Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Samstag, 11. Februar 2012

Leonberger Kreiszeitung


Breites Bündnis für die Schiene

Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung vom 22.05.2010

Rund 70 Interessierte, davon viele Kommunal- und Kreispolitiker aus der Umgebung, haben sich gestern Abend im Calwer Andreähaus getroffen, um den Protest gegen aktuelle Pläne der Bahn zu organisieren. Mit dabei sind Sozialdemokraten, Grüne und Liberale, Mitglieder der Naturschutzverbände Nabu und BUND, außerdem Vertreter des Vereins Württembergische Schwarzwaldbahn (WSB) und zahlreiche Bürger.

Sie alle eint die Furcht, die Bahn könne beim Abtransport des Aushubs, der beim Projekt Stuttgart 21 anfällt, auf die Straße statt auf die Schiene setzen. Bis zu 100 000 Lastwagenladungen, so die Horrorvision, sollen nach den bisherigen Plänen zur alten Deponie Fuchsklinge bei Hirsau gekarrt werden. Diese muss dringend saniert werden, der Aushub käme da als Füllmaterial gerade recht (wir haben berichtet).

Die Bürgerinitiative will sich dagegen dafür einsetzen, dass die Transporte über die Schiene abgewickelt werden. Das lehnt die Bahn bislang unter Verweis auf die höheren Kosten ab - nennt nach Ansicht der Kritiker aber keine konkreten Zahlen. Diese soll nun ein Gutachten bringen, welches die Anliegerkommunen in Auftrag gegeben haben. "Sobald diese Untersuchung vorliegt, wollen wir das Gespräch suchen und beispielsweise eine Podiumsdiskussion mit allen Seiten organisieren", nennt die Bad Liebenzeller SPD-Kreisrätin Saskia Esken die ersten Ziele der neu gegründeten Bürgerinitiative.

Esken, in Renningen aufgewachsen und in Weil der Stadt zur Schule gegangen, hofft dabei auch auf Unterstützung aus dem Altkreis Leonberg - immerhin würden die Lastwagen mit ziemlicher Sicherheit hier durchfahren. Völlig aussichtslos sei das Unterfangen zudem nicht: "Seit die Pläne öffentlich gemacht wurden, bewegt sich was. Wir bekommen Gesprächsangebote von Behörden und den Beteiligten".

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel hat sich laut seiner Internet-Homepage bei Bahn-Chef Rüdiger Grube für den Transport auf der Schiene stark gemacht. Grube wohnt immerhin in Gechingen, könnte zur Fuchsklinge also bequem mit dem Fahrrad fahren. Um die Deponie mit dem Güterzug erreichen zu können, müsste die Bahn vom Bahnhof Calw aus etwa vier Kilometer alte Schienen wieder herrichten. Was übrigens der Beginn der Sanierung jenes Schienenstranges wäre, über den dereinst die Verlängerung der S-Bahn von Weil der Stadt nach Calw rollen soll. Ebenfalls ein Projekt, das vielen Calwern am Herzen liegt.
 
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