Sixtus und Glaser Keine Angst vor übler Nachrede

Ricarda Stiller, veröffentlicht am 21.02.2011
Ausnahmsweise nicht im Netz unterwegs, sondern im Gespräch mit Marlis Prinzing: Mario Sixtus (links) und Peter Glaser. Foto: factum/Granville

Stuttgart - "Die Zukunft ist bereits da, sie ist nur ungleichmäßig verteilt." Mit diesem Satz des Science-Fiction-Schriftstellers William Gibson, den Mario Sixtus gerne zitiert, ist auch schon viel über den Freitagabend in der Handwerkskammer der Region Stuttgart gesagt. Bei der Veranstaltung mit dem Titel "Die Zukunft ist 2.0", zu der mehr als 300 Gäste in die Heilbronner Straße gekommen sind, hat der Schriftsteller und Publizist Peter Glaser mit dem Blogger und Online-Journalisten Mario Sixtus diskutiert.



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Marlis Prinzing, die Moderatorin des Abends, berichtet von Untersuchungen, denen zufolge Unternehmen, die Facebook nutzen, allesamt Marktanteile hinzugewonnen hätten. Dabei seien auch Firmen berücksichtigt worden, die das soziale Netzwerk ausschließlich für die interne Kommunikation mit Mitarbeitern einsetzen. Bei der Diskussion wurde das Online-Netzwerk Facebook stellvertretend für alle modernen, interaktiven Plattformen im Internet herangezogen. Über andere Dienste wie etwa Xing oder regionale und lokale Netzwerke, die insbesondere für Handwerksbetriebe interessant sein könnten, wurde nur am Rande gesprochen.

Wie groß die Kluft zwischen der digitalen Elite ist, die das Internet mit all seinen Vor- und Nachteilen ganz selbstverständlich und auch medienkritisch im täglichen Leben nutzt, und jenen, die im Alltag gar keine Zeit haben, sich intensiv mit den Möglichkeiten des noch immer recht neuen Mediums zu beschäftigen, wurde an diesem Abend in Stuttgart wieder einmal deutlich. Ein kleiner Handwerksbetrieb braucht Hilfestellung, um sich im weltweiten Datennetz zeitgemäß präsentieren zu können. Ein Profil bei Facebook ist dabei nur ein Baustein von vielen.

Angst vor Rufschädigung


Doch auch ein Abend mit einem so hochkarätig besetzten Podium kann kaum mehr leisten, als Denkanstöße zu liefern. Der Bachmann-Preisträger und StZ-Autor Peter Glaser » sagt dazu: "Teil des Plans könnte auch die Planlosigkeit sein. Erst mal testen, was eine Firma bei Facebook ausrichten kann." Viel schiefgehen könne dabei eigentlich nicht.

Mario Sixtus, der in Düsseldorf die Produktionsfirma Blinkenlichten gegründet hat, als "Elektrischer Reporter" bekannt wurde, sich auf 3Sat zwei Jahre lang mit Sascha Lobo in einer Streitglosse duellierte und Preisträger des Grimme-Online-Awards ist, sieht im Web 2.0 eine große Chance für Unternehmen. "Erstmals können Sie den Leuten zuhören, wenn Sie denn wollen", sagt er. Man könne mit dem Verbraucher in den Dialog treten und herausfinden, was dieser anders haben möchte. Bisher sei dies nur über teure Marktforschung möglich gewesen. Doch nach seiner Beobachtung würden die Firmen, die bei Facebook aktiv sind, von der Dialogmöglichkeit kaum Gebrauch machen. Sie würden eher Gewinnspiele, Verlosungen und Rabattaktionen anbieten.

In der anschließenden Diskussion bestätigte sich, dass es teilweise noch große Berührungsängste gegenüber den neuen Kommunikationskanälen gibt. Während Glaser und Sixtus kaum Kritisches über das Internet sagen und davon schwärmen, dass gemeinsames Wissen über das Netz generiert werden könne – denn es werde immer Menschen geben, die etwas beitragen könnten, weil sie sich im fraglichen Thema eben noch besser auskennen als man selbst –, fürchten sich viele der Unternehmer vor Rufschädigung oder Mobbing durch Konkurrenten.

"Konstruktives Misstrauen" ist angebracht


Diese Angst versucht Mario Sixtus auszuräumen: "Ich habe das Gefühl, üble Nachrede kommt recht selten vor." Außerdem würde es Möglichkeiten geben, um beispielsweise gefälschte Twitter-Accounts relativ schnell zu entlarven. Es komme häufig vor, dass sich Leute etwa einen Spaß daraus machten und ein Profil von Angela Merkel anlegten. Auch das Satiremagazin "Titanic" stelle gerne amüsante Fälschungen ins Netz.

Peter Glaser hatte bereits selbst das Problem, dass unter seinem Namen beim Versandhändler Amazon gefälschte Produktbewertungen ins Internet gestellt wurden. Dagegen ist er erfolgreich vorgegangen. Derartige Fälschungen lassen sich auch wieder entfernen. Aber er hat ohnehin ungefähr zehn echte Namensvetter. Glaser empfiehlt, den Menschen im Internet – wie im richtigen Leben auch – zunächst einen Vertrauensvorschuss zu geben. Es lauerten nicht an jeder Ecke Betrüger und Datendiebe.


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