Mr. Nobody
Erinnerungswirren des letzten Sterblichen
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 08.07.2010
Filmbeschreibung
Ein sensationeller Film sei das, jauchzen manche Kritiker, und man kann es ihnen nicht verdenken. Denn Jaco van Dormaels "Mr. Nobody" legt einem diese Verehrunsgreaktion drängelnd nahe: vom ersten geschleckten Bild und mit allen weiteren perfekten Bildarrangements und Computertricks sowie mit der konsequenten Weigerung des Drehbuchs, eine konventionelle Geschichte leicht überblickbar auszubreiten. Leider ist "Mr. Nobody" bei all der Selbstpositionierung kein sensationeller Film geworden, auch kein besonders intelligenter oder provokanter. Er ist ein abwechselnd faszinierender und ermüdender Rundgang durch ein Museum in Dormaels Kopf, in dem Ideen und Bilder abgestellt sind, die irgendwann einmal einen großen Film hätten ergeben können.
Die Geschichte ist schnell erzählt, weil sie früh in Möglichkeiten und Varianten zersplittert. Wir sehen Nemo Nobody (Jared Leto), den 118 Jahre alten letzten Sterblichen in einer Zukunftsgesellschaft, die den Tod abgeschafft hat. Verrunzelt, keuchend und desorientiert, hat Nemo wie ein betagter Windows-Rechner seine Startschwierigkeiten, Zugriffsprobleme, Datenverwaltungspaniken. Er soll sein Leben erzählen, aber die Kamera führt uns hinein in ein Bildlabyrinth, das sich aus alternativen Entwicklungsmöglichkeiten der Nemo-Biografie aufbaut. Nemo kann Wunsch und Wirklichkeit, Traum und Fakten nicht mehr auseinanderhalten. Vielleicht konnte er das nie.
"Mr. Nobody" ist von Christophe Beaucarne ("Irina Palm") exquisit fotografiert worden, und die Möglichkeiten digitaler Bildmanipulation werden so souverän ausgenutzt, dass wir eher an eine allmächtige Kamera als an kunstfertige Effektbastelei glauben. Nur fühlen wir uns hier schon zu Beginn wie in Stanley Kubricks "2001" gegen Ende - also so, als wollte der Film uns jetzt einfach mit davonschwemmen wie einen Korken, der die Wellen nicht um Erklärungen, das Reiseziel betreffend, zu bitten hat.
Der Belgier Jaco von Dormael, Jahrgang 1957, hat 1991 "Toto, der Held", einen viel gelobten europäischen Ausnahmefilm, vorgelegt, und 1996 "Der achte Tag", einen würdigen, aber weniger erfolgreichen Nachfolger. Seit damals hat er immer wieder an "Mr. Nobody" gearbeitet, der nun so schlau und schön sein will wie all die nicht gedrehten Filme dieser Jahre zusammen. Aber "Mr. Nobody" scheint nicht vom Mut zum Anspruch getragen, sondern eher von der Furcht vor dem Banalen getrieben.
Die Geschichte ist schnell erzählt, weil sie früh in Möglichkeiten und Varianten zersplittert. Wir sehen Nemo Nobody (Jared Leto), den 118 Jahre alten letzten Sterblichen in einer Zukunftsgesellschaft, die den Tod abgeschafft hat. Verrunzelt, keuchend und desorientiert, hat Nemo wie ein betagter Windows-Rechner seine Startschwierigkeiten, Zugriffsprobleme, Datenverwaltungspaniken. Er soll sein Leben erzählen, aber die Kamera führt uns hinein in ein Bildlabyrinth, das sich aus alternativen Entwicklungsmöglichkeiten der Nemo-Biografie aufbaut. Nemo kann Wunsch und Wirklichkeit, Traum und Fakten nicht mehr auseinanderhalten. Vielleicht konnte er das nie.
"Mr. Nobody" ist von Christophe Beaucarne ("Irina Palm") exquisit fotografiert worden, und die Möglichkeiten digitaler Bildmanipulation werden so souverän ausgenutzt, dass wir eher an eine allmächtige Kamera als an kunstfertige Effektbastelei glauben. Nur fühlen wir uns hier schon zu Beginn wie in Stanley Kubricks "2001" gegen Ende - also so, als wollte der Film uns jetzt einfach mit davonschwemmen wie einen Korken, der die Wellen nicht um Erklärungen, das Reiseziel betreffend, zu bitten hat.
Der Belgier Jaco von Dormael, Jahrgang 1957, hat 1991 "Toto, der Held", einen viel gelobten europäischen Ausnahmefilm, vorgelegt, und 1996 "Der achte Tag", einen würdigen, aber weniger erfolgreichen Nachfolger. Seit damals hat er immer wieder an "Mr. Nobody" gearbeitet, der nun so schlau und schön sein will wie all die nicht gedrehten Filme dieser Jahre zusammen. Aber "Mr. Nobody" scheint nicht vom Mut zum Anspruch getragen, sondern eher von der Furcht vor dem Banalen getrieben.
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