Soziale Netzwerke Manche finden Netzwerke asozial
Ricarda Stiller, veröffentlicht am 20.01.2011
Stuttgart - Schlechte Umgangsformen, das störte den 14-jährigen Gymnasiasten Veit am meisten. Deswegen hat er sich nach einer längeren Zeit der intensiven Nutzung wieder von Schüler-VZ abgemeldet. Auch war ihm die Kommunikation zu oberflächlich. Dennoch ist jemand wie Veit die Ausnahme.
Mittlerweile nutzen etwa 70 Prozent der 12- bis 19-Jährigen Soziale Online-Netzwerke regelmäßig, das heißt täglich oder mehrmals in der Woche. Die Zahl der aktiven Nutzer Sozialer Netzwerke bleibt laut JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-)Media-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest) in dieser Altersgruppe seit einigen Jahren relativ konstant.
In dieser Woche nun ist eine Studie der Universität Leipzig veröffentlicht worden. Im Unterschied zur jährlich erscheinenden JIM-Studie, die sich ganz allgemein mit dem Medienumgang der 12- bis 19-Jährigen beschäftigt, untersuchten die Leipziger Medienpädagogen ausschließlich den Umgang von Jugendlichen der gleichen Altersgruppe mit Netzwerkplattformen. Die Befragung erfolgte online über das in dieser Altersgruppe beliebteste Portal, nämlich Schüler-VZ. Dadurch erklärt sich auch, weshalb alle Befragten bei diesem Netzwerk angemeldet sind.
Von den insgesamt 6000 Teilnehmern an der Umfrage des Forschungsprojektes "Medienkonvergenz Monitoring" wurden 31 Jugendliche intensiv in Interviews befragt. Eine Tatsache fällt sofort auf: mindestens 70 Prozent der Befragten sind bei mehreren Netzwerken angemeldet. Das hat unterschiedliche Gründe. Die 15-jährige Daniela hat sich neben Schüler-VZ, wo sie ihre Klassenkameraden und "halt meistens so, naja, Normale" trifft auch bei "Emotreff" und "Metal-VZ" angemeldet. Bei "Metal-VZ" möchte sie Gleichaltrige kennenlernen, die die gleiche Musik wie sie hören und bei "Emotreff" würde sie gerne "endlich einen Freund finden."
Einerseits sind es die unterschiedlichen Gruppen von Menschen, weshalb sich die Jungendlichen durchschnittlich bei 2,3 Netzwerkplattformen anmelden. Andererseits ist es manchmal auch reiner Zufall. Da meldet sich ein Schüler als erster einer Schule in einem bestimmten Netzwerk an und lädt eine ganze Menge Klassenkameraden und Freunde ein. Über diese erste Gruppe von Freunden ist dann innerhalb kürzester Zeit die ganze Schule bei genau jenem Dienst registriert, bei dem sich der erste Schüler angemeldet hat.
Denn der normale Weg, in ein solches Online-Netzwerk zu gelangen, ist, dass man von Freunden eingeladen wird. Viele klicken eine solche Einladung, die per E-Mail kommt, sofort an. Ohne lange zu überlegen, ob sie nicht vielleicht lieber in einem anderen Netzwerk aktiv wären. Man geht dort hin, wo die anderen auch sind. So einfach. Datenschützer beobachten das durchaus mit Sorge. Allzu leichtfertig würden Jugendliche ihre Daten preisgeben.
Doch die Mädchen und Jungen sprechen von einem gewissen sozialen Druck. Es gebe kaum eine Grenze zwischen dem realen sozialen Bezugssystem und dem digitalen. Das echte Leben spiegelt sich fast eins zu eins im Online-Netzwerk wider. Das kam bei der Studie der Leipziger Medienpädagogen um Bernd Schorb ganz eindeutig heraus.
Erst ältere Jugendliche oder junge Erwachsene treffen sich in Online-Netzwerken zu ganz bestimmten Themengebieten. Sie suchen gezielt nach Menschen mit gleichen Interessen und vernetzen sich dann auch mit Leuten, zu denen sie nicht unbedingt im realen sozialen Umfeld Kontakt hatten oder haben werden. Bei den jüngeren Jugendlichen steht Schüler-VZ mit Abstand an der Spitze der Netzwerkdienste, gefolgt von Myspace, Studi-VZ, Wer-kennt-wen und Facebook. Das ist das Ergebnis, das im Rahmen dieser Studie zum Thema Nutzungshäufigkeiten von Netzwerken im Jahr 2010 ermittelt wurde.
Jenny zum Beispiel sagt, dass sie gerne auch Myspace nutzt, "weil man da viel mehr machen kann". Marius hingegen nutzt gerne Facebook, weil "das irgendwie mehr Funktionen hat" als Schüler-VZ. "Man kann Videos hochladen, kann Musik auf seine Seite stellen. Es ist viel cooler." Und der 13-jährige Pascal nutzt neben Schüler-VZ noch Spickmich, weil man dort besser chatten kann.
Erstaunlich ist, dass trotz des immer wieder erwähnten sozialen Drucks von Freunden und Schulkameraden es durchaus Jugendliche gibt, die sich den sozialen Online-Netzwerken ganz verweigern – nicht alle allerdings so freiwillig wie der eingangs erwähnte 14-jährige Veit. Manchen ist es schlicht von den Eltern verboten, sich bei Netzwerken anzumelden, einige sehen diese Dienste kritisch unter dem Aspekt des Datenschutzes und möchten ihre persönlichen Daten nicht leichtfertig preisgeben und schließlich gibt es noch eine Gruppe von Jugendlichen, die sich zwar gerne am täglichen Netzwerken mit Freunden beteiligen würde, die aber entweder gar keinen oder nur einen unzureichenden Zugang zum Internet hat.
Viele Eltern haben sich in letzter Zeit mit dem Thema Soziale Netzwerke intensiver auseinander gesetzt, was durchaus zu einer differenzierteren Betrachtung dieser noch recht neuartigen Form des sozialen Miteinanders geführt hat. Einige der befragten Jugendlichen haben im Interview angegeben, sich mit ihren Eltern geeinigt zu haben, beispielsweise die Privatsphäreeinstellungen im Netzwerk anzuwenden. So können sie mit ihren Freunden Fotos online austauschen, zeigen diese aber nicht allen Mitgliedern.
Manchmal sind die jungen Anwender zu unbedarft, was das Veröffentlichen privater Daten im Netz betrifft. Eltern oder ältere Geschwister können sie darin unterstützen. Die Einstellungsmöglichkeiten variieren jedoch von Anbieter zu Anbieter. Nicht überall lassen sich die Profile so bearbeiten, dass benutzerdefiniert Dinge sichtbar gemacht werden können.
www.medienkonvergenz-monitoring.de »
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In dieser Woche nun ist eine Studie der Universität Leipzig veröffentlicht worden. Im Unterschied zur jährlich erscheinenden JIM-Studie, die sich ganz allgemein mit dem Medienumgang der 12- bis 19-Jährigen beschäftigt, untersuchten die Leipziger Medienpädagogen ausschließlich den Umgang von Jugendlichen der gleichen Altersgruppe mit Netzwerkplattformen. Die Befragung erfolgte online über das in dieser Altersgruppe beliebteste Portal, nämlich Schüler-VZ. Dadurch erklärt sich auch, weshalb alle Befragten bei diesem Netzwerk angemeldet sind.
Einer meldet sich an, viele folgen
Von den insgesamt 6000 Teilnehmern an der Umfrage des Forschungsprojektes "Medienkonvergenz Monitoring" wurden 31 Jugendliche intensiv in Interviews befragt. Eine Tatsache fällt sofort auf: mindestens 70 Prozent der Befragten sind bei mehreren Netzwerken angemeldet. Das hat unterschiedliche Gründe. Die 15-jährige Daniela hat sich neben Schüler-VZ, wo sie ihre Klassenkameraden und "halt meistens so, naja, Normale" trifft auch bei "Emotreff" und "Metal-VZ" angemeldet. Bei "Metal-VZ" möchte sie Gleichaltrige kennenlernen, die die gleiche Musik wie sie hören und bei "Emotreff" würde sie gerne "endlich einen Freund finden."
Einerseits sind es die unterschiedlichen Gruppen von Menschen, weshalb sich die Jungendlichen durchschnittlich bei 2,3 Netzwerkplattformen anmelden. Andererseits ist es manchmal auch reiner Zufall. Da meldet sich ein Schüler als erster einer Schule in einem bestimmten Netzwerk an und lädt eine ganze Menge Klassenkameraden und Freunde ein. Über diese erste Gruppe von Freunden ist dann innerhalb kürzester Zeit die ganze Schule bei genau jenem Dienst registriert, bei dem sich der erste Schüler angemeldet hat.
Denn der normale Weg, in ein solches Online-Netzwerk zu gelangen, ist, dass man von Freunden eingeladen wird. Viele klicken eine solche Einladung, die per E-Mail kommt, sofort an. Ohne lange zu überlegen, ob sie nicht vielleicht lieber in einem anderen Netzwerk aktiv wären. Man geht dort hin, wo die anderen auch sind. So einfach. Datenschützer beobachten das durchaus mit Sorge. Allzu leichtfertig würden Jugendliche ihre Daten preisgeben.
Jugendliche suchen gezielt nach Gleichgesinnten
Doch die Mädchen und Jungen sprechen von einem gewissen sozialen Druck. Es gebe kaum eine Grenze zwischen dem realen sozialen Bezugssystem und dem digitalen. Das echte Leben spiegelt sich fast eins zu eins im Online-Netzwerk wider. Das kam bei der Studie der Leipziger Medienpädagogen um Bernd Schorb ganz eindeutig heraus.
Erst ältere Jugendliche oder junge Erwachsene treffen sich in Online-Netzwerken zu ganz bestimmten Themengebieten. Sie suchen gezielt nach Menschen mit gleichen Interessen und vernetzen sich dann auch mit Leuten, zu denen sie nicht unbedingt im realen sozialen Umfeld Kontakt hatten oder haben werden. Bei den jüngeren Jugendlichen steht Schüler-VZ mit Abstand an der Spitze der Netzwerkdienste, gefolgt von Myspace, Studi-VZ, Wer-kennt-wen und Facebook. Das ist das Ergebnis, das im Rahmen dieser Studie zum Thema Nutzungshäufigkeiten von Netzwerken im Jahr 2010 ermittelt wurde.
Jenny zum Beispiel sagt, dass sie gerne auch Myspace nutzt, "weil man da viel mehr machen kann". Marius hingegen nutzt gerne Facebook, weil "das irgendwie mehr Funktionen hat" als Schüler-VZ. "Man kann Videos hochladen, kann Musik auf seine Seite stellen. Es ist viel cooler." Und der 13-jährige Pascal nutzt neben Schüler-VZ noch Spickmich, weil man dort besser chatten kann.
Unbedarfter Umgang mit privaten Daten
Erstaunlich ist, dass trotz des immer wieder erwähnten sozialen Drucks von Freunden und Schulkameraden es durchaus Jugendliche gibt, die sich den sozialen Online-Netzwerken ganz verweigern – nicht alle allerdings so freiwillig wie der eingangs erwähnte 14-jährige Veit. Manchen ist es schlicht von den Eltern verboten, sich bei Netzwerken anzumelden, einige sehen diese Dienste kritisch unter dem Aspekt des Datenschutzes und möchten ihre persönlichen Daten nicht leichtfertig preisgeben und schließlich gibt es noch eine Gruppe von Jugendlichen, die sich zwar gerne am täglichen Netzwerken mit Freunden beteiligen würde, die aber entweder gar keinen oder nur einen unzureichenden Zugang zum Internet hat.
Viele Eltern haben sich in letzter Zeit mit dem Thema Soziale Netzwerke intensiver auseinander gesetzt, was durchaus zu einer differenzierteren Betrachtung dieser noch recht neuartigen Form des sozialen Miteinanders geführt hat. Einige der befragten Jugendlichen haben im Interview angegeben, sich mit ihren Eltern geeinigt zu haben, beispielsweise die Privatsphäreeinstellungen im Netzwerk anzuwenden. So können sie mit ihren Freunden Fotos online austauschen, zeigen diese aber nicht allen Mitgliedern.
Manchmal sind die jungen Anwender zu unbedarft, was das Veröffentlichen privater Daten im Netz betrifft. Eltern oder ältere Geschwister können sie darin unterstützen. Die Einstellungsmöglichkeiten variieren jedoch von Anbieter zu Anbieter. Nicht überall lassen sich die Profile so bearbeiten, dass benutzerdefiniert Dinge sichtbar gemacht werden können.
Weitere Infos unter
www.medienkonvergenz-monitoring.de »
Kommentare (2)
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Forumsuser,
20.01.2011
Die große Freiheit?
Was mir mehrmal passierte: Du findest ein neues interessantes Forum/Netzwerk, was Deiner Interessenlage entspricht. Toll, wie der Club der Gleichgesinnten schnell wächst. Und alle loben die große Freiheit der Netze. Endlich ein Medium, welches ohne Einschränkungen und Zensur funktioniert. Drei Wochen später ist der Ton dort saumäßig. Die Leute lassen sich verbal und mit der Gesinnung völlig gehen. Beleidigungen, Drohungen, Fäkaliensprache. Und plötzlich fordern die gleichen Leute von drei Wochen zuvor: Regeln, Administration, Löschen von Beiträgen, Sperren von Usern.
Ich habe manchmal den Verdacht, dass elementare Kenntnisse über Umgangsformen, Komminikation und wie so eine Gesellschaft überhaupt funktioniert völlig unbekannt sind. Genau das macht mir Angst, denn genau darum sind Leute zu manipulieren.
Ich habe manchmal den Verdacht, dass elementare Kenntnisse über Umgangsformen, Komminikation und wie so eine Gesellschaft überhaupt funktioniert völlig unbekannt sind. Genau das macht mir Angst, denn genau darum sind Leute zu manipulieren.
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