Leonberger Kreiszeitung

Weil der Stadt

Die Narren lassen sich die Fasnet nicht vermiesen

Peter Meuer, veröffentlicht am 22.02.2012
Die Weiler Clowns haben beim Umzug wie immer für Stimmung gesorgt. factum / Jürgen Bach

Traurig seien die Vorfälle, sagt Michael Borger. „Es ist furchtbar und schade, dass das alles passieren konnte“, ergänzt der Vorsitzende der Weiler Narrenzunft AHA. Aber: „Wir lassen uns die Stimmung nicht vermiesen“, sagt Borger und blickt in Richtung Marktplatz. Dort, rund um den Brunnen und die Rathausarkaden, feiern, singen und schunkeln Hunderte Menschen. Die Musiker spielen „Im Wagen vor mir (fährt ein junges Mädchen).“ Die Sonne scheint freundlich, es ist frühlingshaft warm.

Ein Gesprächsthema sind die Ereignisse vom Sonntagabend, auf die Borger anspielt, natürlich dennoch unter den Narren der Keplerstadt. „Wir haben das mitbekommen, in der Zeitung davon gelesen“, sagt beispielsweise der 30-jährige Michael Boppel, der Mitglied der Weiler Bären ist.

Bei Schlägereien nach dem Umzug wurden mehrere Menschen verletzt, und das zum Teil schwer (wir haben berichtet). Auf der Hermann-Schnaufer-Straße hatte es beispielsweise eine große Schlägerei mit mehreren Beteiligten gegeben; um Mitternacht hatte zudem ein als Hexe verkleideter Mann einen 35-Jährigen mit einem Holzknüppel eine schwere Platzwunde zugefügt. Die Polizei verzeichnete noch dazu Sachbeschädigungen, Fälle von Vandalismus und übermäßigem Alkoholkonsum.

Natürlich, die Weiler Narrenzunft trifft keine Schuld für das Fehlverhalten Einzelner. Zumal, wenn sie von andernorts zugereist sind und die Fasnet zum Saufen und Krawall schlagen missbrauchen. Natürlich, der eigentliche Umzug mit seinen mehr als 30 000 Besuchern war gut organisiert, er war eine große, friedliche und fröhliche Fete. Dennoch: wenn es nach der eigenen Veranstaltung solchen Ärger gibt, muss das auch ein eingespieltes und gelassenes Team wie das der Organisatoren der Weiler Narrenzunft erst einmal wegstecken.

„Es wird bald eine Nachbesprechung geben“, kündigt Michael Borger an. „Wir stehen mit der Polizei und der Stadt in Kontakt“, ergänzt er. „Das Thema wird uns weiter beschäftigen. Wir werden daher darüber sprechen, wie wir in der Zukunft solchen Ärger vermeiden können.“

Aber nicht an diesem Dienstag: „Erst einmal bringen wir die Fasnets-Saison gut zu Ende“, betont Borger. Wenn der Kinderumzug dafür als Maßstab dient, dessen Höhepunkt und Abschluss die Fete auf dem Marktplatz ist, dann gelingt der AHA dieses Vorhaben jedenfalls ausgezeichnet. Etwa 3000 bis 4000 Zuschauer schauen sich den „kleinen Zug“ an, der sich vor allem an Kinder und Familien richtet. Er ist eine abgespeckte Version des Umzugs vom Sonntag. Beim Kinderumzug gehen und fahren nur Weiler Gruppen und Wagen mit.

Bei den jungen Besuchern sind übrigens immer noch Kostüm-Klassiker im Trend. Der Grundschüler von heute geht als Cowboy, Pirat oder Micky Maus verkleidet. „Guck einmal, da kommen die Hexen“, ruft ein Vater seinem Sprössling zu, mit dem John Wayne und Clint Eastwood sicherlich gerne durch die Prärie reiten würde. Und da biegen sie auch schon um die Ecke zur Stuttgarter Straße, die Weiler Hexen. In diesem Jahr feiern sie das 55-jährige Bestehen ihrer Maskengruppe, darum haben sie gleich zwei Wagen dabei: den „modernen“ zwölf Jahre alten Hexendreher und einen Nachbau des Modells von 1962.

Hier zeigt sich: der Kinderumzug ist nicht nur für Kinder, er ist auch von Kindern. Der Nachwuchs der Narrenzunft darf sich bewähren. Auf den rotierenden Sitzen hocken diesmal vor allem kleine Hexen, auf dem Wagen des Zunftmeisters Daniel Kadasch und seines Siebenerrats haben junge Weiler Schellenteufel Platz genommen.

„Die Stimmung ist super“, sagt auch der Bär Michael Boppel, der mit seiner Frau Marisa und der Tochter Cinja die Stuttgarter Straße entlang läuft. Begeisterte Zuschauer sind Susanne Straub und ihre Tochter Pauline. Ihr habe der Elefantenwagen besonders gut gefallen, sagt die Neunjährige. „Die Umzüge in Weil der Stadt finden wir viel schöner als den Umzug in Stuttgart“, erzählt Susanne Straub lächelnd.





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