Die Beschissenheit der Dinge
Familienunterhaltung für Menschenhasser
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 20.05.2010
Filmbeschreibung
Warum gucken wir der Supernanny dabei zu, wie sie ihrerseits fassungslos der Unterschichtsfamilie dabei zuguckt, wie diese die Lebenschancen ihres gerade dem Laufstall entwachsenen Nachwuchses verspielt? Warum interessieren uns die immergleichen Horrorgeschichten von verwahrlosten und gequälten Kindern, denen weder Nachbarn, Freunde, Verwandte oder Jugendämter und Schulbehörden zu Hilfe geeilt sind? Handelt es sich um sensationsgeilen Mittelschichtsvoyeurismus? Im Kino geben sich derlei Freakshows gerne nostalgisch, erzählen skandinavische Provinzgeschichten aus den sechziger und siebziger Jahren, reisen in Prollparadiese nach Mallorca oder begeben sich gleich ins Belgien der achtziger Jahre.
Durch diese raumzeitliche Distanzierung glaubt man, die visuell knallhart ausgebeutete Verelendung dem Publikum als nostalgische "Tragikomödie" andrehen zu können, wobei nie ganz klar wird, was "Tragikomödie" hier meinen soll. Dass die bürgerliche Werteordnung durch Tabubrüche transzendiert werden könne - wie es in den siebziger Jahren Filme wie "Themroc" suggerierten -, glaubt eh kein Mensch mehr. Mit viel Sinn fürs abstoßende Detail und viel Freude am Type-Casting breitet diese Verfilmung eines Bestsellers von Dimitri Verhulst den titelgebenden Zustand der Dinge vor uns aus: fortgeschrittenen Alkoholismus, Sexismus, Bildungsferne, Armut. Was trostlos ist, wird hier mittels einer Abfolge grotesker Anekdoten auf "lustig" und "schräg" getrimmt.
Höhepunkte sind Wettrennen im Nacktfahrradfahren und gemeinschaftliches Komasaufen der Familie Strobbe. Soll man dieses dröhnende Schwelgen in Alkohol und Körpersäften - wie manch gestählter Kritikerkollege - als "schwarzhumorig", gar "poetisch" bezeichnen? Und das nur, weil sich zum aberwitzigen Retroschick noch ein Faible für die schwermütigen Songs von Roy Orbison gesellt, deren waidwunde Schicksalsergebenheit den harten Vokuhila-Typen regelmäßig in einen Abgrund von Sentimentalität stoßen? Nein, man muss schon eine gute Portion Zynismus mitbringen, um einen ganzen Abend mit den Strobbes zu verbringen.
Nun mag man einwenden, dass das Gezeigte die autobiografischen Erinnerungen eines Schriftstellers sind, eine Fiktion mithin, die vielleicht den Gründen für Menschenhass und Weltekel nachspürt. Doch bei der maßlosen Inszenierung sozialer wie psychischer Verelendung geht es nicht um Aufklärung, sondern lediglich um einen lustvollen, spätpubertären Spaß am Tabubruch. Der eigentliche Skandal jedoch ist hier die Altersfreigabe der FSK.
Durch diese raumzeitliche Distanzierung glaubt man, die visuell knallhart ausgebeutete Verelendung dem Publikum als nostalgische "Tragikomödie" andrehen zu können, wobei nie ganz klar wird, was "Tragikomödie" hier meinen soll. Dass die bürgerliche Werteordnung durch Tabubrüche transzendiert werden könne - wie es in den siebziger Jahren Filme wie "Themroc" suggerierten -, glaubt eh kein Mensch mehr. Mit viel Sinn fürs abstoßende Detail und viel Freude am Type-Casting breitet diese Verfilmung eines Bestsellers von Dimitri Verhulst den titelgebenden Zustand der Dinge vor uns aus: fortgeschrittenen Alkoholismus, Sexismus, Bildungsferne, Armut. Was trostlos ist, wird hier mittels einer Abfolge grotesker Anekdoten auf "lustig" und "schräg" getrimmt.
Höhepunkte sind Wettrennen im Nacktfahrradfahren und gemeinschaftliches Komasaufen der Familie Strobbe. Soll man dieses dröhnende Schwelgen in Alkohol und Körpersäften - wie manch gestählter Kritikerkollege - als "schwarzhumorig", gar "poetisch" bezeichnen? Und das nur, weil sich zum aberwitzigen Retroschick noch ein Faible für die schwermütigen Songs von Roy Orbison gesellt, deren waidwunde Schicksalsergebenheit den harten Vokuhila-Typen regelmäßig in einen Abgrund von Sentimentalität stoßen? Nein, man muss schon eine gute Portion Zynismus mitbringen, um einen ganzen Abend mit den Strobbes zu verbringen.
Nun mag man einwenden, dass das Gezeigte die autobiografischen Erinnerungen eines Schriftstellers sind, eine Fiktion mithin, die vielleicht den Gründen für Menschenhass und Weltekel nachspürt. Doch bei der maßlosen Inszenierung sozialer wie psychischer Verelendung geht es nicht um Aufklärung, sondern lediglich um einen lustvollen, spätpubertären Spaß am Tabubruch. Der eigentliche Skandal jedoch ist hier die Altersfreigabe der FSK.
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