Eine Reise mit Gevatter Tod

Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 22.11.2010

Es ist still in der Pauluskirche. Gespannt warten die etwa 150 Zuhörer auf das im Programm angekündigte Werk. Doch sie wissen genau, dass der "Totentanz" von Hugo Distler (1908-1942) keine leichte Kost ist und höchste Konzentration bei Aufführenden und Zuhörern verlangt. Immerhin geht es in dem Werk darum, den Menschen an seine eigene Vergänglichkeit zu erinnern, ihn vor sündhaftem Tun zu warnen und zu gottgefälligem Leben aufzurufen.

Das Fellbacher Vocalensemble unter der Leitung von Gerhard Möller stellte sich dieser Aufgabe, meisterte sie hervorragend und nahm die Zuhörer von der ersten Note an mit auf die unheimliche Reise des Todes. Der Chor beginnt mit dem ersten von 14 Spruchversen von Angelus Silesius aus dem Jahr 1675 - und dann kommt er, der Tod. Leise schleicht er sich von hinten an, man sieht ihn nicht, man hört ihn nur - und er packt einen mit seiner Stimme im Genick und lässt einem das Blut gefrieren. Horst Fuchs als sonorer Sprecher macht das ganz wunderbar, ein Entziehen ist fast unmöglich.

Einen nach dem anderen nimmt sich der Tod vor: Kaiser und Bischof, Edelmann und Arzt, Kaufmann und Landsknecht, Schiffer und Bauer. Sogar vor Jungfrau, Greis und Kind macht er nicht halt. Glasklar und intonationssicher agieren die Sänger zwischen den Zwiegesprächen von Tod und Opfer. Die Flötistin Michaela Möller verbindet alle Elemente mit den kurzen Variationen zum Choral "Es ist ein Schnitter, heißt der Tod".

Doch trotz aller Finsternis und Bedrücktheit, die Distler als damals 26-Jähriger offenbar empfand und durch seine Komposition zum Ausdruck brachte, so ist doch bei jedem Chor-Spruch noch ein Stück Versöhnlichkeit zu spüren. Zunächst in Quint-, dann gehalten in Sekundenakkorden löst sich jeder Spruch am Ende in aufatmendes Dur auf.

Beschlossen wird der Abend durch Distlers Orgelsonate mit einer bestens aufgelegten Sigrid Steck sowie den Musikalischen Exequien und zwei Motetten von Heinrich Schütz. Obgleich Schütz bisweilen sperrig sein kann, sind es doch genau diese Werke, mit denen der Chor am Ende ein wohliges Gefühl bei den Zuhörern zurücklässt. Der Tod ist nun doch wieder etwas verblasst. Und nun geht auch der Atem wieder ruhiger.
 
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