Eclipse - Bis(s) zum Abendrot
Der Stillstand der verbotenen Liebe
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 15.07.2010
Filmbeschreibung
Wahre Liebe wartet, leidet und siedet. Und weiß nicht aus noch ein, das aber hartnäckig. Weshalb auch in "Eclipse - Bis(s) zum Abendrot", dem dritten Teil der Vampirfilmserie nach den Bestsellern der Amerikanerin Stephenie Meyer, die Verhältnisse im altbekannt Ungeklärten bleiben. Bella (Kristen Stewart), das Mädchen, das sich in den Vampir Edward verliebt hat, will von dem Untoten gebissen werden, um endlich ganz und auf ewig mit ihm zusammen sein zu können. Edward Cullen (Robert Pattinson) ist überzeugt, dass Bella sich völlig falsche Vorstellungen vom ewigen hungrigen Leben macht. Er verweigert den Biss, er quält sich in der Sorge, Bella könnte weniger ehrbaren Vampiren zum Opfer fallen, und er wird von Eifersucht zerfressen.
Denn da ist noch ein Dritter im Bunde im Nordwesten der USA, Jacob Black (Taylor Lautner). Der athletische Spross der Ureinwohner kann sich bei Bedarf wie seine Stammesbrüder in einen Werwolf verwandeln. Jacob liebt Bella, ist überzeugt, sie liebe auch ihn und werde von Edward mit vampirischen Psychotricks gefesselt.
So umsatzstark sind Meyers Bücher, so erfolgreich die Filme, dass jede Menge vergrübelter Essays und genervter Glossen zum Vampirphänomen schon lange auch jene zu erreichen versuchen, die Edward, Bella und Jacob eigentlich gerne auswichen. Vielleicht gibt es niemanden mehr, der das Trio nicht kennt. Darin liegt das Problem des Regisseurs David Slade. Er hat es mit einer Fantasiewelt zu tun, die sich im Kern nicht ändern darf, weil so viele Fans besitzergreifend an ihr hängen. Er muss den Stillstand verwalten.
Mit der trashigen, leidlich selbstironischen Teenieschmonzetten-Bescheidenheit, die man in den Vorgängerfilmen hie und da noch empfinden mochte, ist es vorbei. Die Figuren starren uns wie von Podesten herunter an und scheinen stumm zu fordern: "Wir sind euch erschienen! Lasst eure Herzen zu Brandopfern werden!" Besonders beim Blick in Pattinsons bleiche Liebesgiftopfermiene möchte man ausrufen: "Stellt ihn bitte jemand in den Kühlschrank zurück? Er schmilzt gleich!"
Für die Gemeinsamkeit von Bella und Edward nutzt dieser Film das bekannte Bild der Wildblumenwiese. Abgekoppelt von jedem Sozialraum sitzen die beiden da, unternehmen Tauchgänge in den Augen des anderen, tasten mit Worten die Schwere ihres Schicksals ab. Die Kamera kreist wie eine sehr geduldige Hummel, die darauf wartet, dass ihre Lieblingsblume unter den Hintern der Wiesenokkupanten frei wird. In dieser Szene bekommt man als Nichtfan Angst, Slade werde die Szenerie nun gar nicht mehr wechseln, die Kamera ewig um Bella und Edward kreisen.
Solch ein minimalistisches Stilexperiment wagt Slade zum Glück nicht. Im Gegenteil, er will phasenweise Action vortäuschen. Aggressive Neuvampire, von den Medien als Serienkiller identifiziert, machen im benachbarten Seattle Schlagzeilen. Die Vampirsippe Cullen weiß, dass ihr ein großer Kampf bevorsteht, sie braucht gar die Hilfe der Werwölfe, und in den ebenfalls schon vertrauten Sequenzen beschleunigter Bewegung sausen Freund und Feind durch den Wald wie Testprobanden eines extremen Dopingmittels.
Nur wirken diese Szenen nie wirklich aufrüttelnd, spannend, nie auch nur konsequent inszeniert. Fast mag man sympathisch finden, dass dem Regisseur Slade, nein, dem Franchise selbst der große Abschlachtrappel und das Privatkriegspathos suspekt bleiben oder gar zuwider sind. Der Film wirkt souveräner in den kleinen Gesten, wenn die Werwölfe (deren Animation besser geworden ist) sich vor Bella manchmal wie große Schutzhunde gebärden, wenn der Jacob-Wolf gar mehrfach Schnauze, Kehle und Ohren zum Kraulen darbietet. Dann wird ziemlich rührend der Mädchenwunsch bebildert, die sexuell attraktiven und bedrängenden Jungs möchten doch bitte auch kontrollierbare Knuddeltierchen sein.
Solche naiven Gesten und Symbole können sich aber nicht durchsetzen gegen die Bedeutsamkeit und Leere von "Eclipse - Bis(s) zum Abendrot". Wir sollen hier nicht überredet und umgarnt, nicht eingesponnen oder überzeugt werden. Wir sollen schon überzeugt ins Kino kommen und einen weihräuchernden Gottesdienst mit den Heiligen eines Popkulturkults feiern, dessen Zeremonien ruhig so verlaufen dürfen wie bei den vorigen Gemeindeversammlungen. Wer zum Glauben noch nicht gefunden hat, wird es schwer haben, über dem Gesangbuch nicht einzuschlafen.
Denn da ist noch ein Dritter im Bunde im Nordwesten der USA, Jacob Black (Taylor Lautner). Der athletische Spross der Ureinwohner kann sich bei Bedarf wie seine Stammesbrüder in einen Werwolf verwandeln. Jacob liebt Bella, ist überzeugt, sie liebe auch ihn und werde von Edward mit vampirischen Psychotricks gefesselt.
So umsatzstark sind Meyers Bücher, so erfolgreich die Filme, dass jede Menge vergrübelter Essays und genervter Glossen zum Vampirphänomen schon lange auch jene zu erreichen versuchen, die Edward, Bella und Jacob eigentlich gerne auswichen. Vielleicht gibt es niemanden mehr, der das Trio nicht kennt. Darin liegt das Problem des Regisseurs David Slade. Er hat es mit einer Fantasiewelt zu tun, die sich im Kern nicht ändern darf, weil so viele Fans besitzergreifend an ihr hängen. Er muss den Stillstand verwalten.
Mit der trashigen, leidlich selbstironischen Teenieschmonzetten-Bescheidenheit, die man in den Vorgängerfilmen hie und da noch empfinden mochte, ist es vorbei. Die Figuren starren uns wie von Podesten herunter an und scheinen stumm zu fordern: "Wir sind euch erschienen! Lasst eure Herzen zu Brandopfern werden!" Besonders beim Blick in Pattinsons bleiche Liebesgiftopfermiene möchte man ausrufen: "Stellt ihn bitte jemand in den Kühlschrank zurück? Er schmilzt gleich!"
Für die Gemeinsamkeit von Bella und Edward nutzt dieser Film das bekannte Bild der Wildblumenwiese. Abgekoppelt von jedem Sozialraum sitzen die beiden da, unternehmen Tauchgänge in den Augen des anderen, tasten mit Worten die Schwere ihres Schicksals ab. Die Kamera kreist wie eine sehr geduldige Hummel, die darauf wartet, dass ihre Lieblingsblume unter den Hintern der Wiesenokkupanten frei wird. In dieser Szene bekommt man als Nichtfan Angst, Slade werde die Szenerie nun gar nicht mehr wechseln, die Kamera ewig um Bella und Edward kreisen.
Solch ein minimalistisches Stilexperiment wagt Slade zum Glück nicht. Im Gegenteil, er will phasenweise Action vortäuschen. Aggressive Neuvampire, von den Medien als Serienkiller identifiziert, machen im benachbarten Seattle Schlagzeilen. Die Vampirsippe Cullen weiß, dass ihr ein großer Kampf bevorsteht, sie braucht gar die Hilfe der Werwölfe, und in den ebenfalls schon vertrauten Sequenzen beschleunigter Bewegung sausen Freund und Feind durch den Wald wie Testprobanden eines extremen Dopingmittels.
Nur wirken diese Szenen nie wirklich aufrüttelnd, spannend, nie auch nur konsequent inszeniert. Fast mag man sympathisch finden, dass dem Regisseur Slade, nein, dem Franchise selbst der große Abschlachtrappel und das Privatkriegspathos suspekt bleiben oder gar zuwider sind. Der Film wirkt souveräner in den kleinen Gesten, wenn die Werwölfe (deren Animation besser geworden ist) sich vor Bella manchmal wie große Schutzhunde gebärden, wenn der Jacob-Wolf gar mehrfach Schnauze, Kehle und Ohren zum Kraulen darbietet. Dann wird ziemlich rührend der Mädchenwunsch bebildert, die sexuell attraktiven und bedrängenden Jungs möchten doch bitte auch kontrollierbare Knuddeltierchen sein.
Solche naiven Gesten und Symbole können sich aber nicht durchsetzen gegen die Bedeutsamkeit und Leere von "Eclipse - Bis(s) zum Abendrot". Wir sollen hier nicht überredet und umgarnt, nicht eingesponnen oder überzeugt werden. Wir sollen schon überzeugt ins Kino kommen und einen weihräuchernden Gottesdienst mit den Heiligen eines Popkulturkults feiern, dessen Zeremonien ruhig so verlaufen dürfen wie bei den vorigen Gemeindeversammlungen. Wer zum Glauben noch nicht gefunden hat, wird es schwer haben, über dem Gesangbuch nicht einzuschlafen.
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