Im Abseits - und bald ganz verschwunden

Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung vom 21.09.2010

Matratzen, Pressspanplatten, Teppiche, Farbeimer und ein verbeultes Kinderfahrrad liegen zwischen zuwuchernden Hauseingängen. Fast alle Fensterscheiben sind eingeworfen, der Boden ist von Glasscherben übersät. Die alten LBBW-Wohnblöcke in der Sigelstraße an der Grenze zu Stammheim, die inzwischen im Besitz der Stadt Kornwestheim sind, haben schon bessere Zeiten gesehen. Abseits vom Stadtgebiet in Nachbarschaft zu Containerbahnhof, Westrandstraße und Logistikunternehmen gelegen, haben die Bewohner schon seit jeher ein recht isoliertes Dasein gefristet.

Rund 80 Wohnungen hat die Stadt in den vergangenen Jahren entmietet - mit Umzugsvergütungen von bis zu 5000 Euro als Anreiz zum Aufbruch. "Viele Mieter hat die Städtische Wohnbau anderweitig untergebracht, andere haben auch selbst neue Wohnungen gefunden", berichtet Finanzbürgermeister Dietmar Allgaier. Die Handvoll restlicher Menschen, die immer noch auf dem verwahrlosten Areal wohnen, haben der offensichtlich waltenden Zerstörungswut nichts entgegenzusetzen. An die Türen geklebte Zettel mit dem Aufschrieb "Polizei wurde verständigt und wird Kontrollgänge durchführen" scheinen jedenfalls wenig Eindruck gemacht zu haben. Lange werden die Bauten jetzt niemandem mehr ein Dach über dem Kopf gewähren: Den verbliebenen Mietern droht bis Ende des Monats die Zwangsentmietung.

Rund 8000 Quadratmeter groß ist das Gewerbegebiet Sigelstraße, weitere 8000 sollen durch den Abbruch des Häuserkomplexes hinzukommen. Eine konkrete Konzeption oder Parzellierung ist aber für das erweiterte Areal, auf dem sich auch die Moschee befindet, noch nicht vorgesehen, wie Dietmar Allgaier erklärt. "Wir werden offen damit in die Vermarktung gehen. Wir gehen derzeit davon aus, dass es ein Mischgebiet wird." Die Moschee soll nach Bekunden der Stadt an ihrem angestammten Platz bleiben können.

Allerdings ist die Stadt bislang noch nicht Eigentümerin der gesamten Fläche. Das Gelände, auf dem die Moschee steht, ein kleiner Teil westlich davon sowie die Flächen des bis vor kurzem auf dem Areal beheimateten Schrott- und Metallgroßhandels Beck und Stachelski gehören nach wie vor der Bahn-Tochter Aurelis.

Konkretere Pläne machten erst Sinn, wenn die Stadt auch diese Flächen erworben habe, sagt der Bürgermeister. "Aurelis ist aber verkaufsbereit, der Kauf ist vertragsrechtlich vorbereitet." 670 000 Euro hält die Stadt für den Erwerb der Restflächen bereit. "Für uns ist allerdings klar, dass wir die Flächen nur altlastenfrei übernehmen", betont Allgaier, der auch für die Wirtschaftsförderung in der Stadt zuständig ist. Ob es auf dem früheren Schrottgelände möglicherweise eine Altlastenproblematik gibt, ist noch nicht untersucht. Wenn ja, müsse die bisherige Eigentümerin die Regulierung übernehmen. Ihre Bereitschaft dafür habe sie schon signalisiert. Derzeit ziehe sich der Prozess etwas hin, weil bei Aurelis der zuständige Ansprechpartner gewechselt habe. Die Verwaltung hoffe aber, die Verträge kommendes Jahr unter Dach und Fach zu haben.

Im Ausschuss für Umwelt und Technik ist inzwischen beschlossen worden, dass die Firma CK-Abbruch aus Süßen demnächst mit den Abrissbaggern in der Sigelstraße 40/42, 41/43, 45/45.1 und 47/49/51 anrücken sollen. Für 308 000 Euro will sie die Abbrucharbeiten erledigen; sie war mit diesem Angebot die günstigste Bieterin. Weil so viel Geld nicht eingeplant war, will die Verwaltung Mittel umschichten, die für den Abbruch der Häuser in der Bahnhofstraße nicht gebraucht werden.

Es sei höchste Zeit, die Wohnblöcke in der Sigelstraße abzureißen, fand Freie-Wähler-Stadtrat Hans-Dieter Holzscheiter. "Sonst müsste man dort auf jeden Fall mal die Rattenbekämpfung einführen."
 
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