Leonberger Kreiszeitung

Leonberg

Zwei 160-Meter-Windräder über Eltingen?

veröffentlicht am 26.07.2011
factum / simon granville

Ins Visier genommen war auch ein Standort auf dem Gelände der ehemaligen Deponie am "Eltinger Kopf" genommen worden, er wäre aus "windenergetischer Sicht" sogar noch günstiger gelegen. Doch wurde aus Rücksicht auf die speziellen heimatverbunden Befindlichkeiten in Eltingen auf diesen Blickfang über dem Glemstal verzichtet, ist aus dem Landratsamt zu erfahren. Weitab von jeglicher Bebauung, zwischen Autobahn und dem manchmal vor sich hin meuchelnden Kompostwerk, wäre auch Sicht vieler Fachleute der ideale Standort. Der "Windatlas Baden-Württemberg" schlägt als dritten Standort mit "mittleren Windgeschwindigkeiten" noch den Engelberg vor, der aber aus ähnlichen Gründen wie der Eltinger Kopf ausscheidet.


Als Investor für die Windräder könnte der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises auftreten, der Millionen in der Rücklage hat und bislang am Böblinger Restmüllheizwerk massiv in Solarkraftwerke investiert hatte. Aufwind für die Windkraftpläne gibt die Ankündigung der grün-roten Landesregierung, in den nächsten zehn Jahren rund 150 neue Windkraftanlagen in Betrieb zu nehmen. Die Kombination aus moderner Maschinenbautechnik und dem Energieeinspeisegesetz führt dazu, das solche Anlagen wohl auch an Standorten effizient betrieben werden können, die vor wenigen Jahren noch als unrentabel eingestuft worden waren. Dies hat auch den Leonberger Energiekreis um Rüdiger Beising beflügelt. Der einstige EnBW-Klimaschutzexperte hatte sich bereits vor einigen Wochen mit der Bitte an die Stadtverwaltung gewandt, den Betrieb eines solchen Windrades in städtischer Regie zu prüfen - "oder aber durch ein Stadtwerk", sagt der designierte SPD-Gemeinderat Beising, "es gibt beim Betrieb alle Möglichkeiten." Man brauche allerdings deutlich mehr Geld als beim Bau der Bürgersolaranlagen, bei denen sich jedermann bereits mit 1000-Euro-Anteilen einkaufen konnte - doch soll diese Option auch für ein Windrad möglich sein, sagt Beising. "Das wäre auch gut für die Akzeptanz einer solchen Anlage."

Während Beising die EnBW als Partner ins Spiel gebracht hatte, hat die aktuelle Planung des vermögenden kreiseigenen Abfallwirschaftsbetriebes seine Überlegungen überholt. Dennoch besitzt Leonberg noch ein gehöriges Mitspracherecht, weil die Entscheidung für solch ein Windrad auf der städtischen Gemarkung letztlich auch vom Gemeinderat abhängt. Hier kann sich der Fraktionschef der grün-alternativen Liste (Gabl) und Landtagsabgeordnete Bernd Murschel vorstellen, dass "wir mit dem Landkreis ins Geschäft kommen". Ganz umsonst soll der gute Willen der Leonberger nicht sein, fordert Murschel. Auch er bringt neu aufgestellte Stadtwerke ins Spiel, die auch das Leonberger Stromnetz besitzen.

Der Leonberger Oberbürgermeister will seine Haltung morgen kundtun. Bis zum Bau dürften noch einige Böen über den Glemswald hinweg ziehen. Es stehen verschiedene Gutachten aus, bevor solch eine Anlage gebaut werden darf. Beispielsweise, ob solch ein Windrad der Vogelwelt schadet, oder ob der Baugrund für solch riesige Masten geeignet ist. Im Jahr 2004 hatte sich der nur 25Meter hohe Gäreaktor neun Zentimeter aus dem Lot bewegt, als er probeweise befüllt wurde. Die Anlage steht auf einer einstigen Erddeponie, was kein Hinderungsgrund sein muss: In Karlsruhe werden Windräder auf ähnlichem Grund gebaut.


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