Peugeot

Ein ungewöhnliches Auto-Jubiläum

Ulrich Bethscheider-Kieser , veröffentlicht am 31.05.2010
Foto: dpa

Peugeot feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag - das Unternehmen wurde schon weit vor Erfindung des Autos gegründet. Und noch immer bestimmt die Familie Peugeot die Geschicke des Konzerns. Zum Jubiläumsfest im französischen Sochaux kamen über 500 Oldtimer aus ganz Europa. Mit knapp 4500 Einwohnern ist Sochaux eine brave Kleinstadt von überschaubarem Format im Osten Frankreichs, direkt an der Autobahn A 36 zwischen Mulhouse und Dijon in der Region Franche-Comté gelegen. Aber sie hat auch ihre Höhepunkte: den FC Sochaux beispielsweise, der recht beständig in der ersten Fußball-Liga des Landes spielt. Gegründet wurde der Fußballclub einst als Werksclub des Automobilherstellers Peugeot - und der markiert einen weiteren Schwerpunkt in dem Provinzstädtchen. Wer auf der Hauptstraße von Sochaux fährt, muss plötzlich einen Haken schlagen und das riesige Werksareal weit umfahren.

Dass Peugeot in der französischen Provinz beheimatet ist, ist in der Geschichte begründet - und die besteht seit genau 200 Jahren. 1810, also schon 76 Jahre vor der Erfindung des Autos, nahm das Unternehmen seinen Anfang, als die Brüder Jean-Pierre und Jean-Frédéric Peugeot in einer kleinen Mühle Formpressstahl walzten. Acht Jahre später melden sie ihr erstes Patent zur Herstellung von Sägen an, später produziert das Unternehmen Kaffeemühlen, Zahnarztbesteck und die Krinolinen. Das sind jene Gestänge, die seinerzeit die Röcke der Damen in üppige Formen brachten und hielten.

Jean-Pierres Enkel Armand Peugeot war es, der die Fahrradproduktion ins Rollen brachte. Und mehr: 1891 fuhr das erste Auto mit dem Namen Peugeot auf den holprigen Straßen der Region, damals noch mit einem Daimler-Motor im Heck. "Armand Peugeot musste die Familie mühsam davon überzeugen, dass sie an ein Fahrzeug glaubt, das bizarr, laut und unkomfortabel ist", sagt einer, der die Geschichte der Familie genau kennen muss. Xavier Peugeot, 46, ist im Unternehmen verantwortlich für Marketing und Presse und gleichzeitig Präsident von L'Aventure Peugeot, einer von der Familie gegründeten Organisation zur Pflege der Unternehmensgeschichte.

Er ist nicht der Einzige, der die Familientradition fortsetzt im heutigen PSA-Konzern, der neben Peugeot auch Citroën beherbergt. Sein Bruder Thierry Peugeot, 53, fungiert als Aufsichtsrat und gilt als Oberhaupt der Familie. Cousin Christian kümmert sich ebenfalls um Marketing und war Anfang der neunziger Jahre Geschäftsführer der deutschen Filiale. Ohne die Familie, heißt es in Wirtschaftskreisen, werden im Unternehmen keine wichtigen Entscheidungen getroffen.

Zum 200. Geburtstag kommen sie alle nach Sochaux. Und mit ihnen viele Liebhaber der Marke. Denn einmal im Jahr lädt L'Aventure Peugeot zu einem großen Oldtimertreffen in einem europäischen Land ein. Beim Jubiläumstreffen in der französischen Heimat kamen mehr als 1000 Teilnehmer mit gut 500 klassischen Autos zusammen. Die meisten von ihnen stammen aus Frankreich, doch wahre Fans der Marke schreckt auch ein richtig weiter Weg nicht ab. "Wir sind langes Reisen gewohnt", stellt Tore Thallaug lapidar fest, der eigens aus Stockholm zum Jubiläumsfest angereist ist. Insgesamt vier Oldtimer mit schwedischem Kennzeichen sind dabei, aber auch die skandinavischen Nachbarn lassen sich von weiten Wegen nicht abhalten. In Finnland scheint die Fraktion der Liebhaber der Automarke mit dem Löwen am Kühlergrill ebenfalls stark ausgeprägt zu sein. Nicht weniger als elf Autos sind aus dem Land der 1000 Seen via Fähre und Autobahn in die Franche-Comté getourt. Ebenso sind Italiener, Spanier und Portugiesen dabei. Selbst aus den USA und aus Südafrika kommen Oldtimerfans.

Und auch Deutsche. Ein Teil von ihnen versammelte sich an der Deutschland-Zentrale der Marke in Saarbrücken, um von dort über kleine Landstraßen durch Lothringen und das Elsass nach Sochaux zu reisen. Auch für sie ist der Weg das Ziel, denn ein Oldtimertreffen bedeutet nicht nur, Gleichgesinnte zu treffen, sondern auch, reichlich mit den alten Autos unterwegs zu sein. Wer beispielsweise mit einem 504 Cabriolet aus den siebziger oder frühen achtziger Jahren fährt, genießt ein vergleichsweise modernes Auto mit hohem Fahrkomfort. Ganz anders ist es bei jenen, die unverdrossen mit einem Vorkriegsauto unterwegs sind. Deren Besitzer lieben es, sich mittels einer achtzig und mehr Jahre alten Technik fortzubewegen. Auch wenn sich manche Steigung im Elsass nur noch mit wenig mehr als Schrittgeschwindigkeit bewältigen lässt - entscheidend ist, mit dem guten Stück Autofahren in einer urtümlichen Form zu erleben. Ganz ohne Servolenkung, Klimaanlage und elektrische Helferlein, entschleunigt im hektischen Verkehrsfluss. Thierry Peugeot nimmt die über 300 Kilometer lange Ausfahrt durch die Region am Steuer einer 601-Limousine aus den dreißiger Jahren unter die Räder. Der große Reihen-Sechszylinder verspricht ordentliche Fahrleistungen, doch "mein Lieblingsmodell ist das 203 Cabriolet", erklärt Peugeot. Mit diesem Auto aus den fünfziger Jahren war der Aufsichtsratschef schon als Student unterwegs. Heute schmückt genau dieses Exemplar die Ausstellung des Peugeot-Museums, das im Rahmen des Jubiläumsjahrs erneut erweitert wurde.

Der Löwe als eingetragenes Markenzeichen

Sinnbild für Robustheit.

Bereits 1858 ließ Peugeot den Löwen als geschütztes Warenzeichen eintragen. Es sollte als Markenzeichen für die hergestellten Werkzeuge, vor allem die Sägeblätter stehen. Obwohl das erste Peugeot-Automobil bereits 1891 gebaut wurde, schmückt der Löwe erst seit 1906 die Kühler. Der Löwe ist zudem das Wappentier der französischen Region Franche-Comté, der Heimat der Automarke. In der Kleinstadt Sochaux befinden sich das Stammwerk und das Peugeot-Museum. Internet: www.musee-peugeot.com.
 

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