Babys
So gluckst die Welt, so stressen sich die Eltern
Iris Benker, veröffentlicht am 19.08.2010
Filmbeschreibung
Babys sind schnuckelig. Hebt man eines in der Öffentlichkeit aus seinem Kinderwagen, verändern sich die Umgebungsgeräusche zum quietschenden "Ach wie süß!", und gebildete Menschen verfallen in sinnloses Gebrabbel.
Mit eben diesen kleinen Superstars unserer Gesellschaft beschäftigt sich Thomas Balmès in seiner Dokumentation "Babys". Die Kamera begleitet vier kleine Erdenbürger, vom ersten Atemzug bis hin zu den ersten Gehversuchen. Aus vier unterschiedlichen Ländern stammen die kleinen Protagonisten. Da ist Hattie aus Oakland, einem Vorort von San Francisco, Mari aus dem futuristischen Tokio, Ponijao vom Stamm der Himbas aus Namibia und der kleine Bayar aus der mongolischen Steppe. Vier Babys, vier Lebensmodelle, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Trotz der Verschiedenheit der Erziehungsmodelle versucht Balmès, seine Dokumentation wie eine impressionistische Beobachtung wirken zu lassen. Ohne Kommentare und vor allem ohne Wertung sollen die ansatzweise sehr poetischen Alltagsbilder für sich selbst sprechen. Dennoch stellt sich die Frage, ob hier doch leise Kritik an den modernen Erziehungsmethoden unserer Gesellschaft geübt wird. Denn schließlich klaffen Welten zwischen den verhätschelten Einzelkindern der großen Metropolen und den naturnah in Familienverbänden aufwachsenden Geschwisterkindern.
Während Hattie in einem Babysingkurs mit ihren Erzeugern Lieder über Mutter Erde singen soll, das Ganze jedoch nichts als Fluchtinstinkte in ihr auslöst, freut sich Ponijao über das rhythmische Geklatsche der Mutter und wagt ein erstes Tänzchen. Manchmal ist weniger eben mehr, und das nicht nur bei der Freizeitgestaltung des geliebten Nachwuchses. Maris Überangebot an Spielzeug ruft bei ihr alles andere als Entdeckergeist hervor. Frustriert wälzt sie sich auf dem Boden, wogegen Bayar sich mit einer einfachen Rolle Klopapier vergnügt.
Wir scheinen also vergessen zu haben, wie wenig man als Baby braucht und wie einfach es ist, groß zu werden. Natürlich glucksen die Großstadtkinder genau wie die Naturverbundenen. Dennoch wirken die Ratgeber für perfekte Eltern, die Spielkurse und das Überangebot an Spielzeug im Vergleich zur eher archaischen Kinderstube in Afrika oder der Mongolei sehr verstörend.
Auch wenn "Babys" die ein oder andere Frage aufwirft, unterhält er das Publikum achtzig Minuten lang mit harmonischen Bild- und Klangkompositionen. Für werdende Eltern ist dieser Film genau das Richtige, um sich noch einmal an einer süßen und gurrenden Schönmalerei des Daseins mit ihrem anstehenden Nachwuchs zu erfreuen. Alle frischgebackenen Eltern, die ihren ersten Abend in Freiheit mit einem Kinobesuch bestreiten, sollten sich vielleicht lieber etwas anderes heraussuchen. Zu Hause haben sie gewiss Baby genug.
Mit eben diesen kleinen Superstars unserer Gesellschaft beschäftigt sich Thomas Balmès in seiner Dokumentation "Babys". Die Kamera begleitet vier kleine Erdenbürger, vom ersten Atemzug bis hin zu den ersten Gehversuchen. Aus vier unterschiedlichen Ländern stammen die kleinen Protagonisten. Da ist Hattie aus Oakland, einem Vorort von San Francisco, Mari aus dem futuristischen Tokio, Ponijao vom Stamm der Himbas aus Namibia und der kleine Bayar aus der mongolischen Steppe. Vier Babys, vier Lebensmodelle, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Trotz der Verschiedenheit der Erziehungsmodelle versucht Balmès, seine Dokumentation wie eine impressionistische Beobachtung wirken zu lassen. Ohne Kommentare und vor allem ohne Wertung sollen die ansatzweise sehr poetischen Alltagsbilder für sich selbst sprechen. Dennoch stellt sich die Frage, ob hier doch leise Kritik an den modernen Erziehungsmethoden unserer Gesellschaft geübt wird. Denn schließlich klaffen Welten zwischen den verhätschelten Einzelkindern der großen Metropolen und den naturnah in Familienverbänden aufwachsenden Geschwisterkindern.
Während Hattie in einem Babysingkurs mit ihren Erzeugern Lieder über Mutter Erde singen soll, das Ganze jedoch nichts als Fluchtinstinkte in ihr auslöst, freut sich Ponijao über das rhythmische Geklatsche der Mutter und wagt ein erstes Tänzchen. Manchmal ist weniger eben mehr, und das nicht nur bei der Freizeitgestaltung des geliebten Nachwuchses. Maris Überangebot an Spielzeug ruft bei ihr alles andere als Entdeckergeist hervor. Frustriert wälzt sie sich auf dem Boden, wogegen Bayar sich mit einer einfachen Rolle Klopapier vergnügt.
Wir scheinen also vergessen zu haben, wie wenig man als Baby braucht und wie einfach es ist, groß zu werden. Natürlich glucksen die Großstadtkinder genau wie die Naturverbundenen. Dennoch wirken die Ratgeber für perfekte Eltern, die Spielkurse und das Überangebot an Spielzeug im Vergleich zur eher archaischen Kinderstube in Afrika oder der Mongolei sehr verstörend.
Auch wenn "Babys" die ein oder andere Frage aufwirft, unterhält er das Publikum achtzig Minuten lang mit harmonischen Bild- und Klangkompositionen. Für werdende Eltern ist dieser Film genau das Richtige, um sich noch einmal an einer süßen und gurrenden Schönmalerei des Daseins mit ihrem anstehenden Nachwuchs zu erfreuen. Alle frischgebackenen Eltern, die ihren ersten Abend in Freiheit mit einem Kinobesuch bestreiten, sollten sich vielleicht lieber etwas anderes heraussuchen. Zu Hause haben sie gewiss Baby genug.
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