Datenspeicher im Alpenland Bunker garantieren Sicherheit
Klaus Koch, veröffentlicht am 05.12.2010
Bern - Wie der bekannte Schweizer Käse präsentieren sich die Gipfel und Berge des Alpenlandes im Herzen Europas, wenn es um große Tunnelbauwerke wie am Gotthard oder unter dem Lötschberg geht. Die Weltmeister in der Konstruktion gigantischer Röhren, die den Norden mit dem Süden, aber auch gewaltige Speicherseen miteinander verbinden, trieben in den 1960er und 70er Jahren atombombensichere Bunker in den Fels, um im Zweifelsfall sogar einen "nuklearen Winter" überleben zu können.
"Dichthalten" sollen die einstigen Zufluchtsstätten jetzt auch für andere Zwecke - nämlich wenn es um die Speicherung von Daten geht, die vor Fremdzugriffen geschützt werden sollen. Schon seit einiger Zeit bietet ein Unternehmen namens Mount10 Firmen an, ihre Bits und Bytes tief im Berg sicher zu lagern, statt mühsam eigene Sicherungskopien und tagesaktuelle Backups zu erstellen. Zu Zeiten, da internationale Ermittler in Ländern wie der Schweiz und Liechtenstein Zugang zu verräterischen Konten suchen, kann dies ein durchaus wertvoller Service sein. Denn sensible Daten könnten - wie in Liechtenstein in der Steueraffäre um den Mann mit dem Decknamen "David" geschehen - als Magnetbänder oder in anderer Form entwendet und dann gefährlich werden. Genutzt wird dieser diskrete Datenspeicher im Berge etwa von Kreditinstituten oder von Konzernen wie dem Schweizer Bauunternehmen Implenia. Letzteres koordiniert Projekte an 70 Standorten über die Anbindung an zwei Zentralrechner im Berg. Bei Mount10 wickelt es sein tägliches Backup online ab.
Seit 1996 betreibt der Mutterkonzern Siag seine unterirdischen Rechenzentren im Berner Oberland. Dort wurden zu Zeiten des Kalten Krieges Hunderte von Metern für Atombunker, vielerorts sogar Kilometer an Gängen und eindrucksvolle Kavernen in den Fels getrieben. Die Schweizer Armee hatte die Bunker aufgegeben, weil Kampfjets nicht nahe genug starten und landen konnten. Wo früher Waffen lagerten und Notfallausrüstungen gebunkert wurden, werden heute Daten gehortet. Klimaanlagen und eine unabhängige Stromversorgung sind selbstverständlich. Die einstige militärische Nutzung garantiert Sicherheit gegen Unwetter, Hochwasser, Erdbeben und elektromagnetische Impulse, die nach der Explosion von nuklearen Sprengsätzen elektronische Systeme lahmlegen könnten. Und das Wachpersonal überwacht im 24-Stunden-Betrieb den Zutritt über eine Reihe von Schleusen.
Unternehmen können im "Swiss Fort Knox" ganze Etagen mieten und dort ihre eigenen Server betreiben. Neben reinen Lösungen zur Datensicherung werden auch ganze Rechenzentren in den Berg verlegt. "Der physische Schutz unserer Anlagen sowie die politische Stabilität der Schweiz machen unser Angebot auch für ausländische Firmen attraktiv", wirbt Siag-Geschäftsführer Christoph Oschwald für sein Unternehmen. Ein Datenklau zur Enttarnung deutscher Steuerflüchtlinge in der Schweiz, wie er bei der Treuhandgesellschaft LGT in Liechtenstein durch die Entwendung einer Bandaufzeichnung geschah, wäre in der Alpenfestung angeblich nicht möglich.
Ein Magnetband, auf dem in zahlreichen Unternehmen die Vorgänge des Tages gespeichert werden, um sie über Nacht nicht verloren gehen zu lassen, gibt es in diesem Bunker nicht. Dafür jede Menge an Speichern in Terabyte-Größe. Aber ist sein Konzept deshalb auch zuverlässiger? Immerhin werden bei Mount10 die tagesaktuellen Daten via Internet übertragen. Und das gilt im Zeitalter von Hackern und selbst ernannten Hütern der Gerechtigkeit nicht gerade als sicher. Dass die Datenanbindung über das Internet erfolgt, könnte wohl ein Schwachpunkt sein. Andererseits können die Betreiber so auch kleineren Unternehmen und Privatleuten die tägliche Datensicherung anbieten. "Bis vor wenigen Jahren waren die Übertragungsraten per Internet noch zu gering. Die rasante Entwicklung der jüngeren Zeit hat diese Hürde aus der Welt geschafft", erklärt Mount10-Geschäftsführer Flo Schweri.
Ein als zuverlässig erachtetes Verschlüsselungsprogramm und der per Passwort gesicherte Zugang schaffen nach Auffassung der Geschäftsleitung ausreichende Sicherheit. Die beiden rund zehn Kilometer voneinander entfernten "Privatdatenbanken" sind durch Glasfaserkabel ans Internet angeschlossen, wie auch untereinander durch Breitbandkabel miteinander verbunden. Mit ihrer "alpinen Firewall" kann Mount10 auch Daten vor international agierenden Ermittlern schützen, die darauf dringen, dass steuerrelevante Informationen bei Verdacht auf Hinterziehung auch ausländischen Fahndern zugänglich gemacht werden sollten. Das Unternehmen weist kaum zufällig darauf hin, dass eigene Bandaufzeichnungen am Standort der betreuten Firmen nicht mehr nötig sind.
Wer dennoch Zugriff haben möchte, müsste erst noch die Festung überwinden, die so gut gesichert ist, wie es einst die Schweizer Armee für notwendig hielt, um Eindringlingen von "draußen" das Leben so schwer wie möglich zu machen. Diskretion und Privatsphäre gehören zu den wichtigsten Geschäftsgrundlagen von Mount10. Oschwald selbstbewusst: "Wir gelten als das sicherste Datenzentrum in Europa."
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Wo früher Waffen lagerten, werden heute Daten gehortet
Seit 1996 betreibt der Mutterkonzern Siag seine unterirdischen Rechenzentren im Berner Oberland. Dort wurden zu Zeiten des Kalten Krieges Hunderte von Metern für Atombunker, vielerorts sogar Kilometer an Gängen und eindrucksvolle Kavernen in den Fels getrieben. Die Schweizer Armee hatte die Bunker aufgegeben, weil Kampfjets nicht nahe genug starten und landen konnten. Wo früher Waffen lagerten und Notfallausrüstungen gebunkert wurden, werden heute Daten gehortet. Klimaanlagen und eine unabhängige Stromversorgung sind selbstverständlich. Die einstige militärische Nutzung garantiert Sicherheit gegen Unwetter, Hochwasser, Erdbeben und elektromagnetische Impulse, die nach der Explosion von nuklearen Sprengsätzen elektronische Systeme lahmlegen könnten. Und das Wachpersonal überwacht im 24-Stunden-Betrieb den Zutritt über eine Reihe von Schleusen.
Unternehmen können im "Swiss Fort Knox" ganze Etagen mieten und dort ihre eigenen Server betreiben. Neben reinen Lösungen zur Datensicherung werden auch ganze Rechenzentren in den Berg verlegt. "Der physische Schutz unserer Anlagen sowie die politische Stabilität der Schweiz machen unser Angebot auch für ausländische Firmen attraktiv", wirbt Siag-Geschäftsführer Christoph Oschwald für sein Unternehmen. Ein Datenklau zur Enttarnung deutscher Steuerflüchtlinge in der Schweiz, wie er bei der Treuhandgesellschaft LGT in Liechtenstein durch die Entwendung einer Bandaufzeichnung geschah, wäre in der Alpenfestung angeblich nicht möglich.
Ein Schwachpunkt ist die Datenanbindung über das Internet
Ein Magnetband, auf dem in zahlreichen Unternehmen die Vorgänge des Tages gespeichert werden, um sie über Nacht nicht verloren gehen zu lassen, gibt es in diesem Bunker nicht. Dafür jede Menge an Speichern in Terabyte-Größe. Aber ist sein Konzept deshalb auch zuverlässiger? Immerhin werden bei Mount10 die tagesaktuellen Daten via Internet übertragen. Und das gilt im Zeitalter von Hackern und selbst ernannten Hütern der Gerechtigkeit nicht gerade als sicher. Dass die Datenanbindung über das Internet erfolgt, könnte wohl ein Schwachpunkt sein. Andererseits können die Betreiber so auch kleineren Unternehmen und Privatleuten die tägliche Datensicherung anbieten. "Bis vor wenigen Jahren waren die Übertragungsraten per Internet noch zu gering. Die rasante Entwicklung der jüngeren Zeit hat diese Hürde aus der Welt geschafft", erklärt Mount10-Geschäftsführer Flo Schweri.
Ein als zuverlässig erachtetes Verschlüsselungsprogramm und der per Passwort gesicherte Zugang schaffen nach Auffassung der Geschäftsleitung ausreichende Sicherheit. Die beiden rund zehn Kilometer voneinander entfernten "Privatdatenbanken" sind durch Glasfaserkabel ans Internet angeschlossen, wie auch untereinander durch Breitbandkabel miteinander verbunden. Mit ihrer "alpinen Firewall" kann Mount10 auch Daten vor international agierenden Ermittlern schützen, die darauf dringen, dass steuerrelevante Informationen bei Verdacht auf Hinterziehung auch ausländischen Fahndern zugänglich gemacht werden sollten. Das Unternehmen weist kaum zufällig darauf hin, dass eigene Bandaufzeichnungen am Standort der betreuten Firmen nicht mehr nötig sind.
Wer dennoch Zugriff haben möchte, müsste erst noch die Festung überwinden, die so gut gesichert ist, wie es einst die Schweizer Armee für notwendig hielt, um Eindringlingen von "draußen" das Leben so schwer wie möglich zu machen. Diskretion und Privatsphäre gehören zu den wichtigsten Geschäftsgrundlagen von Mount10. Oschwald selbstbewusst: "Wir gelten als das sicherste Datenzentrum in Europa."
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