Toy Story 3 - 3D
Raus aus dem Haus, rein in den Verschleiß
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 30.07.2010
Filmbeschreibung
Buzz Lightyear hat sie nicht mehr alle. Der Weltraumsoldat aus Plastik glaubt mal wieder, er stehe im Kampf gegen eine Galaxis voller Feinde. Dabei war der Kerl schon mal klüger und entspannter. Buzz kam 1995, im ersten komplett computeranimierten Langfilm überhaupt, in "Toy Story" aus dem Hause Pixar, in die Gemeinschaft der Spielzeuge des Buben Andy. Hinterm Rücken der Menschen führten diese Kreaturen unter der Führung der Cowboypuppe Woody ein von liebevollen Kabbeleien durchzogenes Eigenleben. Buzz, der stur an seiner Programmierung festhielt und sich mit den paar Standardsprüchen auf seinem Sprachchip die Welt gefügig machen wollte, musste erst einmal begreifen, dass er ein Spielzeug ist. Aber genau aus dieser Erkenntnis seiner Beschränktheit erwuchs dann die Befreiung. Buzz konnte seine Spielzeugrolle erfüllen und doch aus ihr heraustreten.
Aber nun, in "Toy Story 3", erleben wir ihn wieder als aggressiven Blödmann, der ernstlich glaubt, die kleine Diodenlampe an seinem Arm sei eine Laserwaffe, mit der er Feinde niedermähen kann. Der zuversichtlich ist, wenn er in sein aufgemaltes Funkgerät spreche, werde ein fernes Weltraumoberkommando Verstärkung schicken. Jemand hat den Reset-Knopf gedrückt und Buzz auf seine Werkseinstellungen zurückverdummt.
Was ist da los? Sollten die Kreativen bei Pixar, die Autoren John Lasseter, Andrew Stanton und Lee Unkrich (Letzterer hat hier auch Regie geführt) beim dritten Teil der "Toy Story"-Serie auf die gleiche Idee verfallen sein wie ihre Konkurrenz vom Studio Dreamworks beim vierten Teil der "Shrek"-Saga, nämlich mittels eines Tricks die Ursprungsgeschichte noch einmal zu durchzuspielen, mit neuen Schlenkern und Gags? Nein, so leicht macht es sich Pixar nicht. Dieses Animationsstudio zeigt von "Toy Story" bis "Oben" seit eineinhalb Jahrzehnten, was an Raffinement, Witz, Tiefsinn und Weisheit auch im Blockbuster-Kino möglich ist.
Und so weicht auch "Toy Story 3" keinen Schritt hinter das schon Erzählte zurück, sondern geht verblüffend mutig voran. Buzz Lighyears Rückfall fügt sich nicht in ein Potpourri aufgewärmter Motive, sondern ist Teil eines Generalerschreckens. In diesem nur scheinbar putzigen Film geht es um die Vorläufigkeit des Glücks, das Schwinden des Erreichten, die ewige Änderung des Lebens, die stets die Möglichkeit birgt, dass wir verlieren, was uns lieb ist.
Im Filmkosmos von "Toy Story 3", der als stereoskopischer 3-D-Film auf die Leinwand kommt, ist wie in unserer Wirklichkeit seit dem letzten Abenteuer viel Zeit vergangen. Andy ist kein Kind mehr, die Spielzeuge stehen in seinem Zimmer bestenfalls noch als Dekoration herum. Nun wird Andy zum Studium fortziehen, weshalb eine Sortieraktion ansteht. Manches Alte soll auf den Dachboden, manches auf den Flohmarkt, einiges gar in den Müllsack.
Die Spielzeuge entgehen knapp dem Kehrichteimer, landen aber als Geschenk in einem Kindergarten. Den meisten erscheint das anfangs wie das Paradies. Sie definieren sich über ihre Funktion des Bespieltwerdens. Cowboy Woody aber ist zu seinem Schaden schon weiter (oder hinkt hinterher). Für ihn ist ein Job nicht einfach ein Job. Ihm ist die persönliche Bindung an Andy wichtig. Doch bevor dieser Konflikt ganz aufbrechen kann, entlarvt sich der Kindergarten als Hort von Zerstörungslust und Verschleiß. Die Spielzeuge sind aus einer Welt individueller Wertschätzung in eine andere rücksichtsloser Ausbeutung, Verheizung und Ersetzung geraten.
So erzählt "Toy Story" unterhalb der erneut detailfreudigen, witzigen Abenteuerebene Geschichten des Wandels. Zum einen wird die Idylle des Kinderfilms durch das Bewusstsein der Endlichkeit der Kindheit gebrochen. Zum anderen spiegelt das Schicksal von Woody und Co. eine große gesellschaftliche Verunsicherung: dass wir als Gemeinschaft die besten Jahre hinter uns und dass die Regeln sich geändert haben könnten, dass es nun sehr viel härter und gemeiner zugehen wird und der Geborgenheitsgenuss von einst anstrengenden Versuchen der Schadenminimierung Platz machen muss. Im Kleinen, Überschaubaren und Kindgerechten handelt Pixar wieder einmal das Erwachsene ab, und das in zärtlichen und übermütigen Bildern, die man gerne in den persönlichen Symbolvorrat übernimmt - obwohl sie doch das Unheimliche enthalten.
Aber nun, in "Toy Story 3", erleben wir ihn wieder als aggressiven Blödmann, der ernstlich glaubt, die kleine Diodenlampe an seinem Arm sei eine Laserwaffe, mit der er Feinde niedermähen kann. Der zuversichtlich ist, wenn er in sein aufgemaltes Funkgerät spreche, werde ein fernes Weltraumoberkommando Verstärkung schicken. Jemand hat den Reset-Knopf gedrückt und Buzz auf seine Werkseinstellungen zurückverdummt.
Was ist da los? Sollten die Kreativen bei Pixar, die Autoren John Lasseter, Andrew Stanton und Lee Unkrich (Letzterer hat hier auch Regie geführt) beim dritten Teil der "Toy Story"-Serie auf die gleiche Idee verfallen sein wie ihre Konkurrenz vom Studio Dreamworks beim vierten Teil der "Shrek"-Saga, nämlich mittels eines Tricks die Ursprungsgeschichte noch einmal zu durchzuspielen, mit neuen Schlenkern und Gags? Nein, so leicht macht es sich Pixar nicht. Dieses Animationsstudio zeigt von "Toy Story" bis "Oben" seit eineinhalb Jahrzehnten, was an Raffinement, Witz, Tiefsinn und Weisheit auch im Blockbuster-Kino möglich ist.
Und so weicht auch "Toy Story 3" keinen Schritt hinter das schon Erzählte zurück, sondern geht verblüffend mutig voran. Buzz Lighyears Rückfall fügt sich nicht in ein Potpourri aufgewärmter Motive, sondern ist Teil eines Generalerschreckens. In diesem nur scheinbar putzigen Film geht es um die Vorläufigkeit des Glücks, das Schwinden des Erreichten, die ewige Änderung des Lebens, die stets die Möglichkeit birgt, dass wir verlieren, was uns lieb ist.
Im Filmkosmos von "Toy Story 3", der als stereoskopischer 3-D-Film auf die Leinwand kommt, ist wie in unserer Wirklichkeit seit dem letzten Abenteuer viel Zeit vergangen. Andy ist kein Kind mehr, die Spielzeuge stehen in seinem Zimmer bestenfalls noch als Dekoration herum. Nun wird Andy zum Studium fortziehen, weshalb eine Sortieraktion ansteht. Manches Alte soll auf den Dachboden, manches auf den Flohmarkt, einiges gar in den Müllsack.
Die Spielzeuge entgehen knapp dem Kehrichteimer, landen aber als Geschenk in einem Kindergarten. Den meisten erscheint das anfangs wie das Paradies. Sie definieren sich über ihre Funktion des Bespieltwerdens. Cowboy Woody aber ist zu seinem Schaden schon weiter (oder hinkt hinterher). Für ihn ist ein Job nicht einfach ein Job. Ihm ist die persönliche Bindung an Andy wichtig. Doch bevor dieser Konflikt ganz aufbrechen kann, entlarvt sich der Kindergarten als Hort von Zerstörungslust und Verschleiß. Die Spielzeuge sind aus einer Welt individueller Wertschätzung in eine andere rücksichtsloser Ausbeutung, Verheizung und Ersetzung geraten.
So erzählt "Toy Story" unterhalb der erneut detailfreudigen, witzigen Abenteuerebene Geschichten des Wandels. Zum einen wird die Idylle des Kinderfilms durch das Bewusstsein der Endlichkeit der Kindheit gebrochen. Zum anderen spiegelt das Schicksal von Woody und Co. eine große gesellschaftliche Verunsicherung: dass wir als Gemeinschaft die besten Jahre hinter uns und dass die Regeln sich geändert haben könnten, dass es nun sehr viel härter und gemeiner zugehen wird und der Geborgenheitsgenuss von einst anstrengenden Versuchen der Schadenminimierung Platz machen muss. Im Kleinen, Überschaubaren und Kindgerechten handelt Pixar wieder einmal das Erwachsene ab, und das in zärtlichen und übermütigen Bildern, die man gerne in den persönlichen Symbolvorrat übernimmt - obwohl sie doch das Unheimliche enthalten.
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