Für immer Shrek 3D
Zurück zum Start, doch der Shrek lässt nach
Rupert Koppold, veröffentlicht am 30.06.2010
Filmbeschreibung
Zum vierten Mal entführt uns Hollywood ins bunte Märchenland, wo der rülpsende Oger mit seiner liebreizenden Fiona ein schönes Leben führen könnte, wenn ... - ja wenn es nicht die Sehnsucht gäbe, noch mal ganz vorn anzufangen. Und zwar in 3-D.
Wieder füllt das dicke, alte Buch die Leinwand, es klappt nun auf, und eine Stimme hebt an: "Es war einmal ..." Aber irgendetwas stimmt hier nicht. Der Märchenonkelton klingt lieblos-routiniert, klingt geradezu gelangweilt, und schließlich, man muss es so drastisch ausdrücken: rotzig und angepisst. Dieser Erzähler, der den Lederband jetzt angewidert zuklappt, heißt nämlich Rumpelstilzchen. Er ist hier ein punkiger Knirps mit rot gezacktem Haar, und er hat die Shrek-Saga deshalb so gründlich satt, weil sie ihm einst - man erfährt dies in einer Rückblende - die Ambitionen auf den schönen Königsthron im Märchenland zerplatzen ließ. Raaache!!!
Derweil im Sumpf bei den Ogers: Shrek und Fiona sind sich immer noch sehr grün, sie führen ein vorbildliches und von ihren drei Kindern putzig durchrülpstes und durchfurztes Familienleben. So berühmt sind die Shreks nach ihren drei computeranimierten (Kino-)Abenteuern geworden, dass in diesem vierten und in 3-D inszenierten Teil nun täglich Busse mit Touristen in den Sumpf rattern.
Überhaupt ist es dort voll geworden, denn auch der Esel, der Kater und die anderen Viecher, die sich im Lauf der Zeit an diese Serie angedockt haben, tummeln sich in und um Shreks Baumhütte herum. Als dann ein Kindergeburtstag mit dreisten Bubenforderungen ("Mach den Brüller!"), Kleinkindquengelei und mehrfach auszuwechselnder Torte zu feiern ist, wird es dem Helden zu viel. Könnte es nicht wenigstens für einen Tag wieder so sein wie früher?
Kein Problem! Das hier Rumpel genannte Stilzchen kann Shreks Wunsch erfüllen. Aber der Preis für diesen einen Hurra-ich-bin-wieder-ein-freier-und-gefürchteter-Single-Oger-Tag ist hoch. In der von Shrek natürlich nicht geahnten Konsequenz führt die Vertragsunterzeichnung nämlich zur Rücknahme der bisher erzählten Welt. Anders gesagt: alles, was bisher in der Shrek-Saga geschah, ist nun ausgelöscht, existiert nur noch in der Erinnerung des Helden - und natürlich in der des Kinopublikums. Ein dramaturgischer Tabula-rasa-Kniff, der Shrek vor dem immerwährenden Familienleben bewahrt und noch einmal ins Abenteuer schickt. Aber funktioniert das auch in dieser Shrek-Saga, in der die endgültige Märchen-End-Formel ("Und wenn sie nicht gestorben sind ...") eh bereits mehrfach durch den hollywoodschen Zwang zur Fortsetzung aufgehoben wurde?
Denn spätestens mit ihrem dritten und mit Abstand schwächsten Teil wirkte die Serie eigentlich auserzählt. Das hatte unter anderem damit zu tun, dass sie nicht mehr, wie im fulminanten Auftakt, als anarchistisch-fröhliche Märchen- und Disney-Parodie herumtollte, sondern zunehmend selbstreflexiv wurde; man könnte auch sagen: inzüchtig. Und "Für immer Shrek" spielt nun fast ausschließlich im eigenen Shrek-Kosmos! In jeder Szene merkt man diesem Film an, wie schwer es ihm doch fällt, noch einmal respektive schon wieder von diesem netten grünen Oger zu erzählen. Am zauberhaften Beginn seiner Karriere stapfte Shrek zielgerichtet und mit großer Selbstverständlichkeit durch die fantastisch animierte Szenerie. Jetzt braucht er sozusagen eine Legitimation, und die bekommt er nur durch narrative Willkürherrschaft.
In der alternativen und nun von Rumpel beherrschten Shrek-Welt, die düster-braun und wüst und leer aussieht, bewerfen spitzhütige und sich zu Fluggeschwadern formierende Hexen die letzten Oger mit Kürbisgranaten. Die überlebenden Grünhäute aber, die sich wie eine Mischung aus nordischen Wikingern und schottischen Bravehearts aufführen, rüsten sich in einer Höhlenwelt zum Widerstand. Und wer führt sie an? Es ist die als energische Amazone auftretende Fiona. Ach, wenn sie nur den Helden küsste, wäre die frühere Shrek-Welt wiederhergestellt und gerettet! Aber sie erkennt ihn natürlich nicht, ebenso wenig wie die alten Freunde, den recht struppig gewordenen Plapper-Esel etwa oder den zur träg-fetten Stubenkatze mutierten Kater. Und so muss Shrek seine Fiona erneut erobern - bis sie ihn endlich neu entdeckt.
Dasselbe irgendwie noch mal und dabei bloß nichts riskieren - das scheint bei diesem vierten Shrek-Teil das Motto des Regisseurs Mike Mitchell und seiner Macher gewesen zu sein. Also immer schön im Mainstream bleiben und die wenigen frech-anarchischen Ideen am Rande oder im Hintergrund verstecken! Denn einzelne Teile sind ja gut gelungen. Und jedenfalls besser als das Ganze. Im Finale holt diese Geschichte sogar noch mal ihren großen Drachen heraus, ohne größere Wirkung freilich.
Wenn das erste Shrek-Abenteuer die brillante Kür war, dann ist "Für immer Shrek" nachgereichte und biedere Pflicht. Doch, doch, insgesamt waren die Zeiten mit dem grünen Oger recht vergnüglich. Aber jetzt ist es genug. Jetzt hat Shrek nachgelassen. Jetzt muss es vorbei sein.
Wieder füllt das dicke, alte Buch die Leinwand, es klappt nun auf, und eine Stimme hebt an: "Es war einmal ..." Aber irgendetwas stimmt hier nicht. Der Märchenonkelton klingt lieblos-routiniert, klingt geradezu gelangweilt, und schließlich, man muss es so drastisch ausdrücken: rotzig und angepisst. Dieser Erzähler, der den Lederband jetzt angewidert zuklappt, heißt nämlich Rumpelstilzchen. Er ist hier ein punkiger Knirps mit rot gezacktem Haar, und er hat die Shrek-Saga deshalb so gründlich satt, weil sie ihm einst - man erfährt dies in einer Rückblende - die Ambitionen auf den schönen Königsthron im Märchenland zerplatzen ließ. Raaache!!!
Derweil im Sumpf bei den Ogers: Shrek und Fiona sind sich immer noch sehr grün, sie führen ein vorbildliches und von ihren drei Kindern putzig durchrülpstes und durchfurztes Familienleben. So berühmt sind die Shreks nach ihren drei computeranimierten (Kino-)Abenteuern geworden, dass in diesem vierten und in 3-D inszenierten Teil nun täglich Busse mit Touristen in den Sumpf rattern.
Überhaupt ist es dort voll geworden, denn auch der Esel, der Kater und die anderen Viecher, die sich im Lauf der Zeit an diese Serie angedockt haben, tummeln sich in und um Shreks Baumhütte herum. Als dann ein Kindergeburtstag mit dreisten Bubenforderungen ("Mach den Brüller!"), Kleinkindquengelei und mehrfach auszuwechselnder Torte zu feiern ist, wird es dem Helden zu viel. Könnte es nicht wenigstens für einen Tag wieder so sein wie früher?
Kein Problem! Das hier Rumpel genannte Stilzchen kann Shreks Wunsch erfüllen. Aber der Preis für diesen einen Hurra-ich-bin-wieder-ein-freier-und-gefürchteter-Single-Oger-Tag ist hoch. In der von Shrek natürlich nicht geahnten Konsequenz führt die Vertragsunterzeichnung nämlich zur Rücknahme der bisher erzählten Welt. Anders gesagt: alles, was bisher in der Shrek-Saga geschah, ist nun ausgelöscht, existiert nur noch in der Erinnerung des Helden - und natürlich in der des Kinopublikums. Ein dramaturgischer Tabula-rasa-Kniff, der Shrek vor dem immerwährenden Familienleben bewahrt und noch einmal ins Abenteuer schickt. Aber funktioniert das auch in dieser Shrek-Saga, in der die endgültige Märchen-End-Formel ("Und wenn sie nicht gestorben sind ...") eh bereits mehrfach durch den hollywoodschen Zwang zur Fortsetzung aufgehoben wurde?
Denn spätestens mit ihrem dritten und mit Abstand schwächsten Teil wirkte die Serie eigentlich auserzählt. Das hatte unter anderem damit zu tun, dass sie nicht mehr, wie im fulminanten Auftakt, als anarchistisch-fröhliche Märchen- und Disney-Parodie herumtollte, sondern zunehmend selbstreflexiv wurde; man könnte auch sagen: inzüchtig. Und "Für immer Shrek" spielt nun fast ausschließlich im eigenen Shrek-Kosmos! In jeder Szene merkt man diesem Film an, wie schwer es ihm doch fällt, noch einmal respektive schon wieder von diesem netten grünen Oger zu erzählen. Am zauberhaften Beginn seiner Karriere stapfte Shrek zielgerichtet und mit großer Selbstverständlichkeit durch die fantastisch animierte Szenerie. Jetzt braucht er sozusagen eine Legitimation, und die bekommt er nur durch narrative Willkürherrschaft.
In der alternativen und nun von Rumpel beherrschten Shrek-Welt, die düster-braun und wüst und leer aussieht, bewerfen spitzhütige und sich zu Fluggeschwadern formierende Hexen die letzten Oger mit Kürbisgranaten. Die überlebenden Grünhäute aber, die sich wie eine Mischung aus nordischen Wikingern und schottischen Bravehearts aufführen, rüsten sich in einer Höhlenwelt zum Widerstand. Und wer führt sie an? Es ist die als energische Amazone auftretende Fiona. Ach, wenn sie nur den Helden küsste, wäre die frühere Shrek-Welt wiederhergestellt und gerettet! Aber sie erkennt ihn natürlich nicht, ebenso wenig wie die alten Freunde, den recht struppig gewordenen Plapper-Esel etwa oder den zur träg-fetten Stubenkatze mutierten Kater. Und so muss Shrek seine Fiona erneut erobern - bis sie ihn endlich neu entdeckt.
Dasselbe irgendwie noch mal und dabei bloß nichts riskieren - das scheint bei diesem vierten Shrek-Teil das Motto des Regisseurs Mike Mitchell und seiner Macher gewesen zu sein. Also immer schön im Mainstream bleiben und die wenigen frech-anarchischen Ideen am Rande oder im Hintergrund verstecken! Denn einzelne Teile sind ja gut gelungen. Und jedenfalls besser als das Ganze. Im Finale holt diese Geschichte sogar noch mal ihren großen Drachen heraus, ohne größere Wirkung freilich.
Wenn das erste Shrek-Abenteuer die brillante Kür war, dann ist "Für immer Shrek" nachgereichte und biedere Pflicht. Doch, doch, insgesamt waren die Zeiten mit dem grünen Oger recht vergnüglich. Aber jetzt ist es genug. Jetzt hat Shrek nachgelassen. Jetzt muss es vorbei sein.
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