Mercedes-Benz
Eine Prise Vitamin C
Von Ulrich Bethschneider-Kieser, veröffentlicht am 08.01.2011
Wenn etwas in die Jahre kommt, dann braucht es mitunter eine kleine Auffrischung. In der Autobranche greift man dann zu einem Facelift, das einem Auto verpasst wird. Da werden zwar keine Wangen gestrafft und Botox gespritzt, doch ein bisschen aufgehübscht wird das betreffende Modell schon: Hier eine neue Chromleiste, da ein neues Felgendesign oder anders eingefärbte Heckleuchten. Oft passiert nicht viel mehr, denn Korrekturen am Blech gehen produktionsseitig kräftig ins Geld – aber die Gesichtspflege soll zum Kunden trotzdem die gute Botschaft des Neuen transportieren.
Doch bisweilen tut sich bei einem Facelift deutlich mehr, als es auf den ersten flüchtigen Blick erscheinen mag. Mercedes zeigt dies bei der C-Klasse, die vier Jahre nach ihrem Debüt ab März kommenden Jahres auf den Markt kommt. Neu gestaltete Frontscheinwerfer deuten bereits an, dass hier nicht nur Kosmetik im kleinen Stil betrieben wurde. Tatsächlich haben die Daimler-Ingenieure die C-Klasse in ihren inneren Werten deutlich weiterentwickelt. Das gilt zum Beispiel für die Armaturentafel, die komplett neu gestaltet wurde und – in Verbindung mit der optionalen Navigations- und Telematikeinheit – nun ähnlich aussieht wie jene in der größeren E-Klasse. Von den höheren Fahrzeugklassen stammen auch die insgesamt zehn Assistenzsysteme, die zukünftig in der kleineren C-Klasse verfügbar sein werden. Die Sicherheit der S-Klasse würde es nun, wie es ein Sprecher formuliert, auch im Segment der C-Klasse geben.
Und schließlich haben die Mercedes-Techniker kräftig an der Schraube des Kraftstoffverbrauchs gedreht. Ein serienmäßiges Start-Stopp-System bei fast allen Modellversionen soll den Verbrauch nach unten drücken. Die sparsamste C-Klasse, der C 220 CDI, wird nach Unternehmensangaben zukünftig im Normverbrauch nur noch 4,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrennen, was 0,4 Liter weniger als bisher sind und einem CO2-Ausstoß von nur 117 Gramm pro Kilometer entspräche.
Die Fülle der Maßnahmen, die Mercedes der überarbeiteten C-Klasse angedeihen lässt, überrascht insofern, als dass sich die Stern-Marke keineswegs über einen allzu schwächelnden Verkauf von Limousine und Kombi beklagen könnte. Im November hat sich das kleinste Modell der Marke mit Heckantrieb auf Platz zwei der deutschen Neuzulassungen geschoben – mit großem Abstand hinter dem Dauer-Bestseller VW Golf. Über die gesamten elf Monate dieses jetzt zu Ende gehenden Jahres betrachtet, rangiert die C-Klasse auf Rang drei der meistverkauften Autos in Deutschland, nach VW Golf und VW Polo. Allerdings hatte die C-Klasse in Deutschland im Jahr zuvor ein kräftiges Minus von 21 Prozent zu verkraften. 2010 wurden bislang gut 66000 Exemplare der Baureihe neu zugelassen.
Die umfangreiche Modellpflege soll dazu beitragen, dass die C-Klasse ihren Platz auf dem Gewinnertreppchen der Zulassungsstatistik behält. Über 2000 Teile am Auto wurden überarbeitet oder geändert. Ein wichtiges Augenmerk galt dem Kraftstoffverbrauch der Baureihe. Neben einer guten Aerodynamik der Karosserie mit einem cw-Wert von nur 0,26 trägt die Start-Stopp-Funktion dazu bei. Sie schaltet den Motor beim Anhalten automatisch ab und wird bei allen C-Klassen mit Heckantrieb serienmäßig sein. Bei den Modellen mit Automatikgetriebe kommt zukünftig mit Ausnahme des Allradantriebsmodells C 300 CDI 4Matic die weiterentwickelte Siebengang-Schaltbox 7G-Tronic Plus zum Einsatz, die dank neuer Gesamtübersetzung ebenfalls zur Effizienz beitragen soll.
Dem Komfort und der Sicherheit dienen die zehn neuen Assistenzsysteme, die es zukünftig in der C-Klasse geben wird. Mit Hilfe von Radar-, Kamera- und Sensortechnik sollen sie etwas gegen die häufigen Unfallursachen wie zu geringer Abstand, Übermüdung und Dunkelheit ausrichten. Zu diesen aufpreispflichtigen Systemen gehören unter anderem der aktive Fernlichtassistent (automatische Leuchtweitenregulierung), Spurhalteassistent, Totwinkelassistent und der Attention Assist, der einen müden Fahrer zur erholsamen Pause auffordert.
Die Fülle an Elektronik geht auch einher mit Kommunikationslösungen, die in einem Auto eine immer wichtigere Rolle spielen. Daher bekommt die C-Klasse auch eine neue Telematikeinheit. Sie feiert in der C-Klasse Premiere und wird später auch in anderen Baureihen der Marke zum Einsatz kommen. Daimler verspricht mehr Bedienkomfort und größere Displays. Einträge aus dem Handy-Telefonbuch sollen problemlos übernommen und SMS angezeigt werden. Musik von externen Datenträgern kann drahtlos über Bluetooth oder über die USB-Schnittstelle in der Mittelkonsole abgespielt werden. Und über das Multimedia-System Comand Online kann man erstmals im Internet surfen. Ein spezieller Online-Dienst von Mercedes bietet die Möglichkeit, zuvor am Computer in Google Maps konfigurierte und zum Auto gesendete Routen herunterzuladen. Zurückgelegte Routen können neuerdings auch aufgezeichnet und später erneut abgefahren werden. Das Navigationssystem bietet nun eine dreidimensionale Darstellung inklusive plastischen Stadtmodellen.
So sind es eben nicht nur ein paar kleine Retuschen, welche die Modellpflege der C-Klasse ausmachen. Gleichwohl bleibt beim Facelift das Gesicht des Autos von Einschnitten nicht verschont. Mit den anders geformten Hauptscheinwerfern bekommt die C-Klasse auch eine neue Motorhaube aus Leichtmetall – bei diesem Facelift gibt es eben Alu statt Botox.
Der kleine Benz
"Baby-Benz" wurde der Mercedes 190 genannt, als er 1982 als kleineres Modell unterhalb der bis dahin üblichen gehobenen Mittelklasse von Mercedes an den Start ging. Das Wagnis wurde zum Erfolg und bereitete den Boden für mehrere Generationen: 1993 erfolgte mit der ersten C-Klasse (Baureihe W202) der Wechsel zu der bis heute gängigen Namensgebung. Nach sieben Jahren folgte im Jahr 2000 die zweite Generation der C-Klasse (W203) mit runden Doppelscheinwerfern, die im März 2007 von der heute aktuellen Baureihe (W204) abgelöst wurde. Die nächste Generation wird für das Jahr 2014 erwartet, sie soll nicht mehr in Sindelfingen produziert werden.
Insgesamt hat Daimler in diesem Fahrzeugsegment bisher über 8,5 Millionen Fahrzeuge verkauft.
Doch bisweilen tut sich bei einem Facelift deutlich mehr, als es auf den ersten flüchtigen Blick erscheinen mag. Mercedes zeigt dies bei der C-Klasse, die vier Jahre nach ihrem Debüt ab März kommenden Jahres auf den Markt kommt. Neu gestaltete Frontscheinwerfer deuten bereits an, dass hier nicht nur Kosmetik im kleinen Stil betrieben wurde. Tatsächlich haben die Daimler-Ingenieure die C-Klasse in ihren inneren Werten deutlich weiterentwickelt. Das gilt zum Beispiel für die Armaturentafel, die komplett neu gestaltet wurde und – in Verbindung mit der optionalen Navigations- und Telematikeinheit – nun ähnlich aussieht wie jene in der größeren E-Klasse. Von den höheren Fahrzeugklassen stammen auch die insgesamt zehn Assistenzsysteme, die zukünftig in der kleineren C-Klasse verfügbar sein werden. Die Sicherheit der S-Klasse würde es nun, wie es ein Sprecher formuliert, auch im Segment der C-Klasse geben.
Und schließlich haben die Mercedes-Techniker kräftig an der Schraube des Kraftstoffverbrauchs gedreht. Ein serienmäßiges Start-Stopp-System bei fast allen Modellversionen soll den Verbrauch nach unten drücken. Die sparsamste C-Klasse, der C 220 CDI, wird nach Unternehmensangaben zukünftig im Normverbrauch nur noch 4,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrennen, was 0,4 Liter weniger als bisher sind und einem CO2-Ausstoß von nur 117 Gramm pro Kilometer entspräche.
Die Fülle der Maßnahmen, die Mercedes der überarbeiteten C-Klasse angedeihen lässt, überrascht insofern, als dass sich die Stern-Marke keineswegs über einen allzu schwächelnden Verkauf von Limousine und Kombi beklagen könnte. Im November hat sich das kleinste Modell der Marke mit Heckantrieb auf Platz zwei der deutschen Neuzulassungen geschoben – mit großem Abstand hinter dem Dauer-Bestseller VW Golf. Über die gesamten elf Monate dieses jetzt zu Ende gehenden Jahres betrachtet, rangiert die C-Klasse auf Rang drei der meistverkauften Autos in Deutschland, nach VW Golf und VW Polo. Allerdings hatte die C-Klasse in Deutschland im Jahr zuvor ein kräftiges Minus von 21 Prozent zu verkraften. 2010 wurden bislang gut 66000 Exemplare der Baureihe neu zugelassen.
Die umfangreiche Modellpflege soll dazu beitragen, dass die C-Klasse ihren Platz auf dem Gewinnertreppchen der Zulassungsstatistik behält. Über 2000 Teile am Auto wurden überarbeitet oder geändert. Ein wichtiges Augenmerk galt dem Kraftstoffverbrauch der Baureihe. Neben einer guten Aerodynamik der Karosserie mit einem cw-Wert von nur 0,26 trägt die Start-Stopp-Funktion dazu bei. Sie schaltet den Motor beim Anhalten automatisch ab und wird bei allen C-Klassen mit Heckantrieb serienmäßig sein. Bei den Modellen mit Automatikgetriebe kommt zukünftig mit Ausnahme des Allradantriebsmodells C 300 CDI 4Matic die weiterentwickelte Siebengang-Schaltbox 7G-Tronic Plus zum Einsatz, die dank neuer Gesamtübersetzung ebenfalls zur Effizienz beitragen soll.
Dem Komfort und der Sicherheit dienen die zehn neuen Assistenzsysteme, die es zukünftig in der C-Klasse geben wird. Mit Hilfe von Radar-, Kamera- und Sensortechnik sollen sie etwas gegen die häufigen Unfallursachen wie zu geringer Abstand, Übermüdung und Dunkelheit ausrichten. Zu diesen aufpreispflichtigen Systemen gehören unter anderem der aktive Fernlichtassistent (automatische Leuchtweitenregulierung), Spurhalteassistent, Totwinkelassistent und der Attention Assist, der einen müden Fahrer zur erholsamen Pause auffordert.
Die Fülle an Elektronik geht auch einher mit Kommunikationslösungen, die in einem Auto eine immer wichtigere Rolle spielen. Daher bekommt die C-Klasse auch eine neue Telematikeinheit. Sie feiert in der C-Klasse Premiere und wird später auch in anderen Baureihen der Marke zum Einsatz kommen. Daimler verspricht mehr Bedienkomfort und größere Displays. Einträge aus dem Handy-Telefonbuch sollen problemlos übernommen und SMS angezeigt werden. Musik von externen Datenträgern kann drahtlos über Bluetooth oder über die USB-Schnittstelle in der Mittelkonsole abgespielt werden. Und über das Multimedia-System Comand Online kann man erstmals im Internet surfen. Ein spezieller Online-Dienst von Mercedes bietet die Möglichkeit, zuvor am Computer in Google Maps konfigurierte und zum Auto gesendete Routen herunterzuladen. Zurückgelegte Routen können neuerdings auch aufgezeichnet und später erneut abgefahren werden. Das Navigationssystem bietet nun eine dreidimensionale Darstellung inklusive plastischen Stadtmodellen.
So sind es eben nicht nur ein paar kleine Retuschen, welche die Modellpflege der C-Klasse ausmachen. Gleichwohl bleibt beim Facelift das Gesicht des Autos von Einschnitten nicht verschont. Mit den anders geformten Hauptscheinwerfern bekommt die C-Klasse auch eine neue Motorhaube aus Leichtmetall – bei diesem Facelift gibt es eben Alu statt Botox.
Der kleine Benz
"Baby-Benz" wurde der Mercedes 190 genannt, als er 1982 als kleineres Modell unterhalb der bis dahin üblichen gehobenen Mittelklasse von Mercedes an den Start ging. Das Wagnis wurde zum Erfolg und bereitete den Boden für mehrere Generationen: 1993 erfolgte mit der ersten C-Klasse (Baureihe W202) der Wechsel zu der bis heute gängigen Namensgebung. Nach sieben Jahren folgte im Jahr 2000 die zweite Generation der C-Klasse (W203) mit runden Doppelscheinwerfern, die im März 2007 von der heute aktuellen Baureihe (W204) abgelöst wurde. Die nächste Generation wird für das Jahr 2014 erwartet, sie soll nicht mehr in Sindelfingen produziert werden.
Insgesamt hat Daimler in diesem Fahrzeugsegment bisher über 8,5 Millionen Fahrzeuge verkauft.
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