Videospiel zur WM 2010 Und Ballack spielt doch mit!

Steffen Haubner, veröffentlicht am 26.05.2010
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Ein deutscher Spieler liegt am Boden. Falls das Ergebnis am Ende nicht stimmt, gibt es einen Revancheknopf.
 Screenshot: EA

Stuttgart - Über den bisherigen Verlauf der WM-Vorbereitungen kann man als deutscher Fußballfan wahrlich nicht glücklich sein. Schlussmann und Kapitän fallen verletzt aus, und der Bundestrainer will die Torschützenkönige der vergangenen Bundesligasaison erst gar nicht mit nach Südafrika nehmen. 80 Millionen Bundestrainer raufen sich die Haare. Zum Glück kann man in virtuelle Welten flüchten und im offiziellen Fifa-Spiel zur WM alles ganz anders und natürlich besser machen.


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Gleich zu Beginn wartet allerdings die erste Enttäuschung: Kevin Kuranyi gehört auch im virtuellen DFB-Team nicht einmal zu den Reservespielern. Der Mann scheint es sich mit den Fußballgöttern wirklich verscherzt zu haben. Immerhin: René Adler steht wacker im Tor, kann auf Wunsch aber auch durch Werders Tim Wiese ersetzt werden. Und auch Mittelfeldstratege Michael Ballack tut seinen Dienst, als sei nichts gewesen. Ein Glück, dass die ins Spiel eingebaute Funktion, den aktuellen Kader online herunterzuladen, offenbar doch nicht wirklich up to date ist. Dafür tickern am unteren Bildschirm brandheiße Nachrichten aus der richtigen WM-Welt vorbei

Teammitglieder bleiben aktuell


Doch beim Durchforsten der authentisch afrikanisch anmutenden Spielmenüs folgt schon die nächste Ernüchterung: Statt Kevin-Prince Boateng, dem unser Bildschirm-Ballack jetzt mal hätte zeigen können, was eine Grätsche ist, steht nur der Ex-Kölner Derek Boateng in Ghanas Aufgebot, der sich mit den ungleichen Brüdern lediglich den Nachnamen teilt. Leicht verstimmt entscheiden wir uns für einen anderen Lieblingsfeind: die Holländer, die wir standesgemäß in orangefarbene Leibchen stecken.

Damit auch wirklich nichts schiefgeht, kommen Stefan Kießling und Cacau als Sturmspitzen zum Einsatz, in der eigenen Hälfte sorgt der vom echten Jogi verschmähte Torsten Frings für Ordnung. Während uns beschwingter Ethnopop auf das Spiel einstimmt, informiert uns der Ticker: "Beckenbauer rät Löw zum Bayern-Block in der Abwehr." Aber da lassen wir uns auch vom Kaiser nicht reinreden - unsere Elf steht. Die Fans im farbenfroh animierten Stadion quittieren solch konsequentes Handeln mit Jubel. Warum sie dabei wie ein Schwarm wütender Bienen klingen, lässt sich von hier aus nicht klären. Und werden die deutschen Fans in Südafrika tatsächlich derart bescheuerte Hüte tragen? Hoffentlich nicht.

Die Moderatorenstimme stammt vom realen Vorbild


Das Dirigieren der Spieler geht auch Anfängern leicht von der Hand. Nach ein paar Minuten hat man den Bogen raus und lenkt den Ball immer zielsicherer aufs gegnerische Tor. Umso größer der Schock, als Rafael van der Vaart unvermittelt zum 1:0 einnetzt. Der virtuelle Löw tobt etwas hölzern an der Seitenlinie, und Moderator Tom Bayer (der echte) kommentiert: "Da kann der Trainer nicht zufrieden sein." Nein, das kann er wirklich nicht. Immerhin: nach einem Traumpass von Philipp Lahm sorgt Lukas Podolski kurz vor der Pause für den verdienten Ausgleich.

Eine weitgehend ausgeglichene zweite Halbzeit ist fast vorüber, da erzielt Verteidiger Mertesacker den nächsten Treffer - allerdings dummerweise ins eigene Tor. Na ja, das ist dem echten Per auch schon passiert. Vielleicht sollten wir mal auswechseln. Leider ist die entsprechende Taste im Eifer des Gefechts nicht zu finden. Ein letzter Torschuss landet in den Armen des heute glänzend aufgelegten niederländischen Keepers. Dann ist es amtlich: Holland schlägt Deutschland mit 2:1.

Glücklicherweise gibt es im Videospiel, anders als im wirklichen Leben, einen Revancheknopf. Und da ein komplettes Spiel gerade einmal zehn Minuten dauert, versucht man es ebenso lange, bis das Ergebnis stimmt. In unserem Fall müssen sich die Oranjes im vierten Anlauf endlich geschlagen geben. Na bitte, es geht doch! Bei der anschließenden Spielanalyse gibt es eine Überraschung: Spieler des Tages ist weder Michael Ballack noch Torsten Frings, sondern Heiko Westermann von Schalke 04 mit einer überragenden Wertung von 9,0. Und da der tatsächlich im DFB-Aufgebot steht, brauchen wir uns für die WM in Südafrika eigentlich gar keine Sorgen mehr zu machen.

"FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Südafrika" (Electronic Arts) ist für Playstation 3, Xbox 360 (hier getestet), Wii und PSP erschienen und kostet je nach Version zwischen 25 und 55 Euro.

Bewertung: ****


Legende:

* = Finger weg
** = Vorsicht
*** = Nochmals überdenken
**** = Könnte sich lohnen
***** = Zugreifen


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