Leonberger Kreiszeitung

Rockiges und kubanische Rhythmen

veröffentlicht am 29.11.2010

Zum ersten Mal hat am Samstag außerhalb der Akademie-Woche ein von der Cello Akademie ausgerichtetes Konzert stattgefunden. Der künstlerische Leiter und Geschäftsführer der Akademie, Matthias Trück, wollte zusammen mit seinem Duo-Partner Tim Ströbele - zusammen sind sie "Ponticellos" - beweisen, dass Cello-Musik viel mehr sein kann als nur die tiefe Stimme im klassischen Streichquartett. Wer die Formation "Quattrocelli" kennt, zu der Trück und seit neuestem auch wieder Ströbele gehört, für den ist diese Entdeckung nichts Neues gewesen. Spaß hat ihr Duo-Programm "Puls" in der Aula des Schulzentrums aber allemal gemacht.




Der Lastwagen mit der technischen Ausrüstung, der ob des winterlichen Wetters liegen geblieben war, war glücklicherweise mit dem Abschleppwagen und viel Verspätung doch noch eingetroffen. Zu jeder Nummer gab es daher wie geplant anderes Licht, das die Stimmung und das Wesen der jeweiligen Musik verstärkte. Und Facetten förderten die beiden Musiker eine ganze Menge zu Tage. Wer denkt schon, dass ein Cello fast wie ein Akkordeon klingen kann? Oder überzeugend ein Saxophon ersetzt?



In den Kompositionen von Ströbele und den anderen Arrangements, welche die "Ponticellos" nach Filmmusiken und Jazz-Standards für Cello-Duo arrangiert haben, war eines beständig: der Puls, der dem Programm seinen Namen gegeben hat und der in jedem Stück präsent war.



Den ganzen Abend über gaben sich die beiden Musiker dabei höchst demokratisch: Abwechselnd spielte einer der beiden Cellisten die Melodiestimme, dann wieder die zumeist gezupfte Begleitung. Das verlief ganz organisch, wie überhaupt das ganze Konzert so entspannt über die Bühne ging, als hätte das Publikum nur eben das Glück, dabei sein zu dürfen, während zwei Meistercellisten ihren Spaß beim gemeinsamen Musizieren haben.



Höchst effektvoll öffnete sich zu den ersten Klängen von Ströbeles Komposition "Nachts" der Bühnenvorhang. Die Musiker saßen im Gegenlicht vor einem nachtblauen Hintergrund und sorgten mit erregten Ostinati für eine elektrisierende Atmosphäre. Die Musik pulsierte und klang mal jazzig und mal orientalisch. Der Blickkontakt zwischen den beiden Männern riss nur selten ab, und das Ganze bereitete beiden offenbar ein immenses Vergnügen.



Bemerkenswert war allemal, wie souverän sie dabei die Stilrichtungen und Klangfarben ihres Instrumentes wechselten, ohne dabei ihre künstlerische Handschrift zu ändern. Beim Ohrwurm "Take Five" fehlte das typische Saxophon kein bisschen, bei den beiden Nummern aus dem Film "Buena Vista Social Club" die kubanische Combo ebenso wenig. "Ponticellos" fanden immer die richtige Mischung aus pulsierenden Ostinati und charakteristischen Oberstimmen.



Dabei ließen Intensität und Spannung keine Sekunde lang nach. Ganz egal, ob die Cellostimme wie im Libertango vor Leidenschaft glühte, wie in Ströbeles "Abschied" melancholisch seufzte oder seinem "Zeitlos" wie ein glosender Tonstrom floss. Auch als Instrument für Rock-Nummern eignet sich offenbar so ein Cello übrigens bestens. Das bewiesen sie bei Ströbeles "AS" und bei ihrer zweiten Zugabe: "Nothing Else Matters" von Metallica.




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