Citroën Nemo 1.4 Multispace

Rückbesinnung aufs Wesentliche

Gundel Jacobi, veröffentlicht am 16.06.2010
Foto:Hersteller

Die französischen Kultautos Citroën 2CV und Renault 4 galten jahrzehntelang als Inbegriff für praktische und preisgünstige Autos mit einer Portion lockerer französischer Lebensart – ein fahrbarer Untersatz nach überallhin. In Deutschland machten viele Fernwehsüchtige mit kleinem Geldbeutel aus dem 2CV mit Kastenaufbau einen Minimal-Wohnwagen und gingen auf Tour durch ganz Europa – ein entschleunigtes Lebensgefühl nach dem Motto: quadratisch, praktisch, gut.

Eine junge Generation kastenförmiger Kleinwagen mit schlichtem, aber funktionalem Charakter erinnert ein wenig an diese Klassiker. Sie sind ein Fortbewegungsmittel, das einfach und sparsam ist und viel nutzbaren Raum bietet. Citroën Berlingo, Peugeot Partner und Renault Kangoo haben schon vor Jahren einen Trend gesetzt. Noch handlicher, mit knapp vier Meter Außenlänge, tritt das baugleiche Trio Citroën Nemo Kombi, Peugeot Bipper Tepee und Fiat Qubo auf.

Die französisch-italienische Kasten-Kategorie stammt aus einem türkischen Fiat-Werk. Stellvertretend wird der Nemo Kombi beschrieben, dessen Scheinwerfer verschmitzt aus den Kotflügeln blicken. Der weit nach vorn gerückte große Kühlergrill weckt Erinnerungen an die Schnauze eines jungen Boxers, von dem sich womöglich der englische Designer Andrew Cowell inspirieren ließ, als er die Grundform für das Trio entwarf. Die Kastenform – unerreicht in Sachen Geräumigkeit – haben die Designer mit einer nach hinten ansteigenden Fensterlinie zu mildern versucht; selbstbewusst ausgestellte Radkästen verstärken das Spiel mit den Formen.

Im Innenraum wünschte man sich in einem Wagen für die Personenbeförderung etwas mehr französischen Chic angesichts der gräulichen Plastiklandschaft rundum. Ansonsten gibt es gut ablesbare Instrumente samt griffgünstig gelegener Schalter. Buchstäblich nahe liegend: der kurze Schalthebel unterhalb der Armaturentafel. Zweckmäßige offene Ablagen in verschiedenen Größen erleichtern das Verstauen allerlei kleiner Gegenstände. Man sitzt hoch – Generation 60plus aufgemerkt –, den Zugang zum Fond erleichtern zwei praktische Schiebetüren. Auch hinten: Bein- und Kopffreiheit – gar kein Problem. In dem 3,96 Meter kurzen Nemo Kombi bleibt ein ausreichend großer Stauraum von 356 Litern, der sich über eine vorbildlich niedrige Ladekante von nur 53 Zentimeter Höhe leicht beladen lässt. Klappt man die hinteren Sitze um, sind’s 884 Liter.

Der Nemo ist voller Absicht mit zwei sparsamen Motorisierungen erhältlich. Es gibt einen 1,4-Liter-Benziner mit 54 kW (73 PS) und einen Diesel gleichen Hubraums mit 50 kW (68 PS). Beschleunigung und Spitze ermöglichen nicht mehr als ein Mitschwimmen im Verkehr. Die vergleichsweise robust konstruierte Hinterachse fällt bei bürgerlicher Fahrweise nicht unangenehm auf.

Es gibt den Nemo Kombi nur in einer Ausstattung, die Citroën wolkig Multispace (frei übersetzt etwa: viel Platz) nennt. Er steht in der Diesel-Ausführung mit 14590 Euro in der Preisliste, das sind 1500 Euro mehr, als der Benziner kostet. Der braucht nach der Norm 6,6 Liter Super, der Selbstzünder hingegen nur 4,5 Liter. Im Alltagstest wurden 6,3 Liter Diesel gemessen – mehr als erwartet.

Fazit: An die legendäre Kasten-Ente und den R4 kommen Nemo & Co. in ihrer neuen Sachlichkeit nicht heran, zumal mitunter Erinnerungen die damaligen schnatternden Mobile mit ihrer Krückstockschaltung vergolden. Gemessen an heutigen Komfortvorgaben sind die gegenwärtigen tollen Kisten aber auf der Höhe der Zeit. Bei der Sicherheit muss hingegen nachgearbeitet werden: Den Elchtest überstand nämlich neulich nur der Fiat Qubo mit serienmäßigem Stabilitätsprogramm ESP – die beiden Franzosen kippten ohne das System um. Der Peugeot Bipper Tepee soll ab Juli mit ESP ausgestattet werden, bei Citroën ist im Herbst der Diesel-Nemo dran und Anfang 2011 auch der Benziner.

Das Auto

Citroën Nemo 1.4 Multispace

Die Fakten

Motor Vierzylinder-Benziner, 1360 cm3 Hubraum

Leistung 54 kW (73 PS) bei 5200 U/min

Höchstgeschwindigkeit 155 km/h

Beschleunigung 0 bis 100 km/h 16,6 s

Elastizität 80 bis 120 km/h k. A.

Getriebe 5-Gang-Schaltgetriebe

Abmessungen 3970 mm x 1716 mm x 1735 mm

Kofferraumvolumen 356 l

Leergewicht 1255 kg

Zulässiges Gesamtgewicht 1690 kg

Verbrauch lt. Hersteller 6,6 l Super

CO2-Ausstoß 155 g/km

Grundpreis 13090 Euro

Lob und Tadel

Der Hochdachkombi hat reichlich Platz in allen drei Richtungen.

Bullige Boxernase und ausgeprägte Radhäuser verleihen der aus Raumgründen vorgegebenen Kastenform einen gewissen Charakter.

Bescheidene und sparsame Motorisierungen entsprechen dem Zug der Zeit.

Praktische Schiebetüren in der zweiten Reihe ermöglichen auch bei engem Parkraum einen problemlosen Zugang.

Die hohe Sitzposition erleichtert nicht nur der älteren Generation den Einstieg, sondern erlaubt allen einen guten Überblick nach vorn.

Erst nach Elchtest und dem Kippen der französischen Schwestermodelle (Citroën und Peugeot) wird ESP im Laufe des Jahres Serie.

In der grauen Plastiklandschaft im Innenraum fehlen Farbtupfer, vom sprichwörtlichen französischen Chic keine Spur.

Es gibt den Nemo Kombi nur in einer Ausstattung. Aufpreispflichtige Pakete für Ladung (Dachreling, Gepäcknetz), Parkpiepser, Nebelscheinwerfer und Audio/Klima.

Abgasnorm erreicht bisher nur Euro 4; Dieselmodell hat keinen Partikelfilter.
 

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