Schon im Vorfeld hatte die Hamburgerin ihr Show-Programm abgespeckt: "Die Strecke ist zu schmal, außerdem sind da dicke Bodenwellen im Asphalt." Genau diese schienen ihr bei ihrer Vorführung zum Verhängnis geworden zu sein. Die anwesenden Motorsportfans nahmen den Ausrutscher gelassen. Applaus gab es für die junge Dame, die geschickt mit ihren weiblichen Reizen für sich wirbt, reichlich.
Harry Kellner, der Leiter der Fahrzeugtechnik beim ADAC Württemberg, atmete jedenfalls nicht allein wegen des schwülen Wetters über dem Glemseck gestern tief durch, als die restlichen Motorshows glimpflich über die Bühne gegangen waren. Schließlich will der Automobilclub vor allem für Sicherheit auf zwei Rädern werben. Dass hier mittlerweile Polizei, Tüv und Co. nicht mehr als Spielverderber dastehen wollen, sondern ziemlich genau wissen, was die in großer Mehrheit männliche Kundschaft zu wünschen gedenkt, zeigt das Kunstwerk, das Chris Eckert einem Model auf die Haut gemalt hat.
Unübersehbar wirbt sie mit den Prüfsiegeln an aufreizender Stelle. Mit nichts weiter als einem Bikini und einem Topf Farbe auf der Haut durchs Bikertreffen zu spazieren, macht ihr nichts aus - schließlich hatte sie ihr Tattoomeister stets im Auge. Dass der Harley-Fahrer sowie Tattoo- und Piercing-Experte Chris Eckert von ADAC und Dekra höchstpersönlich eingeladen wurde, überrascht ihn doch ein wenig.
Der Automobilclub will an diesem Sonntag mehr denn je sein Image pflegen. Denn viele Biker lieben eben nicht nur Tattoos und Motorrad-Stunts, sondern auch die Rennlegenden der Solitude-Rennstrecke. Wie berichtet, will der Autoclub für ein Revival auf der kompletten Ringstrecke zum 125. Geburtstag des Automobils im nächsten Sommer sein Gelände nicht zur Verfügung stellen. Damit droht das erste Schaulaufen nach 1965 zu scheitern.
Am Gasthaus Glemseck tragen sich die Fans eifrig in Unterschriftenlisten ein, um den ADAC umzustimmen. Harry Kellner zuckt mit den Schultern: "Wir haben Probleme mit den Behörden, wenn wir den Verkehrsübungsplatz für andere Events hergeben." Auch an diesem Wochenende werde dort trainiert, die Show findet auf der Straße statt. Bezeichnend ist Kellners Vorsicht: Zwar zeigt er sich mit dem Publikumsandrang zufrieden, ist aber vorsichtig mit Zahlen. "5000 Besucher" wären es wohl. Doppelt so viele entspräche eher den gestrigen Tatsachen. Aber dann wären vielleicht die Auflagen wieder strenger, fürchtet der ADAC-Mann.
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