Steinkauz als Planungsbremse
Artikel aus der Nord-Rundschau vom 23.11.2010
Der Gemeinderat hat im Jahr 2003 mehrheitlich entschieden, dass das 8,8 Hektar große Gebiet im Stammheimer Osten bebaut werden soll. Um das Projekt zu beschleunigen, sollten die Eigentümer der dortigen Grundstücke einem Verkauf beziehungsweise einem Tausch ihrer Flächen "freiwillig" zustimmen. Einige Eigentümer verweigerten jedoch aus persönlichen oder ökologischen Gründen ihre Unterschrift. Das Projekt, bei dem aktuell 300 bis 320 neue Wohnungen vorgesehen sind, geriet ins Stocken. Daraufhin wurde aus dem freiwilligen Grundstückstausch eine amtliche Umlegung gemacht und der Druck auf die Eigentümer erhöht. Mit Erfolg: "Wir haben mittlerweile mit jedem Beteiligten gesprochen", erklärt Alexander Pazerat vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. "Jeder hat ein Zuteilungsprotokoll unterschrieben, das ihm zusichert, dass er einen Bauplatz erhält, beziehungsweise einen Anspruch darauf hat."
Kaum ist diese Hürde genommen, taucht eine weitere im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens auf: Sie hat braun-weiße Federn, ruft "uwitt, uwitt" und heißt Steinkauz. Die Eulenart steht auf der Roten Liste, ist streng geschützt und wurde im geplanten Neubaugebiet gesichtet und gehört. Die Stammheimer Bezirksbeirätin Petra Bonnet (Grüne) vernahm den eindringlichen Ruf des Kauzes zum ersten Mal Mitte August, worauf sie den Naturschutzbund (Nabu) informierte. Dessen zweiter Vorsitzender Ulrich Tammler machte sich tags darauf ein Bild von der Situation vor Ort. "Ich habe den Steinkauz mit eigenen Augen gesehen und vermute, dass es sich um ein Jungtier auf Reviersuche handelt." Der Nabu habe daraufhin bei der Stadt eine Stellungnahme abgegeben und eine Nacherfassung gefordert, um zu prüfen, ob der Vogel dort brütet oder nicht. Im Gebiet seien überdies nicht nur der Steinkauz zu finden, sondern auch der Gartenrotschwanz und zwei seltene Wildbienenarten. Aus Sicht der Naturschützer sind die artensichernden Maßnahmen gar nicht oder nur unzureichend vorgesehen. "Wenn in Langenäcker-Wiesert gebaut würde, wäre das eine Katastrophe", sagt Tammler. "Wir lehnen die gesamte Baumaßnahme aus Naturschutzgründen ab."
Dass es in dem Gebiet schützenswerte Arten gibt, ist den Mitarbeitern der Stadtverwaltung nicht neu. Bereits in den Jahren 2005 und 2007 wurden im Rahmen der vorbereitenden Untersuchungen zum Bebauungsplanverfahren Gutachten in Auftrag gegeben. Wildbienen und Gartenrotschwanz sind dabei kartiert worden. Der Steinkauz habe aber seinerzeit nicht nachgewiesen werden können. Auf Artenschutz werde geachtet. "Es muss bei der rechtlichen Beurteilung immer darauf geachtet werden, ob Brutquartiere und oder Ruhestätten betroffen sind oder die Arten das Gebiet zur Nahrungsaufnahme durchstreifen", erklärt Werner Flad vom Umweltamt. Sollten zwischenzeitlich neuere Erkenntnisse bestehen, sei dies von Seiten der Stadt neu zu untersuchen. "Konkrete Hinweise des Naturschutzbundes wären dabei hilfreich", so Flad. Die bisherigen Gutachten "schlagen zur Erhaltung der bekannten Arten entsprechende Maßnahmen im Gebiet aber vor allem auch außerhalb des Gebietes vor". Welche Schutz- beziehungsweise Ausgleichsmaßnahmen für die Tiere tatsächlich zu treffen seien, werde noch geprüft. Eine Nachuntersuchung wegen des Steinkauzes könnte das Verfahren verzögern. Eine Prüfung erstreckt sich über die Dauer einer Brut- beziehungsweise einer Vegetationsperiode.
Stammheims Bezirksvorsteherin Tina Hülle geht davon aus, dass sich der Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan verzögern wird. "Wir müssen auf jeden Fall bis nächstes Frühjahr warten", sagt sie. "Ich bedauere die Verzögerung. Wir brauchen den Wohnraum dringend, vor allem von jungen Familien gibt es viele Nachfragen."
"Die Untersuchungen und die Planungen laufen parallel", erklärt der Sachgebietsleiter für Grünordnungsplanung Wolfgang Maier. "Wir berücksichtigen bereits in unseren Planungen ein mögliches Vorkommen des Steinkauzes und richten die erforderlichen Maßnahmen danach aus." Mit dem Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan rechnet auch er im Frühjahr.
Detlef Kron, der Leiter des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung, hebt die Bedeutung des Artenschutzes hervor: "Das Thema Artenschutz kann man nicht abwägen. Wir gehen der Sache mit dem Steinkauz nach und werden eine Untersuchung in Auftrag geben", sagt er. "Wir versuchen, die Art in dem Bereich zu halten, aber Ausgleichsmaßnahmen müssen nicht zwingend im Gebiet selbst getroffen werden." Bruthöhlen zum Beispiel könne man unter Umständen auch in der Nähe errichten. Dies habe man beim Steinkauzvorkommen im Zuffenhäuser Baugebiet Hohlgrabenäcker erfolgreich vollzogen.
Kaum ist diese Hürde genommen, taucht eine weitere im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens auf: Sie hat braun-weiße Federn, ruft "uwitt, uwitt" und heißt Steinkauz. Die Eulenart steht auf der Roten Liste, ist streng geschützt und wurde im geplanten Neubaugebiet gesichtet und gehört. Die Stammheimer Bezirksbeirätin Petra Bonnet (Grüne) vernahm den eindringlichen Ruf des Kauzes zum ersten Mal Mitte August, worauf sie den Naturschutzbund (Nabu) informierte. Dessen zweiter Vorsitzender Ulrich Tammler machte sich tags darauf ein Bild von der Situation vor Ort. "Ich habe den Steinkauz mit eigenen Augen gesehen und vermute, dass es sich um ein Jungtier auf Reviersuche handelt." Der Nabu habe daraufhin bei der Stadt eine Stellungnahme abgegeben und eine Nacherfassung gefordert, um zu prüfen, ob der Vogel dort brütet oder nicht. Im Gebiet seien überdies nicht nur der Steinkauz zu finden, sondern auch der Gartenrotschwanz und zwei seltene Wildbienenarten. Aus Sicht der Naturschützer sind die artensichernden Maßnahmen gar nicht oder nur unzureichend vorgesehen. "Wenn in Langenäcker-Wiesert gebaut würde, wäre das eine Katastrophe", sagt Tammler. "Wir lehnen die gesamte Baumaßnahme aus Naturschutzgründen ab."
Dass es in dem Gebiet schützenswerte Arten gibt, ist den Mitarbeitern der Stadtverwaltung nicht neu. Bereits in den Jahren 2005 und 2007 wurden im Rahmen der vorbereitenden Untersuchungen zum Bebauungsplanverfahren Gutachten in Auftrag gegeben. Wildbienen und Gartenrotschwanz sind dabei kartiert worden. Der Steinkauz habe aber seinerzeit nicht nachgewiesen werden können. Auf Artenschutz werde geachtet. "Es muss bei der rechtlichen Beurteilung immer darauf geachtet werden, ob Brutquartiere und oder Ruhestätten betroffen sind oder die Arten das Gebiet zur Nahrungsaufnahme durchstreifen", erklärt Werner Flad vom Umweltamt. Sollten zwischenzeitlich neuere Erkenntnisse bestehen, sei dies von Seiten der Stadt neu zu untersuchen. "Konkrete Hinweise des Naturschutzbundes wären dabei hilfreich", so Flad. Die bisherigen Gutachten "schlagen zur Erhaltung der bekannten Arten entsprechende Maßnahmen im Gebiet aber vor allem auch außerhalb des Gebietes vor". Welche Schutz- beziehungsweise Ausgleichsmaßnahmen für die Tiere tatsächlich zu treffen seien, werde noch geprüft. Eine Nachuntersuchung wegen des Steinkauzes könnte das Verfahren verzögern. Eine Prüfung erstreckt sich über die Dauer einer Brut- beziehungsweise einer Vegetationsperiode.
Stammheims Bezirksvorsteherin Tina Hülle geht davon aus, dass sich der Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan verzögern wird. "Wir müssen auf jeden Fall bis nächstes Frühjahr warten", sagt sie. "Ich bedauere die Verzögerung. Wir brauchen den Wohnraum dringend, vor allem von jungen Familien gibt es viele Nachfragen."
"Die Untersuchungen und die Planungen laufen parallel", erklärt der Sachgebietsleiter für Grünordnungsplanung Wolfgang Maier. "Wir berücksichtigen bereits in unseren Planungen ein mögliches Vorkommen des Steinkauzes und richten die erforderlichen Maßnahmen danach aus." Mit dem Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan rechnet auch er im Frühjahr.
Detlef Kron, der Leiter des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung, hebt die Bedeutung des Artenschutzes hervor: "Das Thema Artenschutz kann man nicht abwägen. Wir gehen der Sache mit dem Steinkauz nach und werden eine Untersuchung in Auftrag geben", sagt er. "Wir versuchen, die Art in dem Bereich zu halten, aber Ausgleichsmaßnahmen müssen nicht zwingend im Gebiet selbst getroffen werden." Bruthöhlen zum Beispiel könne man unter Umständen auch in der Nähe errichten. Dies habe man beim Steinkauzvorkommen im Zuffenhäuser Baugebiet Hohlgrabenäcker erfolgreich vollzogen.
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