Leonberger Kreiszeitung
Leonberg
Motorsport voller Kontraste
Michael Schmidt, veröffentlicht am 25.07.2011
Kuno Werner hat die Hände und das Gehör eines Pianisten - wenn der Werkstattchef des Porschemuseums das Hölleninferno eines luftgekühlten Achtzylinder-Boxermotors am Porsche-Formel-II-Renner 804 entfacht, hört er in Nuancen, ob dem Vergaser das aktuelle Gemisch schmeckt.
Porsche feiert groß seine Motorsporttradition auf der Solitude - mit dem einzigen Wermutstropfen, dass "wir jetzt am Ende die einzigen Hersteller hier sind, schade", stellt der Museumsleiter Achim Stejskal fest. Die Laune bei den Zuffenhausenern ist umso prächtiger: Wohl gestimmt präsentieren sich mit dem Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller, Herbert Linge, Hans Hermann, Eberhard Mahle auch die jungen Wilden: Die Werksfahrer Marc Lieb und Richard Lietz genießen es, die historische Rennluft zu schnuppern und in den Rennfahrzeugen allein mit "Popometer" und Muskelschmalz durchs Glemstal zu zirkeln. Ist es arg schwer, statt eines aktuellen GT-Modells einen Formel-2-Renner aus den 60er zu steuern? "Nein, der fährt sich so easy wie ein Käfer", sagt Marc Lieb und lupft seinen sechsjährigen Sohn ins Cockpit des Monoposto. Der strahlt - vor allem weil er Papa mit seinen rund 200 Reisetagen im Jahr mal ganz für sich hat. Praktisch, so eine Rennstrecke vor der Haustür. Häuslich eingerichtet hat sich auch der Winnender Benno Deifel. Schon bei den Gespanntreffen des Leonberger Motorsportclubs holte er immer wieder die nationale Gespannfahrerszene unter den einstigen Start- und Zielturm. Nun campieren die Härtesten unter den Motorradfahrern auf der Sumpfwiese hinter dem Hotel Glemseck ( "so wie früher halt auch") und dinieren in der einstigen Seehaus-Reithalle - auf Deifel Einladung. "Eigentlich hat man uns einen Ochsen am Spieß versprochen. Aber daraus ist nichts geworden", zeigt sich Deifel enttäuscht von den Organisatoren.
Die allerdings waren am Limit - und manchmal auch jenseits davon. Ein Grundmaß an Hektik und Dezibel gehört zu einem Fahrerlager wie auch zu einer Boxengasse einfach dazu und ist im Motorsport ein Naturgesetz. Dass aber mehr als 700 Fahrzeuge, 20000 Besucher und die gesamte Logistik für eine solche Großveranstaltung einzig und allein über ein Zufahrtssträßchen abgewickelt werden mussten, sorgte bisweilen für Chaos, welches mit einem unglaublichen Langmut von Fahrern wie Besuchern erduldet wurde: "Rennen fahren heißt leben, die Zeit dazwischen heißt warten", zitierte Herbert Linge beim Herumsitzen vor einer Präsentationsrunde im 550 Spyder den Schauspieler Steve McQueen. Linge war anno 1970 Double für den Schauspieler, fuhr den mit Filmkameras bestückten Le-Mans-Renner 1970 auf Platz 8 des 24 Stunden-Rennens. "Die haben uns nur Zeitstrafen aufgebrummt, weil wir zu oft in die Box mussten. Um die Filmrollen zu wechseln." Mit solch launigen Episoden verkürzt Linge dann seinem Beifahrer die Wartezeit auf den Start.
Weder Bernd Schüppel vom Verein Solitude Revival noch Karl-Ulrich Herrmann sprachen aus, was alle dachten: 90 Prozent der Probleme hätte es nicht gegeben, wenn der einstige Veranstalter der Solituderennen seine Gelände geöffnet hätte: Ursprünglich war der heutige Verkehrsübungsplatz nämlich als Fahrerlager geplant gewesen, doch noch vor dem Ende des Neubaus kam im Jahr 1965 das Ende der "Solitude" als Rennstrecke.
Richtig gut im Griff hatte Horst Belling vom Verein Solitude Revival als "Fahrtenleiter" den Rundkurs. Selbst als ein über 70-jähriger Motorradfahrer bei der letzten Runde am Samstag einen Schwächeanfall erlitt und schwer stürzte, waren die Hilfe und der Fahrtabbruch in Sekundenschnelle organisiert und per Funk an alle Streckenposten übermittelt.
Es war der einzige Einsatz, bei dem Wolfgang Stahl und Kurt Wöhr richtig eingreifen mussten: In einem historischen Porsche 944 Turbo pfefferten sie im Sicherungsfahrzeug der ONS-Staffel wie bei einem echten Rennen dem Teilnehmerfeld hinterher; Rettungsgerät im Kofferraum und Erste-Hilfe-Wissen im Kopf: "Uns geht's richtig gut", sagt der Weissacher Kurt Wöhr lächelnd, "wir dürfen die ganze Zeit fahren." Fast 500 Kilometer Solitudering schafften sie am Wochenende.
Die allerdings waren am Limit - und manchmal auch jenseits davon. Ein Grundmaß an Hektik und Dezibel gehört zu einem Fahrerlager wie auch zu einer Boxengasse einfach dazu und ist im Motorsport ein Naturgesetz. Dass aber mehr als 700 Fahrzeuge, 20000 Besucher und die gesamte Logistik für eine solche Großveranstaltung einzig und allein über ein Zufahrtssträßchen abgewickelt werden mussten, sorgte bisweilen für Chaos, welches mit einem unglaublichen Langmut von Fahrern wie Besuchern erduldet wurde: "Rennen fahren heißt leben, die Zeit dazwischen heißt warten", zitierte Herbert Linge beim Herumsitzen vor einer Präsentationsrunde im 550 Spyder den Schauspieler Steve McQueen. Linge war anno 1970 Double für den Schauspieler, fuhr den mit Filmkameras bestückten Le-Mans-Renner 1970 auf Platz 8 des 24 Stunden-Rennens. "Die haben uns nur Zeitstrafen aufgebrummt, weil wir zu oft in die Box mussten. Um die Filmrollen zu wechseln." Mit solch launigen Episoden verkürzt Linge dann seinem Beifahrer die Wartezeit auf den Start.
Weder Bernd Schüppel vom Verein Solitude Revival noch Karl-Ulrich Herrmann sprachen aus, was alle dachten: 90 Prozent der Probleme hätte es nicht gegeben, wenn der einstige Veranstalter der Solituderennen seine Gelände geöffnet hätte: Ursprünglich war der heutige Verkehrsübungsplatz nämlich als Fahrerlager geplant gewesen, doch noch vor dem Ende des Neubaus kam im Jahr 1965 das Ende der "Solitude" als Rennstrecke.
Richtig gut im Griff hatte Horst Belling vom Verein Solitude Revival als "Fahrtenleiter" den Rundkurs. Selbst als ein über 70-jähriger Motorradfahrer bei der letzten Runde am Samstag einen Schwächeanfall erlitt und schwer stürzte, waren die Hilfe und der Fahrtabbruch in Sekundenschnelle organisiert und per Funk an alle Streckenposten übermittelt.
Es war der einzige Einsatz, bei dem Wolfgang Stahl und Kurt Wöhr richtig eingreifen mussten: In einem historischen Porsche 944 Turbo pfefferten sie im Sicherungsfahrzeug der ONS-Staffel wie bei einem echten Rennen dem Teilnehmerfeld hinterher; Rettungsgerät im Kofferraum und Erste-Hilfe-Wissen im Kopf: "Uns geht's richtig gut", sagt der Weissacher Kurt Wöhr lächelnd, "wir dürfen die ganze Zeit fahren." Fast 500 Kilometer Solitudering schafften sie am Wochenende.
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