Leonberger Kreiszeitung

Wie aus einem Stück Holz ein König wird

veröffentlicht am 24.08.2010

Ziemlich laut geht es in diesen Tagen im Jugendhof Seehaus her. Es wird gedrechselt, gehämmert und gesägt.




Zu Gast ist der Höfinger Künstler Walter Hörnstein, der den jungen Straftätern vom Seehaus beibringt, wie aus einem Klotz Holz eine Figur werden kann - mit Sorgfalt, Ausdauer und Kraft. Der Jugendhof Seehaus bietet den Inhaftierten eine Alternative zum Gefängnis. Aber das heißt nicht: Füße hochlegen und nichts tun. Stattdessen erwartet sie ein durchstrukturierter und harter Arbeitsalltag, der ihnen helfen soll, wieder ein geregeltes Leben zu führen. Die Arbeit mit dem Künstler soll für ein wenig Abwechslung sorgen.



"Während der Sommerferien bieten wir denn Jungs verschiedene Aktivitäten an, bei denen sie sich ausprobieren können", erklärt Tobias Merckle. Der Geschäftsführer des Jugendhofs weiß den Einsatz von Walter Hornstein zu schätzen. "Einige der Jugendlichen arbeiten auch in ihrer Ausbildung mit Holz, zum Beispiel als Zimmermann. Jetzt lernen sie aber die künstlerische Seite kennen", erzählt Merckle. Doch Kunst ist nicht das einzige, was während der Sommermonate auf dem Programm steht. Neben verschiedenen Sport- oder Musikangeboten, gibt es auch viel Praktisches zu lernen wie ein Erste Hilfe Kurs. "Die Jungs sollen möglichst viel ausprobieren, um Hobbys für sich zu entdecken", sagt der Geschäftsführer. Das war nämlich das Problem vieler Jugendlichen: Sie kannten keine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, gerieten auf die schiefe Bahn und begingen schließlich eine Straftat. Der Jugendhof Seehaus gibt ihnen die Möglichkeit, so wieder in einen geregelten Alltag zu finden.



Die Schnitzaktion kommt bei den Jugendlichen auf jeden Fall gut an. "Am Anfang hatte ich keine Lust, weil es um Holz geht. Ich arbeite lieber mit Metall. Jetzt ist es aber wirklich erstaunlich zu sehen, was für Figuren daraus entstehen", gesteht Yilmaz. "Man lernt hier, dass man erst Dinge ausprobieren muss und dann über sie urteilen kann", sagt er nachdenklich. Mit seinem Partner hat der 21-Jährige bereits fünf Figuren geschnitzt. Ein Bauer und jeweils zwei Türme und Pferde. Das Thema: Schachfiguren. In den vergangenen Jahren waren zum Beispiel Köpfe oder Reliefs dabei. Hörnstein ist nämlich nicht zum ersten Mal im Seehaus. Bereits zum fünften Mal brachte er seine Kunst von draußen nach drinnen - um letztlich aber auch wieder etwas mitzunehmen. "Es ist ein tolles Gefühl zu helfen und ihnen eine neue Chance zu geben. Außerdem bleiben manche Freundschaften bestehen, auch nachdem die Jungs schon lange entlassen sind", sagt Hörnstein.



Auch Rama hat Spaß am Schnitzen: "Ich habe das noch nie gemacht. Es ist aber gut mal etwas neues auszuprobieren", findet der 20-Jährige und fügt hinzu: "Mit der Zeit kann es schon langweilig werden, aber es gibt ja noch andere Sachen. Zum Beispiel ein Motorsägenkurs, auf den ich mich schon freue." Auch Tobias Merckle ist beeindruckt vom Können der Jugendlichen: "Es ist wirklich faszinierend, wie schnell sie solche tollen Figuren hinbekommen haben." Die Arbeiten der Jungs werden zusammen mit den Werken von Walter Hörnstein ausgestellt.





Ausstellung Von 14. September bis 22. Oktober ist die Ausstellung "Holz-Experiment-Spur" im Landratsamt in Ludwigsburg zu sehen.


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