Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Donnerstag, 23. Februar 2012

Leonberger Kreiszeitung


Ein Tüftler mit einer Menge Rock "n" Roll im Blut

Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung vom 24.09.2010

Andreas Feller ist in seinem Element. Er hat eine weiße Fender Stratocaster umgehängt, seine Finger fliegen regelrecht über das Griffbrett der Gitarre. Bluesige Töne sind da zu hören, aber auch Reminiszenzen an Metal, Funk und Rock. Für den Zuhörer wird schnell klar: Der Mann weiß, was er tut. Das kam auch den Mitgliedern der schwäbischen Kleinkunstgruppe "Die kleine Tierschau", Michael Gaedt und Michael Schulig, zu Ohren, deren Band Feller seit Februar vergangenen Jahres verstärkt. "Ich kenne Michael Gaedt schon länger. Als die ,Tierschau" dann Anfang 2009 einen Gitarristen suchte, hat er Kontakt zu mir aufgenommen", sagt Feller.

Erfahrung auf größeren Bühnen sammelte der Leonberger allerdings schon deutlich früher. Der 48-Jährige war Gründungsmitglied der Stuttgarter Polka-Folkrocker "Hiss". Von 1996 bis Ende 2002 nahm Feller mit der Band drei Alben auf und spielte mehr als 640 Konzerte. "Von der Pommesbude bis zum Kursaal war so ziemlich alles an Veranstaltungsorten dabei, was man sich denken kann", sagt der Gitarrist schmunzelnd.

Mittlerweile sind 35 Jahre vergangen, seit Feller zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand genommen hat. Um anzugeben und Anerkennung bei den Mädchen zu bekommen, wie der 48-Jährige augenzwinkernd betont. Feller ist Autodidakt, brachte sich mit Schallplatten das Spielen bei. Heute gibt er sein Wissen als Gitarrenlehrer an Nachwuchsmusiker weiter.

Bei der Musik ist für den Profimusiker vor allem eines wichtig: laut muss es sein. Die musikalischen Einflüsse des 48-Jährigen sind damit wenig verwunderlich. Neben den Hardrockern Van Halen um den Gitarrenvirtuosen Eddie Van Halen, zählt Feller vor allem die Glam-Rock-Bands der 70er- und 80er-Jahre wie The Sweet, Slade und T-Rex zu den Helden seiner Jugend. "Das war eben richtiger Rock "n" Roll. Es war ein besonderes Lebensgefühl, für das diese Bands standen", schwelgt der Leonberger in Erinnerungen von aufwendigen Bühnenshows, schrillen Outfits und vor allem voll aufgedrehten Verstärkern. "Diese Einstellung hat mich fasziniert und ich habe sie mir bis heute ein Stück weit für mich selbst beibehalten", sagt Feller.

Gitarrenverstärker sind für den "leidenschaftlichen Musiker" (Feller) seit zwei Jahren sein Nebenverdienst. Er baut unter dem Namen "Felleretta" Boutique-Röhrenverstärker, Geräte mit dem gewissen Etwas also, die er selbstbewusst als "die lautesten Skulpturen der Welt" bezeichnet. Jedes Kunstwerk ist ein handgefertigtes Einzelstück. Und tatsächlich würde man hinter so manchem Gebilde aus Fellers Kollektion keinen Gitarrenverstärker erwarten. Statt seine Kreationen wie sonst üblich schwarz und viereckig zu bauen, experimentiert der 48-Jährige in seinen Arbeitsräumen in der Leonberger Altstadt mit Form und Material. Metallene Kugeln gibt es in seiner Verstärkergalerie ebenso zu sehen wie Geräte mit Leopardenfell- und Plüschüberzug oder modifizierte Kofferradios. "Ich arbeite nach dem Grundsatz: Man kann das Rad nicht neu erfinden, man kann es aber außergewöhnlich gestalten", sagt Feller, der seine Kunstwerke selbst bei der "Kleinen Tierschau" einsetzt.

Seinen ersten Verstärker hat der 48-jährige Familienvater vor vier Jahren mit Hilfe eines Plans aus dem Internet gelötet. "Ich wollte einfach sehen, wie das geht und habe relativ schnell festgestellt, dass es gut klappt", erinnert sich der Leonberger, gibt aber lachend zu: "Am Anfang habe ich schon hin und wieder mal einen kleinen Schlag bekommen und es ist auch öfter das Material durchgeschmort." Heute verkauft Feller seine Verstärker sogar an Kunden aus Japan. "Ich sehe mich, was die Geräte angeht, als Künstler mit Interesse an Design und Technik", sagt der "Tierschau"-Gitarrist, nimmt ein Kabel, steckt es in seine weiße Stratocaster und lässt dann wieder jene rockigen Töne erklingen, die an die Helden seiner Jugend erinnern.
 
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