Leonberger Kreiszeitung

Leonberg

Schnellerer Blick in das Körperinnere

Sven Hahn, veröffentlicht am 22.02.2012
Allein die Magnetrolle eines Kernspintomographen wiegt sechs Tonnen. factum / Jürgen Bach

Wer wissen will, ob sein Meniskus angerissen ist, woher der ­quälende Schmerz in der ­Nierengegend kommt oder was das ständige Kopfweh auslöst, wird häufig vom Arzt an einen Radiologen überwiesen. „Eine Kernspintomographie, kurz MRT, kann in vielen Fällen eine schnelle Erklärung ­liefern“, sagt Ingo Matheus, Pressesprecher des Klinikverbands Südwest.

Bisher wurden Patienten von ihrem Hausarzt oder Orthopäden für eine solche Aufnahme aus dem Körperinneren noch an Spezialpraxen außerhalb Leonbergs ­verwiesen. Dazu kommt: „Im ­Moment liegt die Wartezeit für ein MRT bei sechs bis acht ­Wochen“, sagt Matheus. Das soll sich ab dem 2. April ändern. Dann ­eröffnet in der Römergalerie eine neue ­Radiologische ­Praxis.

Die beiden Kernspintomographen ­wurde gestern bereist geliefert. Für kurze Zeit schwebten die jeweils eine Million Euro teuren Geräte an einem riesigen ­Lastkran über der Leonberger Innenstadt. Jede Röhre ist rund drei Meter hoch, zweieinhalb Meter lang und wiegt sechs Tonnen pro Stück. Deshalb mussten die Anlagen durch die Fassade ins Gebäude manövriert werden. Später liegen die Patienten auf einer Bare und werden für eine Aufnahme ins Innere der Magnetröhre gefahren. „Die Anschaffung wird sich in etwa ­sieben bis acht Jahren gerechnet haben“, erklärt Ekkehard Scholz. Der Radiologe ist einer von vier Ärzten, die ab April in Leonberg ihre Arbeit aufnehmen werden.

Damit seine Rechnung aufgeht, ­müssen die beiden Kernspintomographen täglich zwischen 55 und 60 Aufnahmen liefern. „Das bedeutet, die ­Geräte laufen zwölf Stunden jeden Tag“, sagt Scholz. Für die Aufnahme eines Kassenpatienten erhält der Mediziner eine Pauschale von rund 70 Euro. „Bei solchen Dumping-Preisen müssen wir so viele ­Aufnahmen wie möglich anfertigen, damit sich die Anschaffung irgendwann rechnet“, erklärt Scholz.

Die Abkürzung MRT steht für ­Magnetresonanztomographie. Bei diesem Verfahren werden mit Hilfe eines starken Magnetfelds Schnittbilder des menschlichen Körpers angefertigt. Beschädigtes ­Gewebe und andere Veränderungen ­können erkannt werden. „Zum einen muss der Körper nicht mehr aufgeschnitten ­werden, um in ihn hinein zu blicken“, ­erklärt Ekkehard Scholz die Vorteile der Technik, „und die Patienten werden, ­anders als beim Röntgen, keiner Strahlung ausgesetzt.“ In den vergangenen Jahren sind die ­Bilder aus dem Körperinneren immer ­genauer und detailreicher geworden. Auf den Aufnahmen ist mehr zu erkennen. „Das Feld der Radiologie hat sich dadurch ­erweitert“, sagt Scholz.

Die Leonberger Mediziner können heute auf ihren Bildern Tumore erkennen, sehen gerissene Bänder und können Fehlbildungen an inneren Organen diagnostizieren. „Außerdem kommt unsere Technik bei Bandscheibenleiden und zur Kontrolle von Operationsergebnissen zum Einsatz.“ Die Suche nach Tumoren und Krebsgeschwüren ist eine weiter Aufgabe der Radiologen. „Wenn ein Sportler beispielsweise ­umknickt und einen dicken Knöchel hat, wurde vor zehn Jahren noch eine sogenannte gehaltene Aufnahme gemacht“, sagt Scholz. Bei ­Verdacht auf einen Bänderriss wurde der Fuß in eine Art Schraubstock eingespannt, das Gelenk verdreht und dann geröntgt. „Dabei rissen meist die anderen Bänder gleich mit“, sagt der Mediziner. Die Verletzung wurde durch die Untersuchung also noch verschlimmert. „Mit einem MRT ­können wir den Patienten die Schmerzen und Schäden durch gehaltene Aufnahmen ersparen.“

Eine Konkurrenz sieht Ingo Matheus vom Klinikverband Südwest in der neuen Radiologiepraxis nicht. „Wir werden mit den Kollegen sehr gut zusammenarbeiten“, sagt er und fügt hinzu: „Ein Krankenhaus darf ja gar kein MRT als Untersuchungsmethode anbieten.“ In einer Klink ist diese Technik ausschließlich Notfällen und stationären Patienten vorbehalten.

Unter den Ärzten gehören die Radiologen zu den Besserverdienern. „Es stimmt, wir können gut von unserem Geschäft ­leben“, sagt Scholz, „doch die Technik ist auch sehr kostspielig.“ Wenn die eine Million Euro teuren Geräte, die gestern über der Leonberger Innenstadt schwebten, in einigen Jahren abbezahlt sind, werden sich Scholz und seine Kollegen schon nach neuen Modellen umschauen. „In sechs bis sieben Jahren wird die Technik wieder deutlich weiter sein“, sagt er, „das bedeutet, wir müssen unsere Anlagen erneuern.“

Robert Heger, der Vorsitzende der Leonberger Ärzteschaft, freut sich über die neuen Kollegen. „Die Radiologen haben ein großes finanzielles Risiko gewagt“, sagt er und fügt hinzu: „Eine solche Praxis war in Leonberg schon lange überfällig.“ Heger ist Orthopäde. Er wird seine Patienten künftig zur Untersuchung an die neuen Kollegen überweisen. „Ich erwarte, dass sich die Wartezeit auf eine MRT-Untersuchung deutlich verkürzen wird.“





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