Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Samstag, 11. Februar 2012

Stuttgart & Region


Destillerie Gruel Ein Whisky mit Tradition

Jürgen Veit, veröffentlicht am 23.08.2010
Nicht nur Geschmack, sondern auch Farbe stehen bei Immanuel (links) und Christian Gruel für die Qualität eines Whiskys. Foto: Rudel

Stuttgart - Schotten und Schwaben ist nicht nur die Sparsamkeit gemein. Nein, sie lieben die raue Umgebung - dort das Hochland, hier die Schwäbische Alb. Und sie hegen und pflegen ihre Nationalgetränke: In Schottland wird der Whisky gepriesen, die Württemberger sind überzeugt von ihrem Wein. Dass ein Schotte in seiner Heimat Trollinger anbaut, ist nur schwer vorstellbar. Aber den schwäbischen Whisky, den gibt's. Christian Gruel brennt ihn schon seit mehr als 20 Jahren. Im Lauf der Zeit hat sein "Tecker" beachtliche Bekanntheit unter Whiskyfreunden erlangt.


Laden Sie hier Ihre Bilder hoch »

Wäre es nach dem heute 74-Jährigen aus Owen (Landkreis Esslingen) gegangen, hätte er schon viel früher damit angefangen. Doch sein Schwiegervater, der sich auf die Produktion von Obstbränden spezialisiert hatte, war strikt dagegen, Destillate aus Getreide herzustellen, obwohl er die dafür erforderliche Lizenz besaß.

Die Idee, schwäbischen Whisky zu brennen, hatte Christian Gruel schon 1979 von einer von der Volksbank Kirchheim organisierten Schottlandreise mitgebracht. Bei der Tour war er auf den Geschmack gekommen. Als nach dem Tod des Schwiegervaters das Brennrecht auf ihn übergegangen war, legte er richtig los. Aus dem von seinem Vetter angebauten Bioweizen und zugekauftem Gerstenmalz brannte er das edle bernsteinfarbene Destillat und vollbrachte damit eine echte Pionierleistung. Zunächst füllte er den Whisky in die für Obstbrände üblichen Flaschen, weil ihm die überstürzte Anschaffung adäquater Behältnisse finanziell riskant erschien. Die kaufmännische Vorsicht blieb in der Beurteilung des Gruel'schen Produkts durch den berühmten, inzwischen verstorbenen Whisky-Experten Michael Jackson nicht unerwähnt: "Aus schwäbischer Sparsamkeit nimmt er zur Abfüllung Flaschen für Obstbrand" schrieb er in einem seiner Bücher, in dem er den schwäbischen Single Grain wohlwollend beurteilte.

Die Nachfolge ist gesichert


Inzwischen wird der Tecker längst in ordentlichen Whiskyflaschen verkauft. Etwa 2000 Liter Single Grain und Single Malt stellt Christian Gruel pro Jahr in seiner Destillerie her, bis zu 40 Prozent seines Gesamtumsatzes bestreitet er damit. Allerdings verkauft er es erst, wenn es mindestens drei Jahre im Eichenfass gereift ist.

Schließlich ist er inzwischen ein echter Traditionalist, dessen Nachfolge bereits gesichert ist. Denn sein 23 Jahre alter Enkel Immanuel wird den Familienbetrieb weiterführen, nachdem sich sein Vater und sein Onkel für andere Berufe entschieden hatten. Immanuel Gruel ist staatlich geprüfter Brenner und strebt nun den Meisterbrief an. Schon im Alter von zehn Jahren hatte er dem Opa prophezeit, ebenfalls Brenner zu werden, mit 15 entschied er sich endgültig für diesen Beruf.

Immanuel Gruel weiß, was einen guten Whisky ausmacht. Entscheidend seien die Getreide- und die Destillatqualität, die Lagerzeit und die Art der Fässer. Letztere verleihen dem Whisky den Charakter - je nachdem, für welchen Inhalt sie ursprünglich bestimmt waren, geben sie die Note von Rotwein, Cognac, Portwein oder Sherry weiter. Die meisten der Gruel'schen Fässer aus verschiedenem Eichenholz sind 20 bis 30 Jahre alt und kosten rund 1000 Euro pro Stück. Eines ist gar 100 Jahre alt, Christian Gruel hat es aus Schottland importiert. Im alten Holz reifen die edlen Destillate, die als drei-, zehn- oder zwölfjährige Whiskys verkauft werden. Der 13 Jahre gereifte Single Grain ist zurzeit ausverkauft.

So wie dem Konditor, der den Wurstsalat Süßem vorzieht, geht es Christian Gruel nicht. Er genießt nach wie vor gerne Single Grain oder Single Malt. Vorzugsweise den eigenen: "Seit wir Whisky im Haus haben, trinke ich fast keine Obstdestillate mehr."

Laden Sie hier Ihre Bilder hoch »


Kommentare (0)
Sommeraktion
Aktuelle Videos
Veranstaltungen

11.02. | Bis Ende des Jahres im Haus des Waldes

Märchenwald

Märchen, Mythen und Geschichten mehr
Finden Sie
Heute können Sie aus 458 Veranstaltungsterminen auswählen
StZ ePaper
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten

Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
 
nach oben