Herbstgold
Unbeugsame Athletikgreise
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 08.07.2010
Filmbeschreibung
Der betagte Alfred Proksch aus Wien kann nur noch schwer laufen. Sein Körper ist immerhin hundert Jahre alt. Aber der Geist fühlt sich um einiges jünger, weshalb Alfred - unter Sportlern ist man per Du - die mürben Knochen am Rollator bis zum Abwurfzirkel des Sportplatzes zwingt, um in der Disziplin Diskuswerfen an der Seniorensport-Weltmeisterschaft im finnischen Lahti teilzunehmen. In Jan Tenhavens Dokumentarfilm "Herbstgold" dürfen wir noch vier andere unbeugsame Athletikgreise, zwei Damen und drei Herren aus fünf Ländern insgesamt, bei der WM und der Vorbereitung darauf begleiten.
Jan Tenhaven sympathisiert mit seinen Figuren. Er hat so etwas wie eine Mobilisierungsofferte für die alternde Gesellschaft im Sinn, und er hätte wohl gar nichts dagegen, wenn noch viel mehr Senioren dem Alter die Zunge herausstrecken würden, und sei es beim Trainingsjapsen im neunten und zehnten Lebensjahrzehnt. Tatsächlich sammelt er jede Menge Bilder von Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Courage ein. Diese Alten wollen sich keinesfalls in der Opfer- oder der Geduldetenrolle sehen, sie demonstrieren unverdrossen auf der Aschebahn, an der Hochsprungmatte und auf dem Kugelstoßfeld ihren Anspruch, ernst genommen zu werden. Sie begegnen den Jungen nicht nur mit der Attitüde: "Wir haben einst viel für euch geleistet." Sie leben die Herausforderung, sie stellen wortlos die Frage, ob die Jungen wohl in ein paar Jahrzehnten auch so viel Puste haben werden.
Aber hie und da wird klar, dass wir nicht nur Rüstigkeit vor uns haben, sondern zumindest bei einigen Trainierenden die ansehnlichen Reste eines gesellschaftlichen Durchsetzungswillens, der auch außerhalb des Sportplatzes immer nur Wettkampf kannte. Die Teilnehmer an der Senioren-WM scheinen nicht nur gesundheitlich sehr viel besser dazustehen als ihre Generationsgenossen, sondern mehrheitlich auch wirtschaftlich. Tenhaven geht dem nicht nach, aber er versteckt es auch nicht ganz und gar. Das gibt "Herbstgold" erst die rechte Würze.
Jan Tenhaven sympathisiert mit seinen Figuren. Er hat so etwas wie eine Mobilisierungsofferte für die alternde Gesellschaft im Sinn, und er hätte wohl gar nichts dagegen, wenn noch viel mehr Senioren dem Alter die Zunge herausstrecken würden, und sei es beim Trainingsjapsen im neunten und zehnten Lebensjahrzehnt. Tatsächlich sammelt er jede Menge Bilder von Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Courage ein. Diese Alten wollen sich keinesfalls in der Opfer- oder der Geduldetenrolle sehen, sie demonstrieren unverdrossen auf der Aschebahn, an der Hochsprungmatte und auf dem Kugelstoßfeld ihren Anspruch, ernst genommen zu werden. Sie begegnen den Jungen nicht nur mit der Attitüde: "Wir haben einst viel für euch geleistet." Sie leben die Herausforderung, sie stellen wortlos die Frage, ob die Jungen wohl in ein paar Jahrzehnten auch so viel Puste haben werden.
Aber hie und da wird klar, dass wir nicht nur Rüstigkeit vor uns haben, sondern zumindest bei einigen Trainierenden die ansehnlichen Reste eines gesellschaftlichen Durchsetzungswillens, der auch außerhalb des Sportplatzes immer nur Wettkampf kannte. Die Teilnehmer an der Senioren-WM scheinen nicht nur gesundheitlich sehr viel besser dazustehen als ihre Generationsgenossen, sondern mehrheitlich auch wirtschaftlich. Tenhaven geht dem nicht nach, aber er versteckt es auch nicht ganz und gar. Das gibt "Herbstgold" erst die rechte Würze.
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