Kinder-Uni Ringe der Vergangenheit
Simone Höhn, veröffentlicht am 16.10.2010
Stuttgart - Michael Friedrich fährt mit der Hand über die Oberfläche einer der vielen Holzscheiben, die in seinem Labor lagern. Das macht er ganz behutsam und geübt. Schließlich ist das Holz seine Passion. Der Agrarbiologe am Institut für Botanik der Universität Hohenheim beschäftigt sich mit der sogenannten Dendrochronologie. Das ist der Fachausdruck für die Wissenschaft, bei der man anhand der Ringmuster in Stämmen das Alter von Bäumen bestimmt. Ein heller und ein dunkler Ringabschnitt entsprechen dem Zeitraum von einem Jahr.
"Das machen Bäume zuverlässig, mit der Dendrochronologie kann man also genaue Zeiträume eingrenzen", sagt der Dozent Michael Friedrich. Davon profitieren unter anderem Archäologen. Fundstellen aus der Römerzeit, zum Beispiel alte Brunnen, lassen sich mit Hilfe der Jahresringbestimmung zeitlich genau bestimmen - vorausgesetzt es befindet sich Holz an der Fundstelle.
"Die Dendrochronologie ist wie ein Puzzlespiel", sagt Michael Friedrich, und man merkt, dass er mit Begeisterung bei der Sache ist. Eine Spezialität der Uni Hohenheim ist nämlich der längste Jahresringkalender der Welt - Friedrichs Forschungsfeld und Steckenpferd. Dieser ist exakt 12.564 Jahre alt und reicht bis in die letzte Eiszeit zurück. Dafür haben er und seine Kollegen in den vergangenen Jahren jede Menge Holz in aller Herren Länder gesammelt und viele Ringe gezählt. "Man legt dabei die Holzstücke aneinander und sucht nach den gleichen Passmustern der Jahresringe", erklärt Michael Friedrich. Passt das eine auf das andere, bedeutet das, dass die Scheiben zeitlich aufeinanderfolgen. So datiert man in die Vergangenheit zurück."
Die ältesten Bäume findet man oft abgestorben in Kiesgruben. "Das kommt daher, dass Flüsse irgendwann mal die Wälder überschwemmt und dabei Bäume entwurzelt und mitgerissen haben. Das Wasser hat die Bäume erhalten, so dass wir heute in den Kiesbetten subfossile Bäume finden." Die ältesten Bäume der Welt gibt es in Kalifornien, sie werden mehr als 4000 Jahre alt und sind rund acht Meter hoch. "Die ältesten Bäume sind nicht immer die höchsten. Meistens werden die Bäume am ältesten, die am schlechtesten wachsen, sozusagen die Asketen", erklärt Michael Friedrich.
Die Jahresringbestimmung ist für viele Bereiche nützlich. Man kann damit herausfinden, wie alt ein Instrument ist - Geigen, Flöten oder Klaviere sind schließlich aus Holz gefertigt. "Wir können prüfen, ob es sich um eine echte Stradivari handelt, denn da muss das Holz aus dem 17. Jahrhundert und aus Norditalien stammen." Auch bei der Aufklärung von Verbrechen können die Jahresringe eine Hilfe sein. Michael Friedrich berichtet von einem gruseligen Fall: "Eine vermisste Frau wurde tot in Decken gehüllt im Wald gefunden. Ein Baum hatte die Leiche bereits eingewurzelt. Da sich auch in den Wurzeln Jahresringe befinden, konnte man so herausfinden, wie lange die Frau dort schon lag."
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Die ältesten Bäume der Welt werden mehr als 4000 Jahre alt
"Die Dendrochronologie ist wie ein Puzzlespiel", sagt Michael Friedrich, und man merkt, dass er mit Begeisterung bei der Sache ist. Eine Spezialität der Uni Hohenheim ist nämlich der längste Jahresringkalender der Welt - Friedrichs Forschungsfeld und Steckenpferd. Dieser ist exakt 12.564 Jahre alt und reicht bis in die letzte Eiszeit zurück. Dafür haben er und seine Kollegen in den vergangenen Jahren jede Menge Holz in aller Herren Länder gesammelt und viele Ringe gezählt. "Man legt dabei die Holzstücke aneinander und sucht nach den gleichen Passmustern der Jahresringe", erklärt Michael Friedrich. Passt das eine auf das andere, bedeutet das, dass die Scheiben zeitlich aufeinanderfolgen. So datiert man in die Vergangenheit zurück."
Die ältesten Bäume findet man oft abgestorben in Kiesgruben. "Das kommt daher, dass Flüsse irgendwann mal die Wälder überschwemmt und dabei Bäume entwurzelt und mitgerissen haben. Das Wasser hat die Bäume erhalten, so dass wir heute in den Kiesbetten subfossile Bäume finden." Die ältesten Bäume der Welt gibt es in Kalifornien, sie werden mehr als 4000 Jahre alt und sind rund acht Meter hoch. "Die ältesten Bäume sind nicht immer die höchsten. Meistens werden die Bäume am ältesten, die am schlechtesten wachsen, sozusagen die Asketen", erklärt Michael Friedrich.
Die Jahresringbestimmung ist für viele Bereiche nützlich. Man kann damit herausfinden, wie alt ein Instrument ist - Geigen, Flöten oder Klaviere sind schließlich aus Holz gefertigt. "Wir können prüfen, ob es sich um eine echte Stradivari handelt, denn da muss das Holz aus dem 17. Jahrhundert und aus Norditalien stammen." Auch bei der Aufklärung von Verbrechen können die Jahresringe eine Hilfe sein. Michael Friedrich berichtet von einem gruseligen Fall: "Eine vermisste Frau wurde tot in Decken gehüllt im Wald gefunden. Ein Baum hatte die Leiche bereits eingewurzelt. Da sich auch in den Wurzeln Jahresringe befinden, konnte man so herausfinden, wie lange die Frau dort schon lag."
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