Leonberger Kreiszeitung
An diesem Nachmittag streift Jiri Hönes wie so oft durch die Porschestraße in Weissach und blickt auf sein Objekt der Begierde: Es ist das Haus am Ende der Straße Richtung Mönsheim. Es ist das einzige in ganz Weissach, das noch eine solche Blechplattenfassade hat.
"Man kann sich ein Bild davon machen, wie die Dörfer vor ein paar Jahrzehnten ausgesehen haben", erzählt Hönes. Seit sechs Jahren sammelt er deshalb Fotos von Häusern mit solchen Fassaden. Auch heute hat er die Tasche mit dem Fotoapparat darin über die Schulter gelegt. Wie immer, wenn er am Wochenende seine Streifzüge durch die Dörfer in der Umgebung unternimmt. 50 der Häuser mit den seltenen Blechplatten-Fassaden hat er inzwischen schon vor die Linse bekommen.
Blechplatten sind ein Überbleibsel aus der Vergangenheit. "Sie kamen wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Jedes Dorf hat heute vielleicht noch ein oder zwei Gebäude mit solchen Fassaden" sagt Hönes. Früher wurden sie an der Westseite von Häusern angebracht als Schutz gegen die Witterung. Deswegen sehen viele recht mitgenommen aus, wenn nicht schäbig. Für Jiri Hönes sind genau diese, oft mit Rost überzogenen Blechplatten am faszinierendsten. Sie zeigen die "harten" Jahre, die sie hinter sich haben, Wind und Regen ausgesetzt. "Die Fassade ist hier in Weissach dagegen sehr gut erhalten", sagt Hönes.
Mit viel Wohlwollen lässt sich die undefinierbare Farbe auch als hellblau bezeichnen. Hellblaue Heringsschuppen quasi. Jiri Hönes kommt ins Schwärmen. "Für mich schaffen sie eine schaurig faszinierende Atmosphäre. Sie sind der düstere Kontrast zum ansonsten so idyllischen Landleben." Genau das ist es, was ihn schon immer beeindruckt hat: Das Bild eines Ortes, seine Besonderheiten, die Geschichte, die er zu erzählen hat. Deswegen fotografiert Jiri Hönes nicht nur Häuserfassaden mit Blechplatten. Alte Kaugummi- und Spielwarenautomaten interessieren ihn genauso wie die Betonbauten aus den 60er und 70er Jahren.
Die Idee mit den Blechplatten habe er zufällig gehabt, erzählt er. "Irgendwann sind sie mir in den Sinn gekommen. Eines Tages habe ich sie dann an einem Haus in Eberdingen entdeckt." Bald darauf kam ein weiteres Objekt in Mönsheim dazu. Das war ihm lange nicht aufgefallen, obwohl er schon oft daran vorbeigegangen war.
Während er weiter durch Weissach schlendert, fallen ihm auch andere alte Relikte ins Auge. "Hier ist ein Abtsstein", sagt Hönes und zeigt auf ein kleines Kreuz aus grauem Stein, das an einem Haus am anderen Ende der Porschestraße Richtung Ortsmitte steht. Der Legende nach sollen die Weissacher Bürger im Jahr 1212 einen Abt erschlagen haben. "Der Stein sollte als Sühnekreuz an ihn erinnern", erklärt Hönes.
Ursprünglich stammt Jiri Hönes aus Mönsheim. Mittlerweile lebt er in Stuttgart und arbeitet als Online-Redakteur beim Landesmedienzentrum von Baden-Württemberg. Im Büro, an einem Computer. Eine Arbeit, die nichts mit Altem und Vergangenem gemeinsam hat.
Neue Medien nutzt er gerne. Das steht für ihn nicht im Widerspruch zu seinem Faible für die Vergangenheit. So weiß er zum Beispiel das umstrittene Google Street View zu schätzen. Fotos von Häusern und Straßenzügen werden vom Konzern fotografiert und im weltweiten Netz zur verfügung gstellt - das gefällt nicht jedem. "Die Menschen in 100 Jahren werden genau wissen, wie die Städte und Dörfer heute ausgesehen haben", meint Hönes. Das Vergangene oder im Moment noch Vorhandene für die Nachwelt festzuhalten, ist auch ein Anspruch, den er an sich selbst stellt. Die Fotos, die er von den Blechplatten schießt, veröffentlicht er auf seiner eigenen Homepage. Deswegen macht er sich nun auf die Suche nach neuen Objekten. "Die Blechplatten in der Gegend kenne ich eigentlich alle. Aber vielleicht ist doch noch irgendwo ein Haus mit einer solchen Fassade versteckt", sagt Jiri Hönes. Er wirft einen letzten Blick auf das Haus am Ortsrand von Weissach. Ob es ein schöner Anblick ist, darüber lässt sich streiten. Beruhigend ist er allemal. Ein Rosenbusch vor dem Haus, die Blechplatten an der Außenwand, neben dem Haus ein alter Holzschuppen. Autos sind keine zu hören, stattdessen nur Vögel, die zwitschern. Und der Gedanke an den Hering ist auch fast vergessen.www.blechplatten.net
Blechplatten sind ein Überbleibsel aus der Vergangenheit. "Sie kamen wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Jedes Dorf hat heute vielleicht noch ein oder zwei Gebäude mit solchen Fassaden" sagt Hönes. Früher wurden sie an der Westseite von Häusern angebracht als Schutz gegen die Witterung. Deswegen sehen viele recht mitgenommen aus, wenn nicht schäbig. Für Jiri Hönes sind genau diese, oft mit Rost überzogenen Blechplatten am faszinierendsten. Sie zeigen die "harten" Jahre, die sie hinter sich haben, Wind und Regen ausgesetzt. "Die Fassade ist hier in Weissach dagegen sehr gut erhalten", sagt Hönes.
Mit viel Wohlwollen lässt sich die undefinierbare Farbe auch als hellblau bezeichnen. Hellblaue Heringsschuppen quasi. Jiri Hönes kommt ins Schwärmen. "Für mich schaffen sie eine schaurig faszinierende Atmosphäre. Sie sind der düstere Kontrast zum ansonsten so idyllischen Landleben." Genau das ist es, was ihn schon immer beeindruckt hat: Das Bild eines Ortes, seine Besonderheiten, die Geschichte, die er zu erzählen hat. Deswegen fotografiert Jiri Hönes nicht nur Häuserfassaden mit Blechplatten. Alte Kaugummi- und Spielwarenautomaten interessieren ihn genauso wie die Betonbauten aus den 60er und 70er Jahren.
Die Idee mit den Blechplatten habe er zufällig gehabt, erzählt er. "Irgendwann sind sie mir in den Sinn gekommen. Eines Tages habe ich sie dann an einem Haus in Eberdingen entdeckt." Bald darauf kam ein weiteres Objekt in Mönsheim dazu. Das war ihm lange nicht aufgefallen, obwohl er schon oft daran vorbeigegangen war.
Während er weiter durch Weissach schlendert, fallen ihm auch andere alte Relikte ins Auge. "Hier ist ein Abtsstein", sagt Hönes und zeigt auf ein kleines Kreuz aus grauem Stein, das an einem Haus am anderen Ende der Porschestraße Richtung Ortsmitte steht. Der Legende nach sollen die Weissacher Bürger im Jahr 1212 einen Abt erschlagen haben. "Der Stein sollte als Sühnekreuz an ihn erinnern", erklärt Hönes.
Ursprünglich stammt Jiri Hönes aus Mönsheim. Mittlerweile lebt er in Stuttgart und arbeitet als Online-Redakteur beim Landesmedienzentrum von Baden-Württemberg. Im Büro, an einem Computer. Eine Arbeit, die nichts mit Altem und Vergangenem gemeinsam hat.
Neue Medien nutzt er gerne. Das steht für ihn nicht im Widerspruch zu seinem Faible für die Vergangenheit. So weiß er zum Beispiel das umstrittene Google Street View zu schätzen. Fotos von Häusern und Straßenzügen werden vom Konzern fotografiert und im weltweiten Netz zur verfügung gstellt - das gefällt nicht jedem. "Die Menschen in 100 Jahren werden genau wissen, wie die Städte und Dörfer heute ausgesehen haben", meint Hönes. Das Vergangene oder im Moment noch Vorhandene für die Nachwelt festzuhalten, ist auch ein Anspruch, den er an sich selbst stellt. Die Fotos, die er von den Blechplatten schießt, veröffentlicht er auf seiner eigenen Homepage. Deswegen macht er sich nun auf die Suche nach neuen Objekten. "Die Blechplatten in der Gegend kenne ich eigentlich alle. Aber vielleicht ist doch noch irgendwo ein Haus mit einer solchen Fassade versteckt", sagt Jiri Hönes. Er wirft einen letzten Blick auf das Haus am Ortsrand von Weissach. Ob es ein schöner Anblick ist, darüber lässt sich streiten. Beruhigend ist er allemal. Ein Rosenbusch vor dem Haus, die Blechplatten an der Außenwand, neben dem Haus ein alter Holzschuppen. Autos sind keine zu hören, stattdessen nur Vögel, die zwitschern. Und der Gedanke an den Hering ist auch fast vergessen.www.blechplatten.net
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