Leonberger Kreiszeitung

Ein Elektro-Ingenieur betreut die Schüler individuell

veröffentlicht am 08.07.2010

Hilfe von außen holt sich das baden-württembergische Kultusministerium, um die Bildungschancen benachteiligter Jugendlicher zu verbessern. Im neuen Schuljahr sollen Hochschulabsolventen die Lehrer an Brennpunktschulen als pädagogische Assistenten unterstützen. Eine dieser Schulen ist die August-Lämmle-Schule (ALS).




Die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule im Ramtel wird vom Schuljahr 2010/2011 an in eine Werkrealschule neuer Form umgewandelt - dem Nachfolgemodell der gegenwärtigen Hauptschule. "Der Regelabschluss unserer Schüler wird nun die Klasse 10 sein", erläutert der Rektor Philipp Steinle. Bisher sei es die Klasse 9 gewesen und nur etwa das beste Drittel habe die Werkrealschule besucht. "In Zukunft heißt es, alle Schüler so zu fördern und fit zu machen, dass sie den mittleren Bildungsabschluss erreichen", sagt Steinle. Das stelle neue Anforderungen an die Schule, auf die unterschiedlichste Antworten gegeben werden müssten. Denn nicht wenige Schüler stammten aus einem bildungsfernen Elternhaus.



Die Schule ist Steinle zufolge in der glücklichen Lage, als Ganztagesschule die Kinder- und Jugendlichen viermal die Woche acht Stunden am Tag betreuen zu können. Dabei würden die Lehrer von einem breiten Spektrum an Kooperationspartnern unterstützt: Schulsozialarbeit und Jugendmusikschule, Kunstschule, Jugendhaus und Vereine sowie Ehrenamtliche, die Patenschaften bei der Berufsfindung übernehmen. Dazu gibte es eine Bildungspartnerschaft mit der Firma Lewa.



"Es ist wie ein Sechser im Lotto, dass wir im Herbst einen pädagogischen Assistenten bekommen, der die Lehrkräfte in der Arbeit mit den Jugendlichen unterstützt", meint Rektor Steinle. Das baden-württembergische Kultusministerium hat nämlich mit der gemeinnützigen Initiative "teach first" in Berlin eine Vereinbarung unterzeichnet, dass 16 Hochschulabsolventen unter anderen an Haupt- und Werkrealschulen in Leonberg, Pforzheim, Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und Stuttgart aushelfen. Die Organisation versucht, herausragende Absolventen dafür zu gewinnen, dass sie vor Aufnahme eines Jobs zwei Jahre lang an einer Schule arbeiten. Voraussetzung für dieses Tätigkeit ist, dass sie nicht Lehrer sind.



Die August-Lämmle-Schule wird, wenn der Personalrat des Stuttgarter Regierungspräsidiums zustimmt, im Herbst einen Elekto-Ingenieur bekommen, der bereits zwei Jahre Berufserfahrung hat. "Wir haben uns natürlich gefragt, was einen Ingenieur dazu bewegt, für zwei Jahre einen Job zu machen, für den es nur wenig Geld gibt", sagte Steinle. "Es ist sein Werdegang gewesen, der ihn motiviert hat und das Gefühl, etwas zurückgeben zu wollen. Es ist der Weg, den hoffentlich viele unserer Schüler beschreiten werden: Werkrealschule, Abitur am beruflichen Gymnasium, Studium an der Berufsakademie."



Mit Hilfe des pädagogischen Assistenten sollen Schüler besser individuell betreut werden. "Er ersetzt keinen Lehrer", macht Rektor Steinle deutlich. Doch Bereiche wie die Berufsorientierung, die Planung von Berufswegen, Kontaktpflege in die freie Wirtschaft oder das Know-how für technische AG seien bei ihm in den richtigen Händen. "Er kann den Schülern am besten vermitteln, was von ihnen im späteren Berufsleben erwartet wird", ist der ALS-Rektor überzeugt. Derzeit werden die zukünftigen Assistenten für ihren Einsatz im Herbst fortgebildet.


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