Nissan Juke
Ein Gesicht steht Kopf
Gundel Jacobi, veröffentlicht am 12.07.2010
Dieses Mal hat Nissan auf eine Bulldogge mit Sonnenbrille verzichtet. Das sommerlich bebrillte Tier stand nämlich zuletzt Modell beim würfelförmigen Nissan Cube, der seit Frühjahr auf dem deutschen Markt ist. Im Falle des Bruders Juke gestaltet es sich etwas komplizierter: "In der oberen Hälfte verkörpert der Juke einen Sportwagen, und in der unteren Hälfte sieht er aus wie ein waschechter Geländewagen", meint Chefdesigner Seiji Watanabe.
Nissan hat es wieder einmal geschafft, ein Auto auf vier Räder zu stellen, das keinem anderen aktuellen Fahrzeug ähnelt. Damit wird die Schublade der so genannten Crossover-Modelle erneut weit geöffnet – kreuz und quer geht es beim Juke vor allem an der Bugpartie zu. Eine flach stehende Windschutzscheibe, vergleichsweise kleine Seitenscheiben zwischen der abfallenden Dachlinie und einer ansteigender Flanke, eine hohe Gürtellinie sowie schmale Scheinwerferschlitze in der obersten Etage von insgesamt drei Scheinwerferebenen – dieser Teil könnte bei zusammengekniffenen Augen tatsächlich einen Hauch des zitierten Sportwagens verströmen.
Die untere Fahrzeughälfte wiederum thront hochbeinig auf markant ausgestellten Radhäusern; zudem mögen die mittleren runden Scheinwerfer ebenso wie die wuchtigen Stoßfänger vorn und am pummeligen Heck eine gewisse Portion Offroad-Gefühl verbreiten. Die Krönung der experimentellen Fingerübungen im Nissan-Designstudio ist zweifellos die Ansicht des Vorderwagens.
Denn die auffälligen Hauptscheinwerfer sind zwischen gezackten Blinkern und Standlichtern (darüber) und kleinen Nebelleuchten (darunter) platziert. Das wirkt befremdlich, ohne dass man zunächst genau weiß, warum. Mini-Designer Gert Hildebrand könnte dazu eine Erklärung liefern, sagte er doch kürzlich in anderem Zusammenhang: "Aus Kühler und Leuchten muss man ein Gesicht formen, was einst schon Henry Ford beherrschte."
Beim Juke sind diese bekannten Zuordnungen allerdings kräftig durcheinander geworfen, blicken doch seine Augen – also die Hauptscheinwerfer – aus der Partie, wo sich üblicherweise die Nase befindet. Bestenfalls könnte man bei diesem Gesicht von vier Augen sprechen, wobei sich auch unter diesem Blickwinkel kein sympathisches Wiedererkennen einstellen will. Nissan geht mit dem Juke bewusst einen neuen Weg: "Wir wären nur einer von vielen, wenn wir in traditionellen Segmenten à la Limousine oder Kombi verharren würden", erklärt Thomas Ebeling, Leiter Produktplanung Europa.
Diese Erkenntnis ist ebenso weise wie mutig, allerdings lehnt die Kundschaft nicht nur hierzulande ein allzu rebellisches Design eher ab: Fiat Multipla und Renault Avantime lassen grüßen. Im Innenraum überwiegen runde, verspielte Formen. Auffällig erscheint die glänzende Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen, die in ihrer Machart einem Motorradtank ähnelt. Männlicher Inspiration ist zudem ein Mäusekino zu verdanken, das über der Konsole allerhand Informationen zur Klimaanlage und Fahrdynamik bereit hält.
Angesichts der kompakten Fahrzeuglänge von 4,14 Meter sitzen Erwachsene bis 1,75 Meter Körperlänge selbst hinten recht bequem. Drei Triebwerke stehen zur Wahl: Den Einstieg bildet ein 86 kW (117 PS) leistender 1,6-Liter-Benziner – unauffällig und nur mit fünf Gängen kombiniert. Zweiter im Bunde ist der bewährte 81 kW (110 PS) starke 1,5-Liter-Diesel. Er bringt den Juke mittels Sechsganggetriebe auch in bergigen Regionen bei schaltfauler Fahrweise behände voran.
Die Spitzenmotorisierung bildet der 1,6-Liter-Turbobenziner mit 140 kW (190 PS), wahlweise mit Allradantrieb. Für die beiden Benziner steht ein stufenloses CVT-Automatikgetriebe zur Verfügung. Der Einstiegsbenziner kostet ab 16990 Euro, den Diesel gibt es ab 18890 Euro. Designer Seiji Watanabe findet schlussendlich nach einigem Nachdenken doch noch eine Hunderasse, die er als Inspiration für den Juke hervorzaubern kann: Ein städtischer Dschungel-Boxer käme dem Fahrzeug am nächsten. Wohl dem, der angesichts einer solchen Beschreibung Fantasie hat.
Das Auto
Nissan Juke 1.6
Die Fakten
Motor 4-Zylinder-Benziner, 1598 cm3 Hubraum
Leistung 86 kW (117 PS) bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 178 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 11,0 s
Getriebe 5-Gang-Schaltgetriebe
Abmessungen 4135 mm x 1765 mm x 1570 mm
Kofferraumvolumen 251 l
Leergewicht 1172 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 1645 kg
Zuladung 415 kg
Reifen 205/60 R 16
Verbrauch laut Hersteller 6,4 l Super/100 km
CO2-Ausstoß 147 g/km
Abgasnorm Euro 5
Grundpreis 16 990 Euro
Lob und Tadel
Das Design ist mutig und polarisiert, besonders die Frontpartie ruft eine verstärkte Aufmerksamkeit hervor. Der Juke ist weniger groß, als er wirkt – das ermöglicht Wendigkeit im Stadtverkehr und in Parkhäusern. Die hohe Sitzposition bietet eine sehr gute Sicht über das Verkehrsgeschehen, gleichzeitig vermittelt die hohe Gürtellinie ein geborgenes Gefühl im Innenraum. Drei Fahrprogramme von Eco über Normal bis Sport drehen den Motor unterschiedlich aus – der Fahrer kann die Fahrdynamik seinen Wünschen anpassen.
Das eigenwillige Design verlangt bei den Kunden einen ausgeprägten Sinn für Andersartigkeit.
Das Mäusekino des Bordcomputers hält ein Sammelsurium an Informationen bereit, kann aber während der Fahrt nicht gefahrlos eingesehen werden, da es viel zu tief angebracht ist.
Die hohe Ladekante erschwert das Beladen des Kofferraums.
Nissan betrachtet den Juke als Kleinwagen – dafür ist die Einstiegsmotorisierung stark. Zudem gibt es keine Start-Stopp-Automatik.
Nissan hat es wieder einmal geschafft, ein Auto auf vier Räder zu stellen, das keinem anderen aktuellen Fahrzeug ähnelt. Damit wird die Schublade der so genannten Crossover-Modelle erneut weit geöffnet – kreuz und quer geht es beim Juke vor allem an der Bugpartie zu. Eine flach stehende Windschutzscheibe, vergleichsweise kleine Seitenscheiben zwischen der abfallenden Dachlinie und einer ansteigender Flanke, eine hohe Gürtellinie sowie schmale Scheinwerferschlitze in der obersten Etage von insgesamt drei Scheinwerferebenen – dieser Teil könnte bei zusammengekniffenen Augen tatsächlich einen Hauch des zitierten Sportwagens verströmen.
Die untere Fahrzeughälfte wiederum thront hochbeinig auf markant ausgestellten Radhäusern; zudem mögen die mittleren runden Scheinwerfer ebenso wie die wuchtigen Stoßfänger vorn und am pummeligen Heck eine gewisse Portion Offroad-Gefühl verbreiten. Die Krönung der experimentellen Fingerübungen im Nissan-Designstudio ist zweifellos die Ansicht des Vorderwagens.
Denn die auffälligen Hauptscheinwerfer sind zwischen gezackten Blinkern und Standlichtern (darüber) und kleinen Nebelleuchten (darunter) platziert. Das wirkt befremdlich, ohne dass man zunächst genau weiß, warum. Mini-Designer Gert Hildebrand könnte dazu eine Erklärung liefern, sagte er doch kürzlich in anderem Zusammenhang: "Aus Kühler und Leuchten muss man ein Gesicht formen, was einst schon Henry Ford beherrschte."
Beim Juke sind diese bekannten Zuordnungen allerdings kräftig durcheinander geworfen, blicken doch seine Augen – also die Hauptscheinwerfer – aus der Partie, wo sich üblicherweise die Nase befindet. Bestenfalls könnte man bei diesem Gesicht von vier Augen sprechen, wobei sich auch unter diesem Blickwinkel kein sympathisches Wiedererkennen einstellen will. Nissan geht mit dem Juke bewusst einen neuen Weg: "Wir wären nur einer von vielen, wenn wir in traditionellen Segmenten à la Limousine oder Kombi verharren würden", erklärt Thomas Ebeling, Leiter Produktplanung Europa.
Diese Erkenntnis ist ebenso weise wie mutig, allerdings lehnt die Kundschaft nicht nur hierzulande ein allzu rebellisches Design eher ab: Fiat Multipla und Renault Avantime lassen grüßen. Im Innenraum überwiegen runde, verspielte Formen. Auffällig erscheint die glänzende Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen, die in ihrer Machart einem Motorradtank ähnelt. Männlicher Inspiration ist zudem ein Mäusekino zu verdanken, das über der Konsole allerhand Informationen zur Klimaanlage und Fahrdynamik bereit hält.
Angesichts der kompakten Fahrzeuglänge von 4,14 Meter sitzen Erwachsene bis 1,75 Meter Körperlänge selbst hinten recht bequem. Drei Triebwerke stehen zur Wahl: Den Einstieg bildet ein 86 kW (117 PS) leistender 1,6-Liter-Benziner – unauffällig und nur mit fünf Gängen kombiniert. Zweiter im Bunde ist der bewährte 81 kW (110 PS) starke 1,5-Liter-Diesel. Er bringt den Juke mittels Sechsganggetriebe auch in bergigen Regionen bei schaltfauler Fahrweise behände voran.
Die Spitzenmotorisierung bildet der 1,6-Liter-Turbobenziner mit 140 kW (190 PS), wahlweise mit Allradantrieb. Für die beiden Benziner steht ein stufenloses CVT-Automatikgetriebe zur Verfügung. Der Einstiegsbenziner kostet ab 16990 Euro, den Diesel gibt es ab 18890 Euro. Designer Seiji Watanabe findet schlussendlich nach einigem Nachdenken doch noch eine Hunderasse, die er als Inspiration für den Juke hervorzaubern kann: Ein städtischer Dschungel-Boxer käme dem Fahrzeug am nächsten. Wohl dem, der angesichts einer solchen Beschreibung Fantasie hat.
Das Auto
Nissan Juke 1.6
Die Fakten
Motor 4-Zylinder-Benziner, 1598 cm3 Hubraum
Leistung 86 kW (117 PS) bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 178 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 11,0 s
Getriebe 5-Gang-Schaltgetriebe
Abmessungen 4135 mm x 1765 mm x 1570 mm
Kofferraumvolumen 251 l
Leergewicht 1172 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 1645 kg
Zuladung 415 kg
Reifen 205/60 R 16
Verbrauch laut Hersteller 6,4 l Super/100 km
CO2-Ausstoß 147 g/km
Abgasnorm Euro 5
Grundpreis 16 990 Euro
Lob und Tadel
Das Design ist mutig und polarisiert, besonders die Frontpartie ruft eine verstärkte Aufmerksamkeit hervor. Der Juke ist weniger groß, als er wirkt – das ermöglicht Wendigkeit im Stadtverkehr und in Parkhäusern. Die hohe Sitzposition bietet eine sehr gute Sicht über das Verkehrsgeschehen, gleichzeitig vermittelt die hohe Gürtellinie ein geborgenes Gefühl im Innenraum. Drei Fahrprogramme von Eco über Normal bis Sport drehen den Motor unterschiedlich aus – der Fahrer kann die Fahrdynamik seinen Wünschen anpassen.
Das eigenwillige Design verlangt bei den Kunden einen ausgeprägten Sinn für Andersartigkeit.
Das Mäusekino des Bordcomputers hält ein Sammelsurium an Informationen bereit, kann aber während der Fahrt nicht gefahrlos eingesehen werden, da es viel zu tief angebracht ist.
Die hohe Ladekante erschwert das Beladen des Kofferraums.
Nissan betrachtet den Juke als Kleinwagen – dafür ist die Einstiegsmotorisierung stark. Zudem gibt es keine Start-Stopp-Automatik.
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