Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Sonntag, 12. Februar 2012

Wissen & Computer


Computerspiele Männlich und um die 30

Wolfgang Koch, veröffentlicht am 18.08.2010
Bei Europas größter Computerspiele-Messe Gamescom vom 18. bis 22. August in Köln darf wieder 'gedaddelt' werden. Rund 245.000 Besucher kamen bei der Premiere im vergangenen Jahr - dieses Mal sollen es noch mehr werden. Foto: dpa

Köln - An Wertschätzung durch die Branche mangelt es der Spielemesse Gamescom nicht. In diesem Jahr werden mehr Aussteller nach Köln kommen als im letzten. Bisher haben sich mehr als 480 Anbieter aus 33 Ländern angesagt. Im vergangenen Jahr waren es 458 Firmen aus 31 Ländern. Ob auch mehr Besucher an den Rhein gelockt werden können, wissen die Veranstalter nicht. Mindestens 245.000 müssen es schon werden, denn sonst würde der Zustrom der Premiere im letzten Jahr nicht erreicht. Es könnte knapp werden. Denn im Einwohnerstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen sind noch Ferien, wenn die europäische Leitmesse für Computerspiele am Mittwoch zunächst für das Fachpublikum beginnt. Privatbesucher werden erst einen Tag später eingelassen und können bis Sonntag die Neuheiten von Baller- bis Fantasiespielen erproben.



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Mehr als 200 Neuheiten werden in Köln ihre Welt-, Europa- und Deutschlandpremieren feiern, verspricht Oliver Kurth, einer der Geschäftsführer der Koelnmesse. Dabei gibt es nicht nur neue und aufgefrischte Spielesoftware zu bewundern, sondern auch neue Geräte wie Systeme zur Bewegungssteuerung und Maschinen, die Spiele dreidimensional wiedergeben können.

Spektakuläres Rahmenprogramm


Außerdem wird den Besuchern ein spektakuläres Rahmenprogramm versprochen. Wegen der hohen internationalen Beteiligung erhebt die Gamescom, die mit einem Krakenarm für sich wirbt, den Anspruch, die führende Fach- und Publikumsmesse zum Thema in Europa zu sein. Mit dem Gastland Kanada, das der weltweit führende Standort für Computerspiele ist, soll aber auch die Brücke zum nordamerikanischen Markt geschlagen werden. Die neue Hardware werde auch weitere Spieleprogramme nach sich ziehen, hofft Olaf Wolters, der Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware.

Das könnte die Branche in Deutschland gut gebrauchen, denn ihr Umsatz ist erstmals seit 2005 wieder rückläufig. Die Zahl der verkauften Spielprogramme nahm im ersten Halbjahr 2010 um vier Prozent auf unter 25 Millionen Stück ab. Der Umsatz sank ebenfalls um vier Prozent auf 632 Millionen Euro. Der durchschnittliche Preis pro Spiel blieb mit rund 25,50 Euro stabil. Für den Rückgang sind vor allem die PC-Spiele und die Spiele für mobile Geräte verantwortlich. Gewachsen ist dagegen der Absatz von Spielen für die Konsolen Nintendo Wii, Playstation 3 und Microsoft Xbox 360.

Mit Umsatzwachstum ist nicht zu rechnen


Überraschend sei nach einem leichten Plus im ersten Quartal der Rückgang im zweiten gewesen, sagte Wolters. Er macht die Konkurrenz der Fußball-Weltmeisterschaft und die Sommerhitze dafür verantwortlich und hofft, dass sich der Markt nach der Messe Gamescom wieder erholen wird. Über eine schwarze Null hinaus werde die Branche in diesem Jahr aber wohl nicht kommen. Es wird also kein Umsatzwachstum geben, jedoch Verschiebungen innerhalb des Marktes. Unter anderem erwarten die Anbieter, dass eine steigende Zahl an Programmen kostenpflichtig über das Internet heruntergeladen werden. Dieser Umsatzanteil habe sich im letzten Jahr bereits von zwei auf vier Prozent erhöht und werde weiter wachsen, meint Wolters. Er bezweifelt, dass sich kostenlose Online- und Browserspiele auf die Dauer durch Werbung finanzieren können. Der Aufwand für die Programmierung steige, und deshalb müssten auch die Erlöse dafür zunehmen, stellt der Wolters fest.

In einem jedoch verharrt die Spielebranche: Computerspieler sind überwiegend männlich. Es fehle wohl ein Spieleangebot für Mädchen und Frauen, meint Wolters. In den letzten Jahren sei es gelungen, den Anteil der Mädchen zu erhöhen - unter anderem durch Spiele, die in der Welt der Pferde angesiedelt sind. Sie sollen vor allem junge Mädchen ansprechen. Ein Angebot, das dem Trend entgegenläuft. Das Durchschnittsalter der Spieler ist seit dem letzen Jahr von 24 auf fast 26 Jahre gestiegen. Ein Drittel sei inzwischen sogar älter als 30 Jahre. Auf diese Zielgruppe wolle man sich verstärkt einstellen, kündigte Wolters an.

Die Messe soll aber nicht nur eine attraktive Veranstaltung für die Spieler sein, sondern auch eine Geschäftsplattform für die Hersteller. Der Messe vorgeschaltet ist eine Konferenz der Spieleentwickler. Um dem teilweise schlechten Ruf der Computerspiele entgegenzuwirken, haben die Veranstalter auch Organisationen eingeladen, die Herstellern, Eltern und Erziehern Hilfestellung für den richtigen Umgang mit Computerspielen anbieten.


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