Ich & Orson Welles
Der zarte Neuling und das derbe Genie
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 01.09.2010
Filmbeschreibung
Hört man von einem Spielfilm über Orson Welles, denkt man wohl sofort an die zweite Lebenshälfte des großen Kinomannes: an all die Produktionsmühen, die Finanzierungsqualen, die verlorenen Kämpfe mit den Studios, die zerfledderten Visionen. Orson Welles hat mit "Citizen Kane" 1940 Kinogeschichte geschrieben, und es ist schon fast ein Ritual, dass dieses Werk bei Umfragen unter Kritikern und Filmhistorikern regelmäßig auf Platz eins der besten Filme aller Zeiten landet. Wie Welles" Genie danach aber ausgebremst wurde, das böte Stoff für gleich mehrere große Spielfilme.
Der Regisseur Richard Linklater ("Slacker", "Before Sunrise") wählt für "Ich und Orson Welles" überraschenderweise einen ganz anderen Moment aus Welles" Leben, einen der großen Hoffnungen, der hohen Flexibilität, des berstenden Selbstvertrauens. Der Film spielt 1937 in New York, nicht nur vor "Citizen Kane", sondern auch vor der Hörspielfassung von H. G. Wells" "Krieg der Welten", die Orson Welles zum Radiostar machte - und der Rundfunk war damals ein glanzvolles Medium. Linklater erzählt von den Tagen beim New Yorker Mercury Theatre, einer Truppe, die Welles und John Houseman mit dem nicht eben bescheidenen Vorsatz geformt hatten, den Staub aus den Klassikern zu klopfen.
Der Jungschauspieler Richard (Zac Efron) wird neu ins Mercury-Ensemble geholt, das gerade Shakespeares "Julius Caesar" probt. Das gibt dem Film die Chance, uns alles von Grund auf zu erklären, uns manche wohlmeinende Erläuterung aus dem Mund der ein oder anderen Figur zukommen zu lassen. Auch den Regisseur Orson Welles (Christian McKay) erleben wir nun in Außensicht, in seiner schnellen Auffassungsgabe, seinem ungeduldigen Witz, seiner raumgreifenden Eitelkeit, seinem rüdenhaften Führungsanspruch, seiner ganzen barocken Lust an der Selbststilisierung. Aber nie muss Linklaters Film sich um Ausgewogenheit, um Vollständigkeit, um ein gültiges Porträt des rätselhaften Welles bemühen. Er liefert eben nur ein paar Erfahrungen, die Richard - vor allem als Rivale um das Herz einer Frau - mit diesem beeindruckenden, aber nicht unbedingt leicht erträglichen Mann macht.
Dieser bescheidene Ansatz hat durchaus seine Vorteile. "Ich und Orson Welles", der auf einem Roman von Robert Kaplow basiert, stellt uns detailgenau und liebevoll die Welt eines kleinen Theaters zwischen Bankrott und Kunstrevolte vor, leistet sich die üblichen Scherze über aufgeregte Darsteller, die ihre zwei Sätze für Wegmarken der Menschheitsgeschichte halten, und strahlt manchmal eine Sehnsucht nach dem Damals aus, die an Woody Allen erinnert. Allerdings bewegt sich Linklaters Film dabei auch sehr gemächlich voran: Welles" Temperament fehlt ihm.
Der Regisseur Richard Linklater ("Slacker", "Before Sunrise") wählt für "Ich und Orson Welles" überraschenderweise einen ganz anderen Moment aus Welles" Leben, einen der großen Hoffnungen, der hohen Flexibilität, des berstenden Selbstvertrauens. Der Film spielt 1937 in New York, nicht nur vor "Citizen Kane", sondern auch vor der Hörspielfassung von H. G. Wells" "Krieg der Welten", die Orson Welles zum Radiostar machte - und der Rundfunk war damals ein glanzvolles Medium. Linklater erzählt von den Tagen beim New Yorker Mercury Theatre, einer Truppe, die Welles und John Houseman mit dem nicht eben bescheidenen Vorsatz geformt hatten, den Staub aus den Klassikern zu klopfen.
Der Jungschauspieler Richard (Zac Efron) wird neu ins Mercury-Ensemble geholt, das gerade Shakespeares "Julius Caesar" probt. Das gibt dem Film die Chance, uns alles von Grund auf zu erklären, uns manche wohlmeinende Erläuterung aus dem Mund der ein oder anderen Figur zukommen zu lassen. Auch den Regisseur Orson Welles (Christian McKay) erleben wir nun in Außensicht, in seiner schnellen Auffassungsgabe, seinem ungeduldigen Witz, seiner raumgreifenden Eitelkeit, seinem rüdenhaften Führungsanspruch, seiner ganzen barocken Lust an der Selbststilisierung. Aber nie muss Linklaters Film sich um Ausgewogenheit, um Vollständigkeit, um ein gültiges Porträt des rätselhaften Welles bemühen. Er liefert eben nur ein paar Erfahrungen, die Richard - vor allem als Rivale um das Herz einer Frau - mit diesem beeindruckenden, aber nicht unbedingt leicht erträglichen Mann macht.
Dieser bescheidene Ansatz hat durchaus seine Vorteile. "Ich und Orson Welles", der auf einem Roman von Robert Kaplow basiert, stellt uns detailgenau und liebevoll die Welt eines kleinen Theaters zwischen Bankrott und Kunstrevolte vor, leistet sich die üblichen Scherze über aufgeregte Darsteller, die ihre zwei Sätze für Wegmarken der Menschheitsgeschichte halten, und strahlt manchmal eine Sehnsucht nach dem Damals aus, die an Woody Allen erinnert. Allerdings bewegt sich Linklaters Film dabei auch sehr gemächlich voran: Welles" Temperament fehlt ihm.
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