New York Memories
Leben in der schwulsten Stadt der Welt
Rupert Koppold, veröffentlicht am 15.07.2010
Filmbeschreibung
Vor gut zwanzig Jahren hat Rosa von Praunheim in "Überleben in New York" drei deutsche Einwanderinnen porträtiert, die sich zäh an diesen Moloch Stadt klammerten. "New York Memories" blickt auf diesen Film zurück und verwendet viel vom alten Material. Claudia, die damals vergewaltigt wurde, ist jetzt in journalistisch-literarischen Zirkeln unterwegs und mit einer Lektorin befreundet. Anna, die sich in einer Go-Go-Bar ihr Studium verdiente, ist mit einem Lehrer liiert. Die kleine Uli allerdings, die Frau von der Schwäbischen Alb, die so träumerisch-furchtlos durch den Straßendschungel streifte, wohne heute in Kalifornien, sagt Praunheim. Und kein Wort mehr. Das ist dann doch zu wenig, vor allem für einen Filmregisseur, der sonst intimste Details öffentlich macht.
Praunheim mischt sich jetzt selber ein, zeigt sich als älteren Mann, der melancholisch zurückdenkt an die "schwulste Stadt der Welt", die "schönsten und kräftigsten Männer", den "geilsten Sex". Die von Uli hinterlassene Leerstelle aber will er nicht allein füllen, da helfen zwei junge, deutschstämmige Schwestern, die auf dem Karrieresprung waren, nun in der Luft hängen und trotzdem den "Rhythmus der Stadt" preisen. New York verlangt immer noch alles, der ruhelose Geist der Stadt scheint ihre Bewohner zu prägen. Oder ist es umgekehrt? Haben sich die Ruhelosen diese Stadt, die wie eine Beschleunigung und Verdichtung der westlichen Zivilisation wirkt, zum Zentrum gewählt? Wenn Claudia "permanenten Existenzdruck" spürt oder Anna erklärt, im Alter könne man hier nicht mehr leben, hat diese Liebe zu einer Stadt etwas Masochistisches.
Sprunghaft und kursorisch sind diese "New York Memories". Wie wär"s mit Aids, 9/11, einem transsexuellen Jungen? Willkommen in diesem Film, es ist für (fast) alles Platz! Aber das ungebändigt Quirlige hat auch Charme. Immer noch schafft es Praunheim, Leute zum Reden zu bringen. Selbst wenn diese sich selber darstellen wollen, reden sie sich oft in Widersprüche hinein. Die von Claudia besuchte Künstlerin etwa: starr und verspießert hockt sie in ihrem Reichtum und hält sich für einen guten Menschen, weil sie Wohlfahrtsdinner besucht, weil sie, um mal polemisch zu werden, für die Armen Austern frisst. Am Ende dieses spannenden Films, der einem hie und da furchtbar auf die Nerven geht, zieht Praunheim das Fazit: "Ich liebe diese Stadt immer noch, sie macht stark und mutig." Auch das könnte man polemisch so umformulieren: Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch stärker.
Praunheim mischt sich jetzt selber ein, zeigt sich als älteren Mann, der melancholisch zurückdenkt an die "schwulste Stadt der Welt", die "schönsten und kräftigsten Männer", den "geilsten Sex". Die von Uli hinterlassene Leerstelle aber will er nicht allein füllen, da helfen zwei junge, deutschstämmige Schwestern, die auf dem Karrieresprung waren, nun in der Luft hängen und trotzdem den "Rhythmus der Stadt" preisen. New York verlangt immer noch alles, der ruhelose Geist der Stadt scheint ihre Bewohner zu prägen. Oder ist es umgekehrt? Haben sich die Ruhelosen diese Stadt, die wie eine Beschleunigung und Verdichtung der westlichen Zivilisation wirkt, zum Zentrum gewählt? Wenn Claudia "permanenten Existenzdruck" spürt oder Anna erklärt, im Alter könne man hier nicht mehr leben, hat diese Liebe zu einer Stadt etwas Masochistisches.
Sprunghaft und kursorisch sind diese "New York Memories". Wie wär"s mit Aids, 9/11, einem transsexuellen Jungen? Willkommen in diesem Film, es ist für (fast) alles Platz! Aber das ungebändigt Quirlige hat auch Charme. Immer noch schafft es Praunheim, Leute zum Reden zu bringen. Selbst wenn diese sich selber darstellen wollen, reden sie sich oft in Widersprüche hinein. Die von Claudia besuchte Künstlerin etwa: starr und verspießert hockt sie in ihrem Reichtum und hält sich für einen guten Menschen, weil sie Wohlfahrtsdinner besucht, weil sie, um mal polemisch zu werden, für die Armen Austern frisst. Am Ende dieses spannenden Films, der einem hie und da furchtbar auf die Nerven geht, zieht Praunheim das Fazit: "Ich liebe diese Stadt immer noch, sie macht stark und mutig." Auch das könnte man polemisch so umformulieren: Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch stärker.
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