In Darkness
Eine wahre Geschichte
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 09.02.2012
Filmbeschreibung
Das Jahr 1943. Deutsche Sondereinsatzkommandos treiben nackte Jüdinnen in die Wälder um Lvov, um sie dort zu töten. Als das Ghetto von Lvov geräumt wird, flüchtet sich eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Juden in die Kanalisation der Stadt, um sich dort zu verstecken. Der Kanalarbeiter Leopold Socha, der sich wie kein Zweiter im Untergrund auskennt, wittert eine Chance zur Einkommenssicherung und bietet den Flüchtlingen an, ihnen gegen stattliche Entlohnung zu helfen. Er tut dies aus rein materiellem Kalkül, antisemitisches Gedankengut ist ihm nicht fremd und gefährlich ist die Sache obendrein, denn demjenigen, der Juden hilft, droht die Exekution.
Die polnische Filmemacherin Agnieszka Holland ("Hitlerjunge Salomon") hält sich einiges darauf zugute, dass sie gemischte Charaktere zeigt. Damit meint sie aber nur, dass ihre Figuren nicht nur böse Täter und edle Opfer sind. Allerdings unterschlägt Holland, dass ihre Figuren exemplarisch für bestimmte Haltungen stehen: da gibt es den reichen assimilierten West-Juden und den orthodoxen Ost-Juden, es gibt den Juden, der bereit ist, sich zu wehren und denjenigen, der sich seinem Schicksal ergibt. Wie ein Theaterstück der fünfziger Jahre erzählt "In Darkness"" vom Holocaust anhand einer Schicksalsgemeinschaft, die in einer extremen Krisensituation Erfahrungen von Freundschaft, Zweifel, Verrat und Ressentiments sammelt.
In einer Mischung aus Schulfernsehen und Daily Soap steht jede Figur und jede Szene für etwas: wenn Leopold antisemitische Vorurteile hegt, dann klärt ihn seine Ehefrau auf, dass auch Jesus Jude war, weshalb sich der Pole vom Saulus zum Paulus wandelt. Holland scheut drastischen Naturalismus so wenig wie dreiste Kolportage, wenn sie erzählt, dass ein Neugeborenes getötet werden muss, weil sein Schreien die Gruppe verraten hätte. Holland taucht tief ein in die dunklen Regionen des Holocaust, will aber zugleich ein Zeichen der Hoffnung setzen, die in der menschlichen Solidarität wider alle Klassen gründet.
So steht ihr Film in der Tradition der Holocaust-Kolportage à la "Schindlers Liste" und "Der Pianist", die entschuldende Märchen vom Überleben des Genozids wider alle Wahrscheinlichkeit erzählen. Den Realismus des Re-Enactments von Unbeschreiblichem zu behaupten ist allerdings mehr als nur geschmacklos. Dass "In Darkness""nun auch noch als polnischer Kandidat ins Rennen um die"Oscars geschickt wird, ist zudem ein Affront gegenüber dem polnischen Regiealtmeister Andrzej Wajda, der bereits in den Fünfzigern in "Der Kanal" eine ähnliche Geschichte künstlerisch und moralisch integer verfilmt hat.
Die polnische Filmemacherin Agnieszka Holland ("Hitlerjunge Salomon") hält sich einiges darauf zugute, dass sie gemischte Charaktere zeigt. Damit meint sie aber nur, dass ihre Figuren nicht nur böse Täter und edle Opfer sind. Allerdings unterschlägt Holland, dass ihre Figuren exemplarisch für bestimmte Haltungen stehen: da gibt es den reichen assimilierten West-Juden und den orthodoxen Ost-Juden, es gibt den Juden, der bereit ist, sich zu wehren und denjenigen, der sich seinem Schicksal ergibt. Wie ein Theaterstück der fünfziger Jahre erzählt "In Darkness"" vom Holocaust anhand einer Schicksalsgemeinschaft, die in einer extremen Krisensituation Erfahrungen von Freundschaft, Zweifel, Verrat und Ressentiments sammelt.
In einer Mischung aus Schulfernsehen und Daily Soap steht jede Figur und jede Szene für etwas: wenn Leopold antisemitische Vorurteile hegt, dann klärt ihn seine Ehefrau auf, dass auch Jesus Jude war, weshalb sich der Pole vom Saulus zum Paulus wandelt. Holland scheut drastischen Naturalismus so wenig wie dreiste Kolportage, wenn sie erzählt, dass ein Neugeborenes getötet werden muss, weil sein Schreien die Gruppe verraten hätte. Holland taucht tief ein in die dunklen Regionen des Holocaust, will aber zugleich ein Zeichen der Hoffnung setzen, die in der menschlichen Solidarität wider alle Klassen gründet.
So steht ihr Film in der Tradition der Holocaust-Kolportage à la "Schindlers Liste" und "Der Pianist", die entschuldende Märchen vom Überleben des Genozids wider alle Wahrscheinlichkeit erzählen. Den Realismus des Re-Enactments von Unbeschreiblichem zu behaupten ist allerdings mehr als nur geschmacklos. Dass "In Darkness""nun auch noch als polnischer Kandidat ins Rennen um die"Oscars geschickt wird, ist zudem ein Affront gegenüber dem polnischen Regiealtmeister Andrzej Wajda, der bereits in den Fünfzigern in "Der Kanal" eine ähnliche Geschichte künstlerisch und moralisch integer verfilmt hat.
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