Leonberger Kreiszeitung

Leonberg

Hat NPD-Kreisrat einen Rentner geschlagen?

veröffentlicht am 22.09.2010
Z5533 Hendrik Schmidt

Als Friedrich, der sich in Leonberg auch als Vorsitzender des Naturschutzbundes engagiert, damals die Eisenstange an die Plakate legte, bog den Ermittlungen zufolge ein Auto um die Ecke. Zwei junge Männer sprangen heraus und stürmten auf den Rentner zu. Sie riefen, er solle die Plakate in Ruhe lassen. "Die NPD fuhr in dieser Nacht in Leonberg Patrouille", bewertete Richter Armin Blattner während der Verhandlung. Friedrich hielt während des Ansturms die Eisenstange schützend vor sich, fuchtelte damit herum. Doch die Männer, 36 und 24 Jahre alt, griffen nach seinen Armen und hielten ihn fest. Aus dem mittlerweile geparkten Auto rannte ein weiterer Mann herbei: der NPD-Funktionär Janus Nowak, Jahrgang 1978. Eine Woche später sollte er genug Stimmen erhalten, um als erster NPD-Vertreter seit Jahrzehnten in den Böblinger Kreistag einzuziehen. Doch nun galt es erst einmal, einem in die Jahre gekommenen Sozialdemokraten zu zeigen, was eine Harke ist: Nowak griff in das Gerangel ein. Worte und Beschimpfungen flogen. "Kommunist" von der einen Seite, "Nazi" von der anderen. Was dann passierte, vermochte das Gericht nicht abschließend zu klären. Klar ist, dass Friedrich hinterher an der Lippe blutete, Hämatome im Gesicht davon trug. Er selbst sprach von einem Faustschlag, Nowak behauptete, einen solchen bewussten Angriff nicht geführt zu haben. Die Zeugenaussagen von Nowaks Kameraden, von Carl Friedrich und den Polizisten, die Minuten später den Kreisel erreichten, widersprechen sich. Nowaks Anwalt Peter Stöckicht - früher selbst NPD-Abgeordneter im baden-württembergischen Landtag - führte zur Entlastung ins Feld, sein Mandat habe auf eine Anzeige wegen Sachbeschädigung gegen Friedrich verzichtet. Stöckicht und die Staatsanwältin Gottschalch einigten sich schließlich darauf, es beim Strafbefehl bewenden zu lassen: 1500 Euro soll Nowak in den nächsten sechs Monaten an die Stiftung Denkmalschutz zahlen.


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Um sein Kreistagsmandat wird der "nationale Demokrat" nicht fürchten müssen. Laut Landkreisordnung scheiden Kreisräte erst aus, wenn sie ihre Wählbarkeit nach Paragraf 45 des Strafgesetzbuches verlieren: Der Vorgang setzt eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr voraus. Auch früher schon hatte Nowak Glück: Im Vorfeld der Landtagswahlen 2001 wurde er wegen Urkundenfälschung verurteilt. Als er 2009 zur Kreistagswahl antrat, war dies verjährt, für seine Wahlfähigkeit kein Hindernis. Zuletzt landete er in den Schlagzeilen, als er uneingeladen bei der Einweihung eines Mahnmals im Konzentrationslager Hailfingen/Tailfingen erschien - und Polizeibeamte ihn hinaus eskortierten.

Aus dem Gerichtssaal verschwand Nowak schließlich freiwillig. Nicht ohne vorher noch einmal gegen Friedrich zu schießen. Zwei Tage später seien damals schließlich weitere Plakate der NPD beschädigt worden. Richter Blattner erwiderte: "Es gibt noch mehr Menschen, die ihre Partei nicht mögen." Nowak zeigte sich unbeeindruckt: "Viel Feind, viel Ehr."


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