Wahlreform: die Karten werden neu gemischt

Artikel aus der Strohgäu Extra vom 02.02.2011

Die Namen der Kandidaten stehen seit gestern fest. 30 Bewerber von sechs politischen Parteien wollen am Sonntag, 27. März, in den drei Wahlkreisen im Landkreis Ludwigsburg ihr Ticket für den Landtag lösen. Aber damit ist auch schon Schluss mit der Sicherheit. Denn durch die baden-württembergische Wahlrechtsreform steht mancher alte politische Hase mit scheinbar sicheren Pfründen plötzlich auf der Kippe.

Der Wahlkreis Bietigheim-Bissingen, der Bezirk im Norden des Landkreises, ist das beste Beispiel dafür. Aus ihm stammen zurzeit vier Abgeordnete im Landtag: Manfred Hollenbach (CDU), Christine Rudolf (SPD), Monika Chef (FDP) und Franz Untersteller (Grüne). Nach der Wahl werden es wohl nur noch zwei sein. Aufgrund der schieren Größe des Wahlkreises 14 war Bietigheim-Bissingen bisher ausgesprochen attraktiv gewesen. Denn nach dem alten Zählmodus zogen die Bewerber mit den meisten Stimmen ins Parlament ein.

Künftig wird aber anders gerechnet, es geht nur noch um das relative, prozentuale Stimmenergebnis. Für Grüne und FDP hat es nach dem alten Modus noch für Platz sechs im Regierungsbezirk Stuttgart - und damit einen Sitz - gereicht. Doch, gemessen am Ergebnis von 2006, würde das dieses Mal nur für die Plätze zwölf beziehungsweise elf reichen.

Die neue Konstellation war Grund genug für Franz Untersteller, seinem Wahlkreis mangels Erfolgschancen den Rücken zu kehren. Jetzt versucht der stellvertretende Fraktionschef der Grünen sein Glück im ungleich aussichtsreicheren Wahlkreis Stuttgart 3. Für die Grünen in Bietigheim-Bissingen tritt nun der Kreistagsfraktionschef Daniel Renkonen an. Die Prognosen, die seine Partei rund um die 30-Prozent-Marke sehen, lassen ihn aber hoffen. Monika Chef will allen Negativtrends zum Trotz ihr Mandat verteidigen.

Der Murrer Bürgermeister Manfred Hollenbach (CDU) kann sich seines Mandats wohl weiterhin recht sicher sein. Für die SPD tritt erstmals Thomas Reusch-Frey, Pfarrer und Kreisrat aus Bietigheim-Bissingen, an. Des Weiteren hat der Kreiswahlausschuss gestern folgende Kandidaten zugelassen: Walter Kubach (Linke), Rolf Schlierer (REP), Sascha Dirk (NPD), Walter Frölich (ÖDP) und Alexander Eichel (Piratenpartei).

Der Wahlkreis Ludwigsburg Auch hier wird womöglich allerhand durcheinandergewirbelt. So steht das Mandat des SPD-Fraktionschefs im Landtag, Claus Schmiedel, auf der Kippe. Der Ludwigsburger hatte 2006 mit 16 689 ein Topergebnis im Regierungsbezirk errungen. Wäre es schon damals um das relative Stimmengewicht gegangen, hätte er nur Rang 14 von 15 Mandaten ergattert - knapp vor dem Parteifreund Rust aus Eppingen. Und Genosse Trend dürfte Schmiedel das Leben nicht leichter machen: Die Demoskopen sehen seine Partei zurzeit eher auf dem absteigenden Ast.

Sein Ludwigsburger Landtagskollege Klaus Herrmann (CDU) muss weniger schwitzen - immer vorausgesetzt, die Regierungspartei stürzt in der Wählergunst nicht noch stärker ab, als es die Umfragen vermuten lassen. Als städtisch geprägter Auszählungsbezirk gilt Ludwigsburg für die CDU aber nicht gerade als Hochburg. Genau das ist der Vorteil, von dem Jürgen Walter (Grüne) profitieren könnte. Er erzielte 2006 mit 15,1 Prozent der Stimmen landesweit das drittbeste (relative) Ergebnis. Sein erneuter Einzug in den Landtag dürfte deshalb sicher sein. Deutlich schwerer dürfte das für Martin Müller (FDP) werden. Außerdem zugelassen wurden Jamil Hamad von der Migrantenpartei BIG, Hans-Jürgen Kemmerle (Linke), Harald Lettrari (REP), Boris Jabs (NPD), Werner Schörnig (PDP), Hans-Dieter Völlm (PBC) und Hagen Seifert (Piratenpartei).

Der Wahlkreis Vaihingen gilt als Hochburg der CDU. Insofern wäre es schon eine arge Schlappe, wenn Konrad Epple nicht in die Fußstapfen des Exministerpräsidenten Günther Oettinger treten würde. Richtig eng wird es hingegen für Wolfgang Stehmer (SPD). Hätte der neue Auszählungsmodus schon 2006 gegolten, dann säße Stehmer gar nicht im Landtag. Gute Chancen darf sich hingegen Markus Rösler (Grüne) ausrechnen. Mit Vaihingen und Gerlingen gibt es im Wahlkreis zwei Grünen-Hochburgen. Der FDP-Kandidatin Viola Noack werden eher Außenseiterchancen eingeräumt. Die übrigen Kandidaten heißen Franziska Weiblen von der Partei Arbeit, Umwelt, Familie (AUF), Peter Schimke (Linke), Alwin Dirs (REP), Boris Jabs (NPD), Christoph Jansen (ÖDP) und Thomas Lambeck (Piratenpartei).
 
Mehr Strohgäu Extra
Scheuer, die Autobahn und der Vorführeffekt
Gericht schickt zwei Schläger ins Gefängnis
So wichtig wie eine Metropole
21 Kandidaten bei Landtagswahl
Malerei, die "Überwinter(t)" Kurz berichtet
Schützenvereine verlieren Mitglieder
Pole-Position Ottmarsheim
Alles da von Asterix bis Duden
Was bisher geschah Von Geld und Gold, das nicht da ist
Preis stellt Zuckerrübenbauer zufrieden
Alle Artikel des Ressorts
Stuttgart 21
Alle Infos zum Bahnprojekt
Stuttgart 21 finden Sie hier »
Aktuelle Videos
Anzeigen
Veranstaltungen

28.05. | Verschiedene Orte

19. Deutscher Mühlentag

Es klappert die Mühle... mehr
Finden Sie
Heute können Sie aus 158 Veranstaltungsterminen auswählen

Sie suchen eine neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten

Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.