Glosse Goethe und ich

Hans Jörg Wangner, veröffentlicht am 20.10.2010
Welchen Schreibstil habe ich? Eine Antwort, wenn auch nicht immer die passende, liefert ein Onlinedienst. Foto: dpa

Stuttgart - Dieser Text hier, da steht zwar Wangner drüber. Geschrieben sein könnte er, also vom Stil her gesehen, auch von dem Schriftsteller Rainald Goetz. Diese Gewissheit verdanken wir den Kollegen der "Frankfurter Allgemeinen".


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Die klugen Köpfe haben unlängst eine Online-Maschine ins Netz gestellt, die auf Mausklick sagt, welchen Schreibstil einer hat. Text einfließen lassen, anklicken, Ergebnis lesen - und sich endlich mal richtig eingeschätzt fühlen. Frei von Eitelkeit probiert man das natürlich an verschiedenen eigenen Stücken aus (man könnte es ja in die nächste Gehaltsverhandlung einfließen lassen).

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In ein, zwei Jahren kommt eine Menge zusammen: Peter Handke, Ingo Schulze, Charlotte Roche (da steht einmal das Wort "Bordell" im Text), Fontane, Goethe (es ging um Faust, Isabelle Faust), Uwe Johnson (das war der brottrockene Bericht über eine Bankversammlung).

Wo man Schiller eingibt, kommt (meist) auch Schiller raus


Dass die Maschine nicht einfach ins Blaue hineinanalysiert, zeigt die B-Probe: wo man Schiller eingibt, kommt auch Schiller raus (in manchen Fällen jedenfalls). Bei Charlotte Birch-Pfeiffer ("söffe Terpentin", wie Heinrich Heine vermutete) wird allerdings Georg Trakl draus. Und bei Christian Morgenstern (wir zitieren im Original: "Kroklokwafzi? Semememi! / Seiokrontro - - prafriplo: / Bifzi, bafzi; hulalemi: / quasti basti bo...") Maxim Biller. Unser tägliches Was Wann Wo (es steht heute übrigens auf Seite 28) liest sich wie Friederike Mayröcker und Gerhard Raffs schwäbische Kolumne wie Joseph Roth.

Ehe wir jetzt offline gehen, machen wir aber noch geschwind die C-Probe und nehmen spaßeshalber eine OB-Schuster-Rede: "Ich mache meine Arbeit gerne, weil ich jeden Tag Menschen begegne, Neues lernen kann und vor allem, weil der Einsatz für unser schönes Stuttgart lohnt..."

Das war Nietzsche.

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