Peter-Glaser-Kolumne Beschichtet? Bescheuert!
Peter Glaser, veröffentlicht am 02.02.2011
Stuttgart - Aha, es gibt jetzt eine vorgeblich gegen elektromagnetische Strahlung wirksame Brillenbeschichtung. Normale Brillengläser seien "leider nicht gegen elektromagnetische Felder geschützt, sondern lassen sie ungehindert zu den Augen durch", heißt es da betrübt. Würden Brillengläser jedoch gegen "elektromagnetische Felder" geschützt, würde man schlicht nichts mehr sehen. Zu den prominentesten Vertretern dieser Felder gehören nämlich die elektromagnetischen Wellen, darunter das sichtbare Licht. Aber wir wollen mal nicht so sein.
Was auch immer, es will uns Böses tun. Als kleiner Junge war ich fasziniert von den Kleinanzeigen für Röntgenbrillen auf den Umschlaginnenseiten wissenschaftlicher Fachmagazine wie "Perry Rhodan" oder "Jerry Cotton". Die wunderbare Wirkung der Brillen war illustriert mit einem bekleideten, röntgenmäßig durchschauten Mädchen. Jahrzehnte später müssen wir für unsere Sünden also büßen durch die gemeine Umkehrung des Prinzips: nicht mehr wir röntgenisieren, was vor unseren Augen liegt, sondern die Bildschirme durchbohren uns nun mit ihren schaurigen Strahlen.
Auf die Frage, welche Art von Schädigung die elektromagnetischen Felder dem Auge zufügen können, erfährt man vom Bundesamt für Strahlenschutz, dass die Intensitäten austretender nichtionisierender Strahlung und Röntgenstrahlung "in einem so niedrigen Bereich liegen, dass sowohl bei der Arbeit an Bildschirmgeräten als auch bei einem Aufenthalt in Räumen mit mehreren derartigen Geräten eine gesundheitliche Gefährdung auszuschließen ist." Bei den modernen Flachbildschirmen kommt hinzu, dass durch den Aufbau ohne Kathodenröhre gar keine Röntgenstrahlung mehr auftritt. Die Anbieter des E.M.I. Coating reden nicht gern über solche Dinge. Am Ende der erbaulichen Erläuterungen heißt es: "Genauere Angaben zur Art, Konsistenz, Korngröße des Metallpulvers oder Einzelheiten des Verfahrens können nicht gemacht werden, diese unterliegen einem strengen Betriebsgeheimnis."
Obwohl neue Monitore also extrem strahlungsarm sind, erzeugen sie dennoch ein elektrisches Feld. Das zieht Staubteilchen an und stößt sie wieder ab - der Mensch vor dem Bildschirm wird damit bombardiert, was Haut - und Augenreizungen zur Folge haben kann. Dagegen hilft eine wöchentliche Reinigung des Monitors oder, ja, tatsächlich: eine Brille. Allerdings ist es, was den Beschuss durch Staubteilchen betrifft, völlig schnurz, ob das Brillenglas beschichtet ist oder nicht.
Das sogenannte E.M.I. Coating schützt die Augen des Bildschirmarbeitenden "vor magnetischen Strahlen". Klingt gut, ein bisschen nach Augentodesstrahlen, aber im Unterschied zur Science Fiction gibt es hier heraußen bei uns in der physikalischen Realität gar keine magnetischen Strahlen. Es gibt magnetische Felder und es gibt elektromagnetische Strahlen.
Was auch immer, es will uns Böses tun. Als kleiner Junge war ich fasziniert von den Kleinanzeigen für Röntgenbrillen auf den Umschlaginnenseiten wissenschaftlicher Fachmagazine wie "Perry Rhodan" oder "Jerry Cotton". Die wunderbare Wirkung der Brillen war illustriert mit einem bekleideten, röntgenmäßig durchschauten Mädchen. Jahrzehnte später müssen wir für unsere Sünden also büßen durch die gemeine Umkehrung des Prinzips: nicht mehr wir röntgenisieren, was vor unseren Augen liegt, sondern die Bildschirme durchbohren uns nun mit ihren schaurigen Strahlen.
Die Bildschirme durchbohren uns nun mit schaurigen Strahlen
Auf die Frage, welche Art von Schädigung die elektromagnetischen Felder dem Auge zufügen können, erfährt man vom Bundesamt für Strahlenschutz, dass die Intensitäten austretender nichtionisierender Strahlung und Röntgenstrahlung "in einem so niedrigen Bereich liegen, dass sowohl bei der Arbeit an Bildschirmgeräten als auch bei einem Aufenthalt in Räumen mit mehreren derartigen Geräten eine gesundheitliche Gefährdung auszuschließen ist." Bei den modernen Flachbildschirmen kommt hinzu, dass durch den Aufbau ohne Kathodenröhre gar keine Röntgenstrahlung mehr auftritt. Die Anbieter des E.M.I. Coating reden nicht gern über solche Dinge. Am Ende der erbaulichen Erläuterungen heißt es: "Genauere Angaben zur Art, Konsistenz, Korngröße des Metallpulvers oder Einzelheiten des Verfahrens können nicht gemacht werden, diese unterliegen einem strengen Betriebsgeheimnis."
Obwohl neue Monitore also extrem strahlungsarm sind, erzeugen sie dennoch ein elektrisches Feld. Das zieht Staubteilchen an und stößt sie wieder ab - der Mensch vor dem Bildschirm wird damit bombardiert, was Haut - und Augenreizungen zur Folge haben kann. Dagegen hilft eine wöchentliche Reinigung des Monitors oder, ja, tatsächlich: eine Brille. Allerdings ist es, was den Beschuss durch Staubteilchen betrifft, völlig schnurz, ob das Brillenglas beschichtet ist oder nicht.
E-Mail an den Autor: p.glaser@stz.zgs.de
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