Datenschutz Der unsichtbare Teil des Internets
Marc Hippler und Christiane Wild, veröffentlicht am 01.01.2011
Stuttgart - "Nie zuvor ist das Vertrauen von Amerikas Partnern in aller Welt so erschüttert worden." Mit diesen Worten kündigt "Spiegel Online" Ende November die Veröffentlichung der US-amerikanischen Depeschen an. Tatsächlich reagieren einige Diplomaten gereizt darauf, doch das liegt nicht allein am Inhalt der Dokumente. Was amerikanische Politiker über Regierungsmitglieder anderer Länder denken, ist zwar wenig schmeichelhaft, aber nicht überraschend oder gar schockierend. Die Aufregung um Wikileaks und seine Enthüllungen hat andere Gründe.
Da ist zum einen die Person des Wikileaks-Gründers Julian Assange, der sich als Kämpfer für eine aufgeklärte, bessere Welt inszeniert. Und der auf viele exzentrisch wirkt. Die Anhänger des Mannes mit den schlohweißen Haaren demonstrierten nach seiner Verhaftung in London auf der Straße für ihn und legten aus Protest die Internetseiten großer Unternehmen lahm. Assange ist für sie der Heilsbringer einer neuen Welt, in der das Geheime keinen Platz mehr hat.
Zum anderen hat Wikileaks mit seinen Enthüllungen - obwohl es nicht das erste Mal war - in den Augen vieler einen Tabubruch begangen: Geheimnisse wurden verraten, was verborgen bleiben sollte, wurde öffentlich gemacht. "Die Moral von Wikileaks: es gibt keine Geheimnisse", kommentierte der amerikanische Journalist Jeff Jarvis.
Assange sagt, es gehe ihm um größtmögliche Transparenz. Nach welchen Kriterien er den engen Kreis der Medien auswählt, denen er sein Material zur Verfügung stellt, bleibt allerdings im Dunkeln. Der 39-Jährige tritt als Unterhändler begehrter Informationen auf, das verleiht ihm Macht und Selbstbewusstsein. Assange, der sich selbst in der Rolle des investigativen Journalisten sieht, weiß, wie Medien funktionieren, und bedient diejenigen unter ihnen mit Informationen, die in seiner Gunst stehen. Als Person bleibt der Australier rätselhaft.
Die von Wikileaks ins Rollen gebrachte Diskussion über Transparenz dreht sich um mehr als um die Frage, wie Regierungen und Geheimdienste mit vertraulichen Informationen umgehen. Im Kern berührt sie die Frage, welchen Stellenwert Geheimes in unserer Gesellschaft hat. In sozialen Netzwerken wie Facebook kehren viele Menschen schon längst ihr Innerstes nach außen. Allein in Deutschland tummeln sich mehr als zehn Millionen Menschen bei Facebook, rund um den Globus sind es inzwischen 500 Millionen. Persönliche Vorlieben werden von den Nutzern im Internet-Netzwerk ausführlich beschrieben, Interessen oder der Beziehungsstatus werden offengelegt. Fotos und Videos von neugeborenen Babys werden online gestellt, ohne dass die Eltern sich um die Privatsphäre ihres Kindes zu sorgen scheinen.
Es ist auf Facebook nicht unmöglich, die eigene Privatsphäre zu schützen. Aber es macht Mühe. Was früher geheim war, geben Nutzer heute teilweise recht freimütig preis. Über die Reichweite ihrer Daten und Bilder sind sie sich dabei nicht immer im Klaren: Neue Nutzerprofile versieht Facebook seit einiger Zeit automatisch mit einer Voreinstellung, die Einträge für alle anderen Nutzer sichtbar macht. Informationen, die manch ein Nutzer lieber für sich behalten hätte, werden auf diese Weise offengelegt und landen im Zweifel bei Suchmaschinen. Die Grenze zum Privaten wird von den Machern des sozialen Netzwerks absichtlich überschritten.
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"Die Moral von Wikileaks: es gibt keine Geheimnisse"
Zum anderen hat Wikileaks mit seinen Enthüllungen - obwohl es nicht das erste Mal war - in den Augen vieler einen Tabubruch begangen: Geheimnisse wurden verraten, was verborgen bleiben sollte, wurde öffentlich gemacht. "Die Moral von Wikileaks: es gibt keine Geheimnisse", kommentierte der amerikanische Journalist Jeff Jarvis.
Assange sagt, es gehe ihm um größtmögliche Transparenz. Nach welchen Kriterien er den engen Kreis der Medien auswählt, denen er sein Material zur Verfügung stellt, bleibt allerdings im Dunkeln. Der 39-Jährige tritt als Unterhändler begehrter Informationen auf, das verleiht ihm Macht und Selbstbewusstsein. Assange, der sich selbst in der Rolle des investigativen Journalisten sieht, weiß, wie Medien funktionieren, und bedient diejenigen unter ihnen mit Informationen, die in seiner Gunst stehen. Als Person bleibt der Australier rätselhaft.
Die von Wikileaks ins Rollen gebrachte Diskussion über Transparenz dreht sich um mehr als um die Frage, wie Regierungen und Geheimdienste mit vertraulichen Informationen umgehen. Im Kern berührt sie die Frage, welchen Stellenwert Geheimes in unserer Gesellschaft hat. In sozialen Netzwerken wie Facebook kehren viele Menschen schon längst ihr Innerstes nach außen. Allein in Deutschland tummeln sich mehr als zehn Millionen Menschen bei Facebook, rund um den Globus sind es inzwischen 500 Millionen. Persönliche Vorlieben werden von den Nutzern im Internet-Netzwerk ausführlich beschrieben, Interessen oder der Beziehungsstatus werden offengelegt. Fotos und Videos von neugeborenen Babys werden online gestellt, ohne dass die Eltern sich um die Privatsphäre ihres Kindes zu sorgen scheinen.
Es ist auf Facebook nicht unmöglich, die eigene Privatsphäre zu schützen. Aber es macht Mühe. Was früher geheim war, geben Nutzer heute teilweise recht freimütig preis. Über die Reichweite ihrer Daten und Bilder sind sie sich dabei nicht immer im Klaren: Neue Nutzerprofile versieht Facebook seit einiger Zeit automatisch mit einer Voreinstellung, die Einträge für alle anderen Nutzer sichtbar macht. Informationen, die manch ein Nutzer lieber für sich behalten hätte, werden auf diese Weise offengelegt und landen im Zweifel bei Suchmaschinen. Die Grenze zum Privaten wird von den Machern des sozialen Netzwerks absichtlich überschritten.
Kommentare (2)
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Marc,
02.01.2011
Privatsphäre
Die Moral von Wikileaks ist nicht es gibt keine Geheimnisse, die Moral ist, der Bürger als oberster Souverän hat an Anrecht darauf zu erfahren was wirklich vorgeht.
Warum schicken wir Truppen, was passiert wirklich vor Ort, was treiben Politiker und Industrie zusammen, wo gibt es Korruption etc.
Wenn in einer Firma der Angestellte seinen Chef nicht informiert, gegen seinen Willen handelt und den Chef sagt was er tut geht ihn nichts an, dann wird er gefeuert.
Politiker verhalten sich aber gegenüber dem Souverän genau so und der Bürger als Souverän soll dies klaglos akzeptieren, das nennen wir dann repräsentative Demokratie.
Hier geht es nicht um Geschäftsgeheimnisse, um Industriespionage und auch nicht um die privaten Mails der Bürger, Klatsch und Trasch etc. Es geht darum dem Souverän Informationen zur Verfügung zu stellen die er braucht um sich zu entscheiden (wählen)
Früher lag diese Rolle einmal bei investigativen Journalisten in den Zeitungen. Heute benutzt man dort wohl nur noch die vorgekauten Informationen von DPA etc. weil das billiger kommt.
Wikileaks sorgt dafür, dass Menschen die von Korruption, Fehlentwickungen, Geheimabsprachen etc. erfahren die Chance haben, diese Informationen zu veröffentlichen.
Ob Wikileaks und Assange die Besten für diesen Job sind, darüber kann man reden, aber jemand muss den Job machen und sie sind da. Ich denke jeder Journalist, jede Redaktion alle sind eingeladen es besser zu machen wenn sie es können.
Facebook ist eine ganz andere Sache. Hier haben wir ein kommerzielles Unternehmen dass möglichst viele Daten seiner Nutzer sammelt und sie animiert immer mehr von sich Preis zu geben.
Warum? Weil facebook für Transparenz ist? Wohl kaum denn Zuckerberg gibt auch nicht gerne viel von sich Preis.
Der einzige Grund warum Zuckerberg die Transparenz seiner User fördert ist, dass er sie besser kennt. Dies ermöglicht genauere und lukrativere Werbung, dass Zuckerberg dafür Mann des Jahres wurde ist ironisch und bezeichnend.
Noch etwas bzgl. Privatsphäre, Facebook und Staat.
Es wird immer wieder gesagt, dass weil in Facebook die Nutzer so vieles von sich preisgeben keinen Notwendigkeit mehr für Privatsphäre besteht.
Damit wird dann auch begründet warum der Staat in unseren Daten rumschnüffeln kann weil wir ja sowieso alles freiwillig preisgeben. Dazu kommt dann noch das beliebte, wer nichts unrechtes tut, der hat auch nichts zu verbergen.
Dies ist schlicht und einfach falsch.
Wenn jemand von sich aus verbereitet, dass er katholisch, homosexuell, Biertrinker, Raucher, Frauenheld etc. ist und die letzten Partyfotos von sich veröffentlicht, dann ist das seine freie Entscheidung.
Wenn der Staat oder Unternehmen sich diese Informationen ohne Grund aus privaten Mails oder von privaten PCs des Bürger holen, wenn Benutzerprofile, Bewegungsprofile, Kommunikationsprofile erstellt werden dann ist das etwas total anderes.
Der Staat hat dem Bürger zu dienen, nicht umgekehrt. Dem Staat wird vom Bürger Macht verliehen und muß daher transparent ausweisen was er mit der Macht tut.
Der Bürger hat seine Grundrechte und diese haben Staat und Unternehmen zu respektieren.
Das Problem ist nicht Wikileaks das Problem sind ACTA, Elena, Netzsperren, Vorratsdatenspeicherung, Eingriffe in die freie Meinungsbildung, freie Meinungsäusserung und Grundrechte.
Warum schicken wir Truppen, was passiert wirklich vor Ort, was treiben Politiker und Industrie zusammen, wo gibt es Korruption etc.
Wenn in einer Firma der Angestellte seinen Chef nicht informiert, gegen seinen Willen handelt und den Chef sagt was er tut geht ihn nichts an, dann wird er gefeuert.
Politiker verhalten sich aber gegenüber dem Souverän genau so und der Bürger als Souverän soll dies klaglos akzeptieren, das nennen wir dann repräsentative Demokratie.
Hier geht es nicht um Geschäftsgeheimnisse, um Industriespionage und auch nicht um die privaten Mails der Bürger, Klatsch und Trasch etc. Es geht darum dem Souverän Informationen zur Verfügung zu stellen die er braucht um sich zu entscheiden (wählen)
Früher lag diese Rolle einmal bei investigativen Journalisten in den Zeitungen. Heute benutzt man dort wohl nur noch die vorgekauten Informationen von DPA etc. weil das billiger kommt.
Wikileaks sorgt dafür, dass Menschen die von Korruption, Fehlentwickungen, Geheimabsprachen etc. erfahren die Chance haben, diese Informationen zu veröffentlichen.
Ob Wikileaks und Assange die Besten für diesen Job sind, darüber kann man reden, aber jemand muss den Job machen und sie sind da. Ich denke jeder Journalist, jede Redaktion alle sind eingeladen es besser zu machen wenn sie es können.
Facebook ist eine ganz andere Sache. Hier haben wir ein kommerzielles Unternehmen dass möglichst viele Daten seiner Nutzer sammelt und sie animiert immer mehr von sich Preis zu geben.
Warum? Weil facebook für Transparenz ist? Wohl kaum denn Zuckerberg gibt auch nicht gerne viel von sich Preis.
Der einzige Grund warum Zuckerberg die Transparenz seiner User fördert ist, dass er sie besser kennt. Dies ermöglicht genauere und lukrativere Werbung, dass Zuckerberg dafür Mann des Jahres wurde ist ironisch und bezeichnend.
Noch etwas bzgl. Privatsphäre, Facebook und Staat.
Es wird immer wieder gesagt, dass weil in Facebook die Nutzer so vieles von sich preisgeben keinen Notwendigkeit mehr für Privatsphäre besteht.
Damit wird dann auch begründet warum der Staat in unseren Daten rumschnüffeln kann weil wir ja sowieso alles freiwillig preisgeben. Dazu kommt dann noch das beliebte, wer nichts unrechtes tut, der hat auch nichts zu verbergen.
Dies ist schlicht und einfach falsch.
Wenn jemand von sich aus verbereitet, dass er katholisch, homosexuell, Biertrinker, Raucher, Frauenheld etc. ist und die letzten Partyfotos von sich veröffentlicht, dann ist das seine freie Entscheidung.
Wenn der Staat oder Unternehmen sich diese Informationen ohne Grund aus privaten Mails oder von privaten PCs des Bürger holen, wenn Benutzerprofile, Bewegungsprofile, Kommunikationsprofile erstellt werden dann ist das etwas total anderes.
Der Staat hat dem Bürger zu dienen, nicht umgekehrt. Dem Staat wird vom Bürger Macht verliehen und muß daher transparent ausweisen was er mit der Macht tut.
Der Bürger hat seine Grundrechte und diese haben Staat und Unternehmen zu respektieren.
Das Problem ist nicht Wikileaks das Problem sind ACTA, Elena, Netzsperren, Vorratsdatenspeicherung, Eingriffe in die freie Meinungsbildung, freie Meinungsäusserung und Grundrechte.
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