Moon
Nach drei Jahren Schicht ist alles vorbei
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 15.07.2010
Filmbeschreibung
Ein kleiner Bildschirm an der Seite des klobigen Arbeitsroboters Gerty, der mit einem Gestänge an der Decke der Mondstation entlanggeführt wird, kann ein gelbes Smiley-Gesicht darstellen. Ein grinsendes, ein betrübtes, ein neutrales, ein skeptisches. Das ist nicht viel, aber in Duncan Jones" SF-Film "Moon" ist es ein Anker der Menschlichkeit. Sam Bell (Sam Rockwell), der einzige Astronaut in der Station, hat seine Dreijahresschicht beinahe hinter sich. Er kontrolliert und wartet panzerartige Erntekarren, die dem Mondgestein Substanzen entziehen, die dann zur Erde verfrachtet und dort zur Energiegewinnung erzeugt werden.
Sam Bell kann sich rühmen, eine sinnvolle Arbeit zu verrichten. Aber die Kamera zeigt uns eine sterile Laborwelt, die von den Spuren menschlicher Schlampigkeit nicht wirklich erwärmt wird. Die auf einem Monitor laufenden, uralten Folgen der TV-Serie "Verliebt in eine Hexe" kompplett mit Konservengelächter haben etwas Deprimierendes. Gerade dadurch, dass Kleinigkeiten diesen Arbeitsplatz menschlich machen sollen, wird klar, dass wir hier eine Wirtschaftszone vor uns haben, in der Menschlichkeit zu teuer ist. Dinge auf den Mond zu fliegen, erst recht Menschen, ist auch in dieser Zukunft Luxus. Wobei man wie bei jedem SF-Film und SF-Roman fragen darf, ob "Moon" nun Entwicklungen von Heute ins Morgen weiterdenkt, oder ob er nur unsere Gegenwart in anderer Gewandung vorführt.
Egal, welche Antwort man für sich geebn will, "Moon" bleibt ein exzellenter Film. Mit Musik, Bildern und dem Spiel von Sam Rockwell vermittelt er nicht nur Einsamkeit, sondern einen Prozess der Auslaugung. Uns ist dieser hehre Dienst an vorderster Front der Energiegewinnung schon unheimlich, bevor das Drehbuch eine böse Wendung nimmt. Sam wird nämlich nach einem Unfall bemerken, dass er nicht allein auf der Station ist. Der neue Mitarbeiter ist - oha, noch ein Sam Bell.
Fieber, Wahnsinn, Delirium scheinen zunächst die naheliegenden Erklärungen, aber dann zwingt die Greifbarkeit des jeweils anderen den Begriff Klon in die Debatte. Und nur eine kleine Weile halten sich Sam und Sam mit der Grübelei auf, wer nun Original und wer Klon ist. Sie gehen dem Verdacht nach, ein ganzes Lager Klone könnte irgendwo verborgen sein, der Heimflug nach drei Jahren nichts als die Einäscherung eines Werkzeugs sein, das seinen kurzen Verschleißzyklus durchlaufen hat. "Moon" ist ein im besten Sinne altmodischer Film. Er baut nicht auf Spezialeffekte, sondern auf Stimmungen, Charaktere, Zustände. Es ist kalt in seiner neuen Arbeitswelt, und draußen gibt es keine Luft zum Atmen.
Sam Bell kann sich rühmen, eine sinnvolle Arbeit zu verrichten. Aber die Kamera zeigt uns eine sterile Laborwelt, die von den Spuren menschlicher Schlampigkeit nicht wirklich erwärmt wird. Die auf einem Monitor laufenden, uralten Folgen der TV-Serie "Verliebt in eine Hexe" kompplett mit Konservengelächter haben etwas Deprimierendes. Gerade dadurch, dass Kleinigkeiten diesen Arbeitsplatz menschlich machen sollen, wird klar, dass wir hier eine Wirtschaftszone vor uns haben, in der Menschlichkeit zu teuer ist. Dinge auf den Mond zu fliegen, erst recht Menschen, ist auch in dieser Zukunft Luxus. Wobei man wie bei jedem SF-Film und SF-Roman fragen darf, ob "Moon" nun Entwicklungen von Heute ins Morgen weiterdenkt, oder ob er nur unsere Gegenwart in anderer Gewandung vorführt.
Egal, welche Antwort man für sich geebn will, "Moon" bleibt ein exzellenter Film. Mit Musik, Bildern und dem Spiel von Sam Rockwell vermittelt er nicht nur Einsamkeit, sondern einen Prozess der Auslaugung. Uns ist dieser hehre Dienst an vorderster Front der Energiegewinnung schon unheimlich, bevor das Drehbuch eine böse Wendung nimmt. Sam wird nämlich nach einem Unfall bemerken, dass er nicht allein auf der Station ist. Der neue Mitarbeiter ist - oha, noch ein Sam Bell.
Fieber, Wahnsinn, Delirium scheinen zunächst die naheliegenden Erklärungen, aber dann zwingt die Greifbarkeit des jeweils anderen den Begriff Klon in die Debatte. Und nur eine kleine Weile halten sich Sam und Sam mit der Grübelei auf, wer nun Original und wer Klon ist. Sie gehen dem Verdacht nach, ein ganzes Lager Klone könnte irgendwo verborgen sein, der Heimflug nach drei Jahren nichts als die Einäscherung eines Werkzeugs sein, das seinen kurzen Verschleißzyklus durchlaufen hat. "Moon" ist ein im besten Sinne altmodischer Film. Er baut nicht auf Spezialeffekte, sondern auf Stimmungen, Charaktere, Zustände. Es ist kalt in seiner neuen Arbeitswelt, und draußen gibt es keine Luft zum Atmen.
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