Salt
Die Fluchtgeschwindigkeit des Maulwurfs
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 19.08.2010
Filmbeschreibung
Ob diese Namenswitzelei absichtlich eingeschmuggelt wurde? Seinen Titel leiht sich der Actionthriller "Salt" von seiner Heldin, der CIA-Agentin Evelyn Salt, einer Meisterin aller Spionagetechniken vom raffinierten Verhören bis zum Erdulden von Folterungen. Womit nur ein paar ihrer leichteren Übungen genannt wären. Salt war aber auch die Abkürzung für jenes Verhandlungsmarathon, das sich über Jahrzehnte des Kalten Krieges hinstreckte, für die Strategic Arms Limitation Talks, die Verhandlungen über die Begrenzung der Nukleararsenale.
Ja, diese Namensanspielung muss vom Drehbuchautor Kurt Wimmer mit ironischer Absicht eingeschmuggelt worden sein. Denn Evelyn Salt legt mit enormer Zerstörungskompetenz, mit einer Fluchtgeschwindigkeit, die jeden Verfolger keuchend zurücklässt, mit einem fast maschinellen Zielbewusstsein das Drohpotenzial einer Nuklearwaffe an den Tag. Oder sollte man sagen: Angelina Jolie steigert sich hier so extrem in eine Machorolle hinein, dass sie die Bunkersprengung einer Männerstellung praktiziert? Einige Kritiker haben "Salt", den der nach Hollywood gegangene Australier Phillip Noyce inszeniert hat, tatsächlich feministisch gedeutet.
Auf jeden Fall greift der Film auf ein altes Konfrontationsmodell zurück, aus Tagen, in denen Frauen in solchen Filmen noch nicht die Kraftzentren waren: Russland und die USA kommen an den Rand des Vernichtungskrieges. Der Name Salt schwingt auch deshalb so andeutungsreich, weil es um eine Rüstungsinitiative geht, wenn auch um eine ohne Trägerraketen. Die Sowjetunion, erfährt die CIA, hat eine ganze Heerschar Superagenten in die USA eingeschleust und sie als bestens getarnte Maulwürfe in wichtige Positionen manövriert. Auch für die alten Betonköpfe im neuen Russland haben diese Spione weiter gewühlt und gewartet. Nun sollen sie aktiviert werden, sollen einen Superdestabilisierungsplan umsetzen, der clever über Bande spielt, also zum Beispiel die Ermordung des russischen Premiers auf amerikanischem Boden vorsieht.
Der fiese Kniff besteht darin, dass Jolies Agentin von diesem Plan nicht einfach hört, um ihn dann nach Kräften zu vereiteln. Nein, kaum erfahren Salt und ihre Kollegen aus dem Mund eines Überläufers, was da geplant ist, als auch schon einer der Maulwurfsagenten beim Namen genannt wird: Evelyn Salt. Eine Minute später ist die Agentin in Haft, noch ein paar Lidschläge später auf irrwitziger Flucht, Blutspur inklusive. Entweder will sie ihren Armageddon-Auftrag eilends ausführen, oder sie versucht verzweifelt, aus einer Intrige herauszukommen.
Noyce hat schon die "Patriot Games"Reihe mit Harrison Ford inszeniert, Westentaschenweltkriege im Agentenmilieu sind ihm also nichts Neues. Er bemüht sich auch brav, den Drehzahlmesser früh in den roten Bereich zu jagen, kann uns Jolies Figur dabei aber nicht glaubhaft machen.
Das liegt zum einen an der Schauspielerin selbst, die in vielen Szenen mit einer Kühle spielt, die an Überdruss grenzt. Einerseits führt sie mit absurden Akrobatikleistungen eine Frau vor, die so übermenschlich ist wie Lara Croft in "Tomb Raider". Andererseits scheint sie signalisieren zu wollen: So eine Popkulturrabaukin spiele ich im Schlaf. Oder vielleicht eher: Ich bin so sexy, ich muss nicht spielen.
Aber auch Kurt Wimmers Drehbuch lässt Salt wenig Chancen, Mensch zu werden. Wimmer ist als Regisseur mit "Equilibrium" bekannt geworden. "Equilibrium" spielte mit Versatzstücken der Kinodystopien und nahm coole Bilder wichtiger als Logik. Den gleichen Vorwurf kann man "Salt" machen. Aber nicht nur die überrissenen Stunts und der angestrebte Gruselrealismus passen nicht zueinander. Buch und Inszenierung sind auch faul. Wenn Angelina Jolie in einem Gebäude der CIA auf der Flucht ist, dann geht erst ein Schott herunter, versiegelt sich ein Fenster, dann erst das nächste, damit Salt schön weiter Haken im Flurlabyrinth schlagen kann. Nein, dies ist nicht die weibliche Eroberung eines Genres. Dies ist nur der Beweis, dass auch eine Heldin aus Knallfroschrabatz noch keinen Film macht.
Ja, diese Namensanspielung muss vom Drehbuchautor Kurt Wimmer mit ironischer Absicht eingeschmuggelt worden sein. Denn Evelyn Salt legt mit enormer Zerstörungskompetenz, mit einer Fluchtgeschwindigkeit, die jeden Verfolger keuchend zurücklässt, mit einem fast maschinellen Zielbewusstsein das Drohpotenzial einer Nuklearwaffe an den Tag. Oder sollte man sagen: Angelina Jolie steigert sich hier so extrem in eine Machorolle hinein, dass sie die Bunkersprengung einer Männerstellung praktiziert? Einige Kritiker haben "Salt", den der nach Hollywood gegangene Australier Phillip Noyce inszeniert hat, tatsächlich feministisch gedeutet.
Auf jeden Fall greift der Film auf ein altes Konfrontationsmodell zurück, aus Tagen, in denen Frauen in solchen Filmen noch nicht die Kraftzentren waren: Russland und die USA kommen an den Rand des Vernichtungskrieges. Der Name Salt schwingt auch deshalb so andeutungsreich, weil es um eine Rüstungsinitiative geht, wenn auch um eine ohne Trägerraketen. Die Sowjetunion, erfährt die CIA, hat eine ganze Heerschar Superagenten in die USA eingeschleust und sie als bestens getarnte Maulwürfe in wichtige Positionen manövriert. Auch für die alten Betonköpfe im neuen Russland haben diese Spione weiter gewühlt und gewartet. Nun sollen sie aktiviert werden, sollen einen Superdestabilisierungsplan umsetzen, der clever über Bande spielt, also zum Beispiel die Ermordung des russischen Premiers auf amerikanischem Boden vorsieht.
Der fiese Kniff besteht darin, dass Jolies Agentin von diesem Plan nicht einfach hört, um ihn dann nach Kräften zu vereiteln. Nein, kaum erfahren Salt und ihre Kollegen aus dem Mund eines Überläufers, was da geplant ist, als auch schon einer der Maulwurfsagenten beim Namen genannt wird: Evelyn Salt. Eine Minute später ist die Agentin in Haft, noch ein paar Lidschläge später auf irrwitziger Flucht, Blutspur inklusive. Entweder will sie ihren Armageddon-Auftrag eilends ausführen, oder sie versucht verzweifelt, aus einer Intrige herauszukommen.
Noyce hat schon die "Patriot Games"Reihe mit Harrison Ford inszeniert, Westentaschenweltkriege im Agentenmilieu sind ihm also nichts Neues. Er bemüht sich auch brav, den Drehzahlmesser früh in den roten Bereich zu jagen, kann uns Jolies Figur dabei aber nicht glaubhaft machen.
Das liegt zum einen an der Schauspielerin selbst, die in vielen Szenen mit einer Kühle spielt, die an Überdruss grenzt. Einerseits führt sie mit absurden Akrobatikleistungen eine Frau vor, die so übermenschlich ist wie Lara Croft in "Tomb Raider". Andererseits scheint sie signalisieren zu wollen: So eine Popkulturrabaukin spiele ich im Schlaf. Oder vielleicht eher: Ich bin so sexy, ich muss nicht spielen.
Aber auch Kurt Wimmers Drehbuch lässt Salt wenig Chancen, Mensch zu werden. Wimmer ist als Regisseur mit "Equilibrium" bekannt geworden. "Equilibrium" spielte mit Versatzstücken der Kinodystopien und nahm coole Bilder wichtiger als Logik. Den gleichen Vorwurf kann man "Salt" machen. Aber nicht nur die überrissenen Stunts und der angestrebte Gruselrealismus passen nicht zueinander. Buch und Inszenierung sind auch faul. Wenn Angelina Jolie in einem Gebäude der CIA auf der Flucht ist, dann geht erst ein Schott herunter, versiegelt sich ein Fenster, dann erst das nächste, damit Salt schön weiter Haken im Flurlabyrinth schlagen kann. Nein, dies ist nicht die weibliche Eroberung eines Genres. Dies ist nur der Beweis, dass auch eine Heldin aus Knallfroschrabatz noch keinen Film macht.
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