Die Bahn kommt aufs Abstellgleis
Artikel aus der Strohgäu Extra vom 04.12.2010
Er liebt die Bahn. Beruflich ist Hans-Joachim Knupfer zwar mit der Stuttgarter Straßenbahn verbandelt, arbeitet für deren Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Seine große Leidenschaft gehört aber der Schwarzwaldbahn.
Seit seiner Jugend dokumentiert und fotografiert der 43-jährige Leonberger die Strecke. Nun hat Knupfer sein geballtes Wissen und gesammelte Fundstücke zu seinem Lebenswerk, so scheint es, zusammengetragen: zahlreiche unveröffentlichte Bilder und Geschichten aus rund 140 Jahren Eisenbahngeschichte - direkt vor unserer Haustür. Der Leser des Buches staunt über den immensen Aufwand, der im 19. Jahrhundert getrieben wurde, um die knapp 50 Kilometer lange Verbindung von Zuffenhausen durchs Stroh- und Heckengäu bis hinauf auf 511 Höhenmeter und schließlich hinab ins Nagoldtal zu bauen.
Doch Knupfer geht es nicht allein um Eisenbahnromantik. Dem Mitstreiter des "Vereins Württembergische Schwarzwaldbahn" ist es immer um eine Wiederaufnahme des Schienennahverkehrs zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Landkreis Calw gegangen. Knupfer beschreibt, wie die Schwarzwaldbahn schon mit den Nationalsozialisten und ihren Träumen eines "Groß-Stuttgart" aufs Abstellgleis geriet. Denn bereits die Nazis führten vor, dass der Bau einer S-Bahn Instrument für Siedlungspolitik ist. Die Schwarzwaldbahn wurde 1939 elektrifiziert - es herrschte Krieg als die ersten S-Bahn-Waggons in Weil der Stadt einliefen. Und eben keinen Meter weiter. Dabei war die Westbahn im Königtum Württemberg als Hauptbahn geplant.
Für Hermann Hesse stand die Bahn für den Aufbruch in die große Welt, raus aus der geistigen Enge des Schwarzwaldtales. So jedenfalls machte er die Strecke in seinem autobiografischen Werk "Unterm Rad" weltberühmt. Nach dem Krieg verlor sie jedoch schnell ihre Bedeutung.
Nun stehen die Chancen für die Reaktivierung der Strecke so gut wie nie zuvor. Seltsamerweise ist der Bahnrettungsverein selbst vom Landkreis Calw vor gut zehn Jahren noch bekämpft worden. Knupfers Buch ist in Zeiten, da ein anderes Bahnprojekt das Land zu spalten droht, ein Dokument für konstruktive Bürgereinmischung.
"Die württembergische Schwarzwaldbahn", DGEG-Medien, ISBN 39 37 189 572,
24,80 Euro, 119 Seiten.
Seit seiner Jugend dokumentiert und fotografiert der 43-jährige Leonberger die Strecke. Nun hat Knupfer sein geballtes Wissen und gesammelte Fundstücke zu seinem Lebenswerk, so scheint es, zusammengetragen: zahlreiche unveröffentlichte Bilder und Geschichten aus rund 140 Jahren Eisenbahngeschichte - direkt vor unserer Haustür. Der Leser des Buches staunt über den immensen Aufwand, der im 19. Jahrhundert getrieben wurde, um die knapp 50 Kilometer lange Verbindung von Zuffenhausen durchs Stroh- und Heckengäu bis hinauf auf 511 Höhenmeter und schließlich hinab ins Nagoldtal zu bauen.
Doch Knupfer geht es nicht allein um Eisenbahnromantik. Dem Mitstreiter des "Vereins Württembergische Schwarzwaldbahn" ist es immer um eine Wiederaufnahme des Schienennahverkehrs zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Landkreis Calw gegangen. Knupfer beschreibt, wie die Schwarzwaldbahn schon mit den Nationalsozialisten und ihren Träumen eines "Groß-Stuttgart" aufs Abstellgleis geriet. Denn bereits die Nazis führten vor, dass der Bau einer S-Bahn Instrument für Siedlungspolitik ist. Die Schwarzwaldbahn wurde 1939 elektrifiziert - es herrschte Krieg als die ersten S-Bahn-Waggons in Weil der Stadt einliefen. Und eben keinen Meter weiter. Dabei war die Westbahn im Königtum Württemberg als Hauptbahn geplant.
Für Hermann Hesse stand die Bahn für den Aufbruch in die große Welt, raus aus der geistigen Enge des Schwarzwaldtales. So jedenfalls machte er die Strecke in seinem autobiografischen Werk "Unterm Rad" weltberühmt. Nach dem Krieg verlor sie jedoch schnell ihre Bedeutung.
Nun stehen die Chancen für die Reaktivierung der Strecke so gut wie nie zuvor. Seltsamerweise ist der Bahnrettungsverein selbst vom Landkreis Calw vor gut zehn Jahren noch bekämpft worden. Knupfers Buch ist in Zeiten, da ein anderes Bahnprojekt das Land zu spalten droht, ein Dokument für konstruktive Bürgereinmischung.
"Die württembergische Schwarzwaldbahn", DGEG-Medien, ISBN 39 37 189 572,
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