Ein Fingerzeig genügt und die Kugel rollt

Artikel aus der S-Mitte vom 26.11.2010

Mit dem Zeigefinger zeichnet Jürgen ein Dreieck auf den Bildschirm. Noch eine Kreisbewegung hinzugefügt, und schon sind die beiden exakten Formen auf dem Computer zu sehen. Nun kann die Kugel schwerer und das Dreieck steiler eingestellt werden.

Ein Fingerzeig genügt. "Wir wollten die neue Technologie für den schulisch spielerischen Bereich nutzen", erklärt Jürgen Röhm. Der 23-jährige Student der Hochschule der Medien, kurz HdM, hat gemeinsam mit seiner Kommilitonin Andrea Müller ein Physik-Lernspiel ausgetüftelt.

Die Idee kam so gut an, dass sie dafür mit dem zweiten Platz beim "Young Talent Award" des deutschen Multimedia Kongresses ausgezeichnet wurden. Auf einem Display zum Anfassen, einem sogenannten Touchscreen, können physikalische Körper, wie beispielsweise eine Kugel, per Fingerbewegung gezeichnet, bewegt und in Größe und Gewicht verändert werden. Am Rand erklären digitale Lernkarten die physikalischen Gesetze, die gerade beobachtet werden können.

"Wir wollen Studenten eine Plattform bieten, auf der sie ihre Ideen präsentieren können", sagt Silke Ruoff von der Innovationsagentur des Landes für IT und Medien, die den Kongress veranstaltet. Beim Multimedia Kongress können so Unternehmer mit Studenten ins Gespräch kommen. Die besten Ideen werden ausgezeichnet. 24 Arbeiten hatten Studenten aus ganz Deutschland eingereicht, eine Fachjury aus Unternehmern, Professoren und Experten der Agentur traf dann die Auswahl. "Wir waren ganz schön überrascht über den Preis", sagt Andrea Müller.

Ein Semester haben sie an "Physik zum Anfassen" getüftelt. Und das, obwohl beide das Fach schon lange vor dem Abitur abgewählt hatten. Doch genau das war ein Grund, sich erneut damit zu beschäftigen. "Wir haben uns überlegt, womit viele ein Problem haben, und sich nicht richtig ran trauen", sagt Jürgen. Also wälzten sie Physikbücher und grübelten über Gewichtskraft und Reibung. Und machten sich ans Programmieren. Entschieden haben sie sich dabei für einen Touchscreen. So ist Anfassen nicht mehr nur sprichwörtlich gemeint. Wo schnöde Formeln die Vorstellungskraft vieler Schüler strapazieren, können sie nun sofort die Wirkung sehen und selbst eingreifen. "Die Touchscreen-Technologie setzt sich immer mehr durch", sagt Silke Ruoff. Momentan seien die meisten dabei, sich dank Smartphones und I-Pad mit der Technologie vertraut zu machen.

Dass die Tafel in Klassenzimmern in naher Zukunft eher an einen Touchscreen erinnern wird, halten alle drei für wahrscheinlich. Noch ist ihr Lernspiel aber Zukunftsmusik. "Wir werden natürlich auch versuchen, die Idee an Unternehmen zu vermitteln", sagt Ruoff. Um es ganz professionell umzusetzen, bedürfe es schließlich Zeit und ein paar mehr helfender Hände beim Programmieren. Zeit haben die beiden Informationsdesign-Studenten gerade aber wenig. Sie grübeln über einer anderen Aufgabe: ihrer Bachelorarbeit.
 
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