Sex and the City 2

Die Satire in der Menopause

Simone Höhn, veröffentlicht am 27.05.2010
Filmbeschreibung
Es funktioniert einfach nicht. Was sich schon 2008 in "Sex and the City - Der Film" angedeutet hat, kommt beim zweiten Teil endgültig ans Tageslicht. Das bewährte Format der Serie um vier scharfzüngige Großstadtneurotikerinnen ist in voller Filmlänge leider kein großer Spaß. Und das, obwohl die Geschichten um Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), Samantha Jones (Kim Cattrall), Charlotte York (Kristin Davis) und Miranda Hobbes (Cynthia Nixon) nie einen anderen Anspruch hatten, als Spaß zu machen. Die charmant-flapsig dahingewitzelten Lebensweisheiten gaben der Serie wie nebenbei "tieferen Sinn", der natürlich stets an der Oberfläche geblieben ist, für dreißig Minuten aber gerade tief genug war.

Im ersten Teil des Films konnte man sich über die überwiegende Abwesenheit von geschliffenem Wortwitz noch damit hinwegtrösten, dass es endlich ein Happy End für Carrie und Mr. Big (Chris Noth) gab. Drama und Romantik statt Situationskomik und Satire, das konnten SATC-Fans gut wegstecken, schließlich hatte sich die Serienhandlung sechs Staffeln lang von 2001 bis 2007 allein um die Frage geschlängelt, wann, wie und unter welchen Umständen Carrie und Mr. Big denn wohl zusammenfinden würden.

Doch was im zweiten Kinofilm geschieht, gleicht einer Verhohnepipelung des einstigen Anspruchs, der eingefleischten Fans sowie der Protagonistinnen. Ganz zu schweigen von der Verhohnepipelung islamischer Werte und Traditionen, aber dazu später. Zunächst protzt "Sex and the City 2" mit der pompösen Hochzeit von Anthony (Mario Cantone) und Carries langjährigem schwulem Freund Stanford (Willie Garson), Schwäne, Knabenchor und Liza Minelli inklusive (mehr oder weniger belanglose Starauftritte von Penélope Cruz und Miley Cyrus folgen). Minelli gibt Beyoncés "Put a Ring on it" zum Besten, und man wähnt sich ob der bizarren Opulenz und der Darbietungen in einem Musical-Fantasyfilm. Das allein wäre ja noch ganz nett. Käme später nicht der zähe Versuch hinzu, dem Film eine emotionale Bedeutungsebene zu geben. Das Ganze kommt über trashigen Klamauk, irrwitzige Dialoge, beeindruckend schöne Bilder von Land und Leuten im Mittleren Osten und wie immer topgestylte Schauspielerinnen nicht hinaus.

Bei Carrie und Mr. Big schleichen sich zwei Jahre nach der Hochzeit die üblichen Abnutzungserscheinungen ein: Er klebt vor dem Flachbildschirm, sie ist genervt und sehnt sich nach Abenden in High Heels mit den Mädels (Sarah Jessica Parkers Spiel bleibt übrigens erstaunlich blass). Zu allem Überfluss schlägt Mr. Big vor, zwei Tage die Woche getrennt zu verbringen, um Ehelangeweile vorzubeugen. Carrie beginnt darüber nachzugrübeln ("... ich kam nicht umhin, mich zu fragen ..."). Da kommt der von der PR-Tante Samantha an Land gezogene Gratisluxusurlaub im Nobelhotel eines Scheichs in Abu Dhabi gerade recht.

Auch für Miranda und Charlotte ist das eine passende Auszeit. Miranda ist überfordert in ihrem Job, Charlotte in der Mutterrolle (trotz oder gerade wegen der körperlich gut ausgestatteten Nanny). Jede bekommt bei der Ankunft im Emirat ihren eigenen Maybach aus Sindelfingen sowie ihren eigenen Butler aus "Tausendundeiner Nacht" gestellt. Die gealterten Mädels suhlen sich in der wie für sie geschaffenen Dekadenz. Carrie kauft Schuhe auf einem arabischen Suk und trifft dort - welch ein Zufall - ihre verflossene Liebe Aidan. Der Film setzt auf Übertreibungen wie diese, ist dabei jedoch zu weit entfernt von der Karikatur und deshalb nicht allzu oft wirklich witzig. Manchen Knaller gibt es zum Glück immer noch. Zum Beispiel Samantha Jones in der Menopause: "The estrogen has left the building" (das Östrogen hat das Gebäude verlassen). Doch was hat sich Michael Patrick King nur dabei gedacht, die vier sonst so weltgewandten Damen in ihren Vierzigern beziehungsweise Fünfzigern als naiv-staunende amerikanische Kreischclique in einem sehr fernen Land dessen Religion und Tradition ad absurdum führen zu lassen? Das Ganze gipfelt darin, dass sich Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte mit einigen Musliminnen verbünden. Diese lassen dann ihre Burkas fallen, um die darunter verborgenen Chanel- und sonstigen Fummel zu präsentieren. Nach dem Motto: "Hey, wir sind eigentlich genauso cool wie ihr, nur dürfen wir hier nicht so wie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten." Der zweite Teil von "Sex and the City - Der Film" ist ein durch und durch amerikanisches Statement, eine Hommage an Überfluss und Dekadenz. Nichts anderes war zu erwarten. Das Ganze allerdings mit dem Islam verwurschteln zu wollen ist nicht bloß unangemessen, sondern mitunter auch ganz schön peinlich.
 
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