Mobilfunk Ein Ladekabel für alle
Christopher Ziedler, Brüssel, veröffentlicht am 09.02.2011
Brüssel - Das schwarze Stück Plastik, das Antonio Tajani und Bridget Cosgrave am Mittwoch im Brüsseler Kommissionsgebäude triumphierend in die Höhe gestreckt haben, ist nicht der Rede wert. Viele Konsumenten besitzen ein solches Netzteil bereits. Warum der EU-Industriekommissar und die Vizepräsidentin des Branchenverbandes Digitaleurope dennoch von einer "kleinen Revolution" sprachen und eine Pressekonferenz anberaumten, hatte einen anderen Grund: Genau diese Art von Stecker soll künftig bei fast allen neu verkauften Handys passen.
Es handelt sich dabei um eine sogenannte Micro-USB-Verbindung, über die viele Geräte bereits verfügen. Neu ist, dass sich nun 14 Hersteller – darunter die Branchenriesen Apple, Motorola, Nokia, Samsung und Sony Ericsson – dazu verpflichtet haben, ihre Handys in allen 27 EU-Staaten nur noch mit diesem Anschluss auszustatten. Im Laufe des ersten Halbjahres wollen sich die Produzenten umstellen und die ersten entsprechend ausgerüsteten Geräte auf den Markt bringen.
Es ist das vorläufige Ende einer langen Geschichte. Bereits im März 2009 hatte die Brüsseler EU-Kommission der Branche mit einer gesetzlichen Regelung gedroht, falls sie sich nicht freiwillig einige. Die Industrie hatte daraufhin versprochen, im nächsten Jahr – also 2010 – einheitliche Anschlüsse und Stecker zu präsentieren. Das Versprechen konnten sie jedoch erst am Dienstag einlösen.
Hintergrund für das Brüsseler Drängen war nicht nur der Wunsch, es dem Handynutzer einfacher zu machen. Es ging auch darum, die Menge an Elektroschrott zu reduzieren: Derzeit sind nach Angaben der Kommission europaweit rund 500 Millionen Mobilfunkgeräte im Einsatz, die über rund 30 verschiedene Netzteile aufgeladen werden. Wann immer also ein neues Handy gekauft wird, ist auch ein neues Ladegerät in der Packung. Allein dieser Prozess verursacht nach Angaben der Brüsseler Behörde pro Jahr 51.000 Tonnen Abfall.
Wie schnell oder langsam diese Menge reduziert wird, hängt allerdings von den Kunden ab. Denn die Hersteller werden nur darauf verzichten, ein neues Netzteil in die Verpackung zu tun, "wenn die Käufer auch akzeptieren, dass kein Charger drin ist", sagte Cosgrave. Ein solcher Stecker bewältige jedoch insgesamt rund 10.000 Ladevorgänge, was einer Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren entspreche.
Die Kunden würden nach einer gewissen Zeit auf jeden Fall merken, dass ein weiterer Stecker in der Verpackung überflüssig sei. "Ich rufe die Industrie auf, die Einführung des einheitlichen Ladegeräts zu beschleunigen", riet denn auch Tajani in Erwartung möglicher Probleme, "damit die EU-Bürger schnell die Vorteile genießen können."
Manche Benutzer werden sich auf jeden Fall ärgern – jene nämlich, die nur telefonieren möchten und bewusst auf den Schnickschnack eines sogenannten Smartphones verzichten. Denn die Hersteller haben die einheitliche Ladelösung nur für diese Art von Handys zugesagt, für die ganz simplen Modelle gilt sie nicht unbedingt. Weil künftig Handys auch ohne Netzteil verkauft werden, erwartet die EU-Kommission zumindest, "dass diese Ersparnis über billigere Preise an die Konsumenten weitergegeben wird".
Industriekommissar Tajani will auch bei den Handys nicht aufhören. "Das ist nur der Beginn der Revolution", sagte er bei der Vorstellung des Steckers. Die Standardisierung wird in der EU-Kommission als Schlüsselelement gesehen, um noch brachliegende Potenziale im Europäischen Binnenmarkt zu erschließen. Außerdem erhofft man sich dadurch, dass, sobald man sich auf einen europäischen Standard geenigt hat, dieser sich auch weltweit durchsetzen kann – auch beim Handy.
Der Italiener Tajani will die Industrie nun auch zu einheitlichen Netzgeräten etwa bei Kameras, MP3-Playern oder Computern verpflichten. Die Branchenvertreterin Cosgrave versicherte ihm öffentlich, dass die Industrie daran bereits arbeite. "Es wird keine Notwendigkeit geben, Gesetze dazu zu erlassen."
Alle Artikel anzeigen
Weitere Artikel
zum Thema
zum Thema
Es ist das vorläufige Ende einer langen Geschichte. Bereits im März 2009 hatte die Brüsseler EU-Kommission der Branche mit einer gesetzlichen Regelung gedroht, falls sie sich nicht freiwillig einige. Die Industrie hatte daraufhin versprochen, im nächsten Jahr – also 2010 – einheitliche Anschlüsse und Stecker zu präsentieren. Das Versprechen konnten sie jedoch erst am Dienstag einlösen.
Hintergrund für das Brüsseler Drängen war nicht nur der Wunsch, es dem Handynutzer einfacher zu machen. Es ging auch darum, die Menge an Elektroschrott zu reduzieren: Derzeit sind nach Angaben der Kommission europaweit rund 500 Millionen Mobilfunkgeräte im Einsatz, die über rund 30 verschiedene Netzteile aufgeladen werden. Wann immer also ein neues Handy gekauft wird, ist auch ein neues Ladegerät in der Packung. Allein dieser Prozess verursacht nach Angaben der Brüsseler Behörde pro Jahr 51.000 Tonnen Abfall.
10.000 Ladevorgänge klappen mindestens
Wie schnell oder langsam diese Menge reduziert wird, hängt allerdings von den Kunden ab. Denn die Hersteller werden nur darauf verzichten, ein neues Netzteil in die Verpackung zu tun, "wenn die Käufer auch akzeptieren, dass kein Charger drin ist", sagte Cosgrave. Ein solcher Stecker bewältige jedoch insgesamt rund 10.000 Ladevorgänge, was einer Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren entspreche.
Die Kunden würden nach einer gewissen Zeit auf jeden Fall merken, dass ein weiterer Stecker in der Verpackung überflüssig sei. "Ich rufe die Industrie auf, die Einführung des einheitlichen Ladegeräts zu beschleunigen", riet denn auch Tajani in Erwartung möglicher Probleme, "damit die EU-Bürger schnell die Vorteile genießen können."
Manche Benutzer werden sich auf jeden Fall ärgern – jene nämlich, die nur telefonieren möchten und bewusst auf den Schnickschnack eines sogenannten Smartphones verzichten. Denn die Hersteller haben die einheitliche Ladelösung nur für diese Art von Handys zugesagt, für die ganz simplen Modelle gilt sie nicht unbedingt. Weil künftig Handys auch ohne Netzteil verkauft werden, erwartet die EU-Kommission zumindest, "dass diese Ersparnis über billigere Preise an die Konsumenten weitergegeben wird".
Industriekommissar Tajani will auch bei den Handys nicht aufhören. "Das ist nur der Beginn der Revolution", sagte er bei der Vorstellung des Steckers. Die Standardisierung wird in der EU-Kommission als Schlüsselelement gesehen, um noch brachliegende Potenziale im Europäischen Binnenmarkt zu erschließen. Außerdem erhofft man sich dadurch, dass, sobald man sich auf einen europäischen Standard geenigt hat, dieser sich auch weltweit durchsetzen kann – auch beim Handy.
Der Italiener Tajani will die Industrie nun auch zu einheitlichen Netzgeräten etwa bei Kameras, MP3-Playern oder Computern verpflichten. Die Branchenvertreterin Cosgrave versicherte ihm öffentlich, dass die Industrie daran bereits arbeite. "Es wird keine Notwendigkeit geben, Gesetze dazu zu erlassen."
Kommentare (1)
Anzeigen
moneyfornothing,
09.02.2011
Tinte und Akkus für alle
Sehr gut gemacht, das mit den Ladegeräten - hat alles nur zu lange gedauert, wenn man bedenkt wie lange es schon USB gibt - und jetzt geht's den Beutelschneidern von Herstellern von Tintenstrahlern an den Kragen, dort wo ein Satz Tintenpatronen mehr kostet als der Drucker. Warum brauchen einige Tintenpatronen überhaupt einen "umweltfreundlichen" Chip, dass auch ja kein Fremdhersteller, den teuren Originalsaft billiger anbieten kann.
Ach ja, und gleiches gilt auch für Hersteller von Geräten, die nur mit teuren Originalakkus (weil ja Chip drin) betrieben werden können.
Ach ja, und gleiches gilt auch für Hersteller von Geräten, die nur mit teuren Originalakkus (weil ja Chip drin) betrieben werden können.
Weitere Artikel
Alle Artikel anzeigen
Veranstaltungen
Finden Sie
Heute können Sie aus 408 Veranstaltungsterminen auswählen
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.


