Seine ganze Darstellung summt und vibriert mit jenem Ton ironischer Fantastik, den Newells Film aufnehmen müsste. Dunkel gewandete Assassinen tauchen auf, demonstrieren virtuose Kampfkünste, finstere Bosheit und perfide Waffen, und bei aller Beweglichkeit kommt der Film aus dem Festkleben im Blut nicht mehr raus.
Dastan ist nicht nur flink, sondern tapfer und reinen Herzens. Darum wird er hier als Adoptivsohn zweier gemeinsam herrschender Königsbrüder (Ronald Pickup, Ben Kingsley) erwählt. Nach einem kleinen Zeitsprung sehen wir ihn als dritten Prinzen des Reiches in Gestalt von Jake Gyllenhaal nach wie vor ausgelassen Unfug treiben. Droht allerdings dem Reich Gefahr, dann verwandelt sich Dastan in eine Kampfmaschine, dann wirbeln mitten aus seinen Sprüngen zugleich zwei Säbel oder Dolche hervor, die Widersacher aufschlitzen oder aufspießen. Dann kennt Dastan, der gerade noch naiv lachte und aus großen Knuddelhundaugen auf Palastpracht, Dienerscharen und verschleierte Schönheiten blickte, kein Pardon.
Wir können uns also nicht sicher sein, wie erwachsen, wie verspielt, wie brutal, wie unwissend dieser Mann ist - womit auch die Ratlosigkeit vor dem ganzen Filmprojekt "Prince of Persia" beschrieben wäre. Denn eines ist dieses Hüpf- und Säbelfuchtelmarathon gewiss nicht: erwachsen geworden. Mit dem 1942 geborenen Briten Mike Newell saß immerhin ein Mann auf dem Regiestuhl, der schon bravourös ernste und komische Stoffe umgesetzt hat, "Dance with a Stranger" (1985) etwa, "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" (1994) oder "Donnie Brasco" (1997).
Gewiss, mit seiner realen Kulissenpracht, vor allem aber der Illusionsmacht seiner Bildcomputer könnte sich dieser Blockbusterkandidat allemal mit den alten eskapistischen Orientfantasien Hollywoods messen, mit Arthur Lubins "Ali Baba und die vierzig Räuber" etwa oder Charles Lamonts "Die schwarzen Teufel von Bagdad". Aber wo die manchmal viel bescheidenere Schauwerte ruhig einwirken und so ein Gefühl für Ort und Zeit aufkommen ließen, da reißt uns "Prince of Persia" dauernd fort, schneidet wild umher, zeigt Mauern, Häuser, Felsformationen nur vor, um sie im nächsten Moment einzureißen. Voranhetzen kann dieser Film, träumen nicht.
Dastan zieht in den Krieg, in den falschen, wie er zu spät merkt. Mit Prinzessin Tamina (Gemma Arterton), der Herrin eines überfallenen Reiches, macht er sich auf die hektische Jagd auf einen Bösewicht, der die ganze Welt vernichten könnte, und wird dabei selbst gejagt. Selig kinderzimmerbunt will das sein, aber wenn im Kampf eine Wache vom Stadttor gestürzt wird, stellen Schnitt, Ton und Kamera sicher, dass wir auch den Aufprall und das Knacken eines brechenden Genicks hören. Wenn ein anderer Gegner schon überwunden daliegt, dann müssen die Speichen der Torwinde ihm noch knochenbrechend ins Kreuz schlagen. Dieser Film würzt seine Fantasie vom Kämpfen ums Prinzessinnenherz mit sehr unangenehmer Markigkeit.
Dabei demonstriert der Schauspieler Alfred Molina als schlitzohriger Sklavenhändler, Straußenrennenmagnat und Gewinnmitnehmer ohne Skrupel hier fortwährend, wie man das eigentlich Anrüchige und Bedenkliche leicht und komisch erscheinen lassen kann. Seine ganze Darstellung summt und vibriert mit jenem Ton ironischer Fantastik, den Newells Film aufnehmen müsste. Dunkel gewandete Assassinen tauchen auf, demonstrieren virtuose Kampfkünste, finstere Bosheit und perfide Waffen, und bei aller Beweglichkeit kommt der Film aus dem Festkleben im Blut nicht mehr raus.
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