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Der Zauber von Sprache und Klang

Artikel aus der Nord-Rundschau vom 09.07.2010

Zwei Werke von Felix Mendelssohn hatten die Ensembles unter Leitung von Klaus Breuninger ausgewählt, die sich besonders gut für die Inszenierung auf einer Naturbühne eignen: Den "Sommernachtstraum" und "Die erste Walpurgisnacht". Ein gelungenes Konzept, wie sich bei der Aufführung auf der Freilichtbühne Killesberg zeigt: Denn während der Schauspieler Rufus Beck die etwas verwickelte Geschichte um die Liebespaare Theseus und Hippolyta, Hermia und Lysander und Helena und Demetrius auf überaus amüsante Weise entwirrt und in zeitgemäße und witzige Psychogramme zerlegt, führt er das Publikum behutsam Schritt für Schritt weg vom realen Killesberg in ein Reich, in dem die Magie das Sagen hat. Becks Worte und die Musik der Solitude-Ensembles wechseln sich ab, und wo die Macht der gesprochenen Sprache aufhört, beginnt der Zauber der Klänge. Spinnwebfein kichern die Streicher, und wenn ein Windhauch die Beine streift, fragt man sich unwillkürlich, ob das nicht vielleicht doch eine vorbeihuschende Elfe war. Unglaublich transparent und duftig ist der Orchesterklang, geheimnisvoll - er weckt Ahnungen, ohne dass sicheres Wissen von Bedeutung wäre. Orchester, Frauenchor und die Solistinnen Miriam Burkhardt und Alexandra Paulmichl vermitteln mit leichten, tänzelnden Klängen die aufgeregte Spannung, welche die im Wald umherirrenden Liebespaare empfinden. Manchmal wird es dramatisch - kein Wunder, das der König der Elfen sich durch all die Aufregung gestört fühlt und schließlich selbst einschreitet, um Ruhe und Ordnung herzustellen.

Während das Publikum gebannt Beck, dem Orchester und dem Chor lauscht, wird es dunkel auf dem Killesberg. Zwar ist es noch nicht ganz Geisterstunde, aber es herrscht genau die richtige Stimmung für "Die erste Walpurgisnacht". Hier steigern sich die Ensembles noch einmal. Hinzu kommen außerdem die Solisten Bernhard Schneider und Wilhelm Schwinghammer. Wieder leistet das Orchester Erstaunliches mit seiner Vielfalt an Klangnuancen, die von hauchfeinen Gespinsten bis zum volltönenden, markanten Tutti reichen. Bemerkenswert ist aber insbesondere auch der Chor: Schon beim "Sommernachtstraum" hatten die Frauen bewiesen, dass sie leise und trotzdem mit enormer Präsenz und Deutlichkeit singen können. Zusammen mit den Männern toppen sie diese Leistung in der "Walpurgisnacht" noch. Sie zischeln leise und giftig, aber mit so deutlicher Artikulation, so dass dem Publikum kein einziges Wort der heimtückischen Verschwörung gegen die christlichen Wächter entgeht, welche die Heiden von der Durchführung ihrer Rituale abhalten sollen. Der Atem bleibt fast stehen, als sie davon singen, wie sie sich "mit Zacken und Gabel" zusammenrotten und Kauz und Eule dazu auffordern, ins "Rundgeheul" mit einzustimmen. Nicht nur die nächtliche Kühle, sorgt hier für Gänsehaut. Herrlich gruselig ist das - und von unglaublicher Intensität.

Schon nachmittags beim Kinderkonzert war deutlich zu sehen gewesen, wie faszinierend Musik sein kann. Obwohl der Regen genau in diese Stunde zum Teil wolkenbruchartig auf die Sitzreihen im Freilichttheater niederging, blieben die Kinder und ihre Eltern und Großeltern wie gebannt sitzen. Dies war nicht zuletzt der lebendigen Erzählkunst des Dirigenten Klaus Breuninger zu verdanken, der sogar spontan das Wetter mit einbezog und die Kinder gekonnt bei Laune hielt. Die vielen kleinen Hexen und Druiden in orangefarbenen Plastikponchos machten zusammen mit Breuninger und den Ensembles aus der Freilichtbühne einen von Wind und Wetter umtosten Blocksberg - auch das ist Naturtheater. Und wie die Musik funktioniert, wie man selbst beim Singen durch kleine Unterschiede eine große Wirkung erzielen kann, das hat das Völkchen mitten im Regen tapfer selbst ausprobiert. Passend zur Melodie: "Heute kann es regnen, stürmen oder schneien."
 
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