Distanz

Streng nach Vorschrift

Rupert Koppold, veröffentlicht am 23.08.2010
Filmbeschreibung
Dass der Mörder der Gärtner ist, daraus macht der Film kein Geheimnis. Die Frage ist nur: Was treibt den wortkarg-verschlossenen Daniel (Ken Duken) dazu, nach der Arbeit auf eine Autobahnbrücke zu gehen, kleine Steine fallen zu lassen, dann einen großen? Er tut das unaufgeregt, fast so, als wäre er weggetreten in eine eigene Welt. Und auch der Film sieht kühl zu, leitet nach blechernem Aufprallgeräusch mit radikalem Schnitt zu einer Szene über, in der Daniel die Zähne putzt und im Radio von seiner todbringenden Tat hört.

Der Titel von Thomas Siebens Spielfilmdebüt bezieht sich wohl nicht nur auf den Zustand des Helden, den eine Kollegin (Franziska Weiss) aus seiner Starre lösen will, er klingt auch wie das Motto jener spröden Filme von Hochhäusler, Heisenberg oder Petzold, die als Berliner Schule zusammengefasst werden. Doch anders als Petzolds ausgeschliffene Werke sieht "Distanz" noch ein wenig wie Filmen-nach-Vorschrift aus, sein Verzicht auf eine Begründung etwa weist nicht auf die Unauslotbarkeit menschlicher Abgründe hin, er wirkt eher wie das Verschweigen von Information. Auf Siebens nächsten Film aber darf man gespannt sein.
 


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