Mary & Max oder schrumpfen Schafe, wenn es regnet?
Die kleine Gehänselte und der dicke Abgekapselte
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 26.08.2010
Filmbeschreibung
Was ist schön und was ist hässlich? Diese Frage lässt sich schon in unserer Welt der von vielen Magazinen und Werbekampagnen herumposaunten Schönheitsideale nicht beantworten. Wenn wir Trickfilme ansehen, versagen unsere Antennen für Sexappeal aber ganz und gar. Stumpige, stöckelige, krötige und quallige Körper können im Trickfilm schön sein. Die jeweiligen Figürchen leben in einem anderen Kosmos, in dem ihr Aussehen die Norm darstellt oder gar als besonders attraktiv herausragt.
Auch der Australier Adam Elliot stellt in seinem rührenden Knetmännchenfilm "Mary und Max oder Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?" zwei plumpe, unbeholfene Wesen in den Mittelpunkt. Aber hier bleibt kein Zweifel. Diese beiden Existenzen fallen auch in ihrer Welt als Sonderlinge und Kontaktgestörte auf: Mary Daisy Dinkel, ein achtjähriges australisches Mädchen mit kantiger Brille und einem vogelschissartigen Muttermal auf der Stirn, und Max Jerry Horovitz, ein fettleibiger jüdischer Atheist aus New York mit Asperger-Syndrom, dessen Leben zwischen Hilfsjobs und Psychiatrieaufenthalten pendelt.
Elliot, Jahrgang 1972, der für "Harvie Krumpet" (2003) einen Oscar gewonnen hat, ist ein Poet des ranzigen, warzigen Dauerunglücks, ein respektvoller Chronist des Lebens am Rand des Scheiterns, ein pathosresistenter Freund der in Sackgassen verirrten Außenseiter. Mary weiß noch nichts von der Welt und wird doch schon ausgegrenzt und gehänselt. Und Max hat ein nervliches Problem. Er reagiert panisch auf Unvertrautes. Und weil er sich Schutz suchend abkapselt, gibt es nur wenig Vertrautes für ihn. Dieser Film hat ausgefallene Bilder und viele komische Einfälle, aber er ist kein Spaß für die Kleinen. Mary und Max sind naiv, verkorkst, verschroben und finden durch Zufall in Brieffreundschaft zueinander. Das beschert beiden ungeahnte Seligkeiten und heftige Schmerzen. New York sehen wir mit den Augen von Max, sehen wir als fast grau-grau-schwarze Welt. Das Downunder von Mary ist immerhin von Brauntönen geprägt. Aber Max hat sich in seiner eintönigen Welt einen roten Bömmel auf die Yarmulke geklebt, und Mary trägt in der ihren einen roten Haarclip. So merken wir früh: da existiert ein Band zwischen ihnen.
"Mary und Max" ist ein bezwingend paradoxer Film. Wir sehen eine grausame Welt voller Leiden, in der wir uns trotzdem gut aufgehoben fühlen. Mary und Max kommen zwar in ihren Briefen zu Wort, aber über weite Strecken des Films erläutert uns ein Erzähler Geschehnisse, Pläne, Gefühle, Erinnerungen. Das wirkt hier nicht plump. Es versetzt uns in die kindliche Erfahrung des Märchenhörens zurück.
Auch der Australier Adam Elliot stellt in seinem rührenden Knetmännchenfilm "Mary und Max oder Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?" zwei plumpe, unbeholfene Wesen in den Mittelpunkt. Aber hier bleibt kein Zweifel. Diese beiden Existenzen fallen auch in ihrer Welt als Sonderlinge und Kontaktgestörte auf: Mary Daisy Dinkel, ein achtjähriges australisches Mädchen mit kantiger Brille und einem vogelschissartigen Muttermal auf der Stirn, und Max Jerry Horovitz, ein fettleibiger jüdischer Atheist aus New York mit Asperger-Syndrom, dessen Leben zwischen Hilfsjobs und Psychiatrieaufenthalten pendelt.
Elliot, Jahrgang 1972, der für "Harvie Krumpet" (2003) einen Oscar gewonnen hat, ist ein Poet des ranzigen, warzigen Dauerunglücks, ein respektvoller Chronist des Lebens am Rand des Scheiterns, ein pathosresistenter Freund der in Sackgassen verirrten Außenseiter. Mary weiß noch nichts von der Welt und wird doch schon ausgegrenzt und gehänselt. Und Max hat ein nervliches Problem. Er reagiert panisch auf Unvertrautes. Und weil er sich Schutz suchend abkapselt, gibt es nur wenig Vertrautes für ihn. Dieser Film hat ausgefallene Bilder und viele komische Einfälle, aber er ist kein Spaß für die Kleinen. Mary und Max sind naiv, verkorkst, verschroben und finden durch Zufall in Brieffreundschaft zueinander. Das beschert beiden ungeahnte Seligkeiten und heftige Schmerzen. New York sehen wir mit den Augen von Max, sehen wir als fast grau-grau-schwarze Welt. Das Downunder von Mary ist immerhin von Brauntönen geprägt. Aber Max hat sich in seiner eintönigen Welt einen roten Bömmel auf die Yarmulke geklebt, und Mary trägt in der ihren einen roten Haarclip. So merken wir früh: da existiert ein Band zwischen ihnen.
"Mary und Max" ist ein bezwingend paradoxer Film. Wir sehen eine grausame Welt voller Leiden, in der wir uns trotzdem gut aufgehoben fühlen. Mary und Max kommen zwar in ihren Briefen zu Wort, aber über weite Strecken des Films erläutert uns ein Erzähler Geschehnisse, Pläne, Gefühle, Erinnerungen. Das wirkt hier nicht plump. Es versetzt uns in die kindliche Erfahrung des Märchenhörens zurück.
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